08
 
   
augen blicke
ein kühler herbstmorgen. noch bedeckt glitzernder raureif wiesen und bäume, doch der blaue himmel verspricht angenehme spätsommerwärme. der see strahlt eine majestätische ruhe aus, das wasser plätschert wie eh und je mit sanftem rauschen an das ufer. der sommer ist vorbei, der herbst mit all seiner bunten pracht breitet sich aus. schöne augenblicke in und rund um die villa verdin ...

stolz und nostalgisch liegt das schlösschen da. ein ort zum träumen, zum ausruhen, zum gedanken sammeln, zum zeit verstreichen lassen. schon beim eintreten empfängt einen die für alte gebäude so typische, angenehme aura. so viele geschichten von damals: jahrhundertwende, sommerfrische, schöne sonnentage mit der familie, der see, eine nette bootsfahrt, der spaziergang im wald, kaffee und kuchen im wintergarten. so muss es vor hundert jahren gewesen sein. ruhe, ruhiger als heute, vielleicht auch gelassener?
alte möbel, nostalgische lampen. irgendwie scheint alles vertraut, aber doch ganz anders. ein wunderschöner aufenthaltsraum, mit kräftigem rot gestrichene wände, ein alter spiegel, ein stil-ensemble aus alten sesseln, tischen, bänken, stühlen. gläser, kaffeetassen und flaschen stehen am tisch, ein goldener schmetterling leuchtet in der pflanze. alles passt zusammen, obwohl es nicht zusammen gehört. sollte das hier eine alte spanische finca sein, ein märchenschloss, eine alte villa am millstätter see?
über alles fließt ein klangteppich, auch in den wintergarten, der den blick durch die gebogenen holzfenster auf den stillen see, die wälder und die stolzen berge freigibt. ist das nicht die filmmusik zu pedro almodovars wunderschön-traurigem film „hable con ella - sprich mit ihr“? wir versinken in den ersten seiten des buches, der tag ist noch lange, das gemütliche sofa nimmt uns auf. zwischendurch streifen unsere blicke über alte bücher, figuren, tische, stühle, den see - ein buntes potpourri der erinnerungen. erst der moment zählt, dann der gedanke.
das zitronenbäumchen und der charme eines verblichenen sommerfrische-ortes am see, eine gelungene kombination. das draußen ist ganz weit weg ... hier drinnen. „as the rain comes down, upon this sad sweet earth ...” zwischen soviel erinnerung ist die sehnsucht groß nach, nach was ...? man verliert sich förmlich, ohne verloren zu sein. zeit spielt hier keine rolle. es gibt sie also noch, die orte, wo zeit ohne hast vergeht. frühling, herbst, regen, sonne ... tage und jahre. „wir sind hier zeit- und zeitungslos,“ sagt thomas. man glaubt es ihm aufs wort.
ort: villa verdin, millstatt am see
fotos: christof wagner
danke an thomas & gianni
text: helmut wolf
pool journal