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nature’s principle
wiederholung ist das prinzip der natur. seit jahrtausenden bestimmt der stetige wechsel, der immer wiederkehrende zyklus der jahreszeiten die evolution der fauna und flora. seit wir menschen nicht länger unmittelbar in der natur leben, ist unsere wahrnehmung für diesen permanenten wechsel nicht mehr so stark ausgeprägt.

es sind zumeist nur mehr überlieferte feste, rituale und praktizierte feiertage, die uns an den naturzyklus des jahres erinnern. die energien der jahreszeiten wirken jedoch nach wie vor tief hinein in das empfinden der menschen. wer kennt nicht das beglückende gefühl, nach der grauen, kalten winterzeit die ersten wärmenden sonnenstrahlen des frühlings auf der haut zu spüren. der spaziergang über die blühende blumenwiese, die wanderung durch den duftenden wald werden dabei zum sprichwörtlichen himmel auf erden. „die wiedervereinigung von kultur und natur im ritual wirke der zersplitterung der welt durch die sprache entgegen“, meinte einmal der us-anthropologe roy a. rappaport. in der „ritualisierung des lebens“ erkannte rappaport eine mögliche verbindung zwischen mensch und natur. die tiere stehen seit jeher im harmonischen einklang mit dem zyklus der natur und den lebensräumen. ihnen könnten solch philosophisch formulierte ideale der menschen wahrscheinlich nur recht sein …
der magie der natur und ihrer rituale ist auch der fotograf frank stöckel anheim gefallen. mit seinen fotoaufnahmen einer seltenen weißen rotwild-art hat er diese vorliebe vor einiger zeit dokumentiert. unter dem titel „eekholt“, benannt nach dem gleichnamigen naturpark in deutschland, hat stöckel albino-hirschen bei ihrem täglichen ritual des grasens am waldesrand fotografisch festgehalten. das geheimnisvoll, leuchtende weiß der tiere als farbe des reinen und unschuldigen, und die mystische atmosphäre zu welcher die natur in der dämmerung gerät, lassen ein bild des friedens und der einheit entstehen. der hier immer wieder kehrende ablauf der jahreszeiten und mitsamt der harmonischen eingliederung der tiere formuliert möglicherweise die idealste form der ewigkeit …
photo: © frank stöckel “eekholt” - lumas gallery
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