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häufig gestellte fragen
wovon träumst du?
ich träume davon, mein eigenes, großes
modelabel zu besitzen und mit all meinen
mitarbeitern und designern eine erfolgreiche
fußball-mannschaft zu bilden. ich wollte schon
immer profi-fußballspieler werden (takaharu ist
leidenschaftlicher manchester united-fan, anm.).
was inspiriert dich?
alles in meinem leben!
wo liegt dein lieblingsort?
im fußball-stadion
was ist dir besonders wichtig?
ich selbst zu sein!
dein lieblings-outift?
meine levi’s jeans, die ältesten sind zehn jahre alt
tiefe wurzeln, neue blüten
europa und japan sind so verschieden, und doch haben diese beiden lebenswelten soviel gemeinsam. gerade der kulturelle austausch ist ein spannender, kontinuierlich anhaltender prozess zwischen ost und west. vor allem in den urbanen szenen der mode, der musik und des designs führt diese vermischung der kulturen immer wieder zu sehr interessanten ergebnissen. takaharu osako, 26, modedesigner und begeisterter fußball-fan, lebt seit rund fünf jahren in london und dokumentiert in seinen fashion-designs seine persönlichen „east meets west“-eindrücke und visionen.
lieber takaharu, seit wann lebst du in london, und was hat dich von japan nach europa verschlagen?
seit fünf jahren lebe ich jetzt schon hier in london. mein großer wunsch war es schon immer, mode in europa zu studieren, und da habe ich in london das ideale umfeld vorgefunden, habe am „central saint martins college of art & design“ promoviert. europa hat eine sehr große historie in bezug auf mode. hier schlägt das herz der modewelt.

wo glaubst du, liegen die grundlegenden unterschiede zwischen japan und europa in bezug auf das empfinden von ästhetik und mode?
in europa ist alles sehr ursprünglich, natürlich gewachsener. du kannst hier viel mehr du selbst sein. es gibt tiefgreifende wurzeln, aus denen sich immer wieder neue blüten entfalten. vieles hat einen klaren ursprung. in japan herrscht eine zu große informationsflut. es finden sich derartig viele strömungen, dass man leicht verwirrt werden kann.

was hast du bis jetzt an positiven, was an negativen erfahrungen mit der europäischen kultur gemacht?
meine sehr positiven erfahrungen in europa sind, dass man sich hier vor allem lange urlaub nehmen kann. das ist echt toll! bei uns in japan ein ding der unmöglichkeit. na ja, und negativ ...? eigentlich ist mir da vor allem das langsame arbeitstempo bei behörden und dienstleistungsunternehmen aufgefallen, wenn man das als negative erfahrung bezeichnen kann? eine katastrophe sind natürlich die verspätungen und ausfälle der londoner u-bahn, ganz zu schweigen von der mangelnden pünktlichkeit ...

was glaubst du, können wir westeuropäer von der jahrtausendalten japanischen kultur lernen?
in europa ist es sehr wichtig, meinungen und ansichten mit beharrlichkeit zu vertreten. in japan dagegen gilt diese art und weise als sehr aufdringlich, gelten spekulative darstellungen, zweideutigkeiten als eine form von atheismus. das ist auch der grund, warum sich viele japanische designer bei ihren konzepten und ideen vor allem auf ein klares wertesystem beziehen. auch sind japaner immer auf ausgewogenheit, balance bedacht, was ja keine typische europäische eigenschaft ist. wobei ich sage, dass völlige ausgeglichenheit nicht immer gut sein muss ... was ich nicht so gut finde ist, dass in europa immer alles logisch erklärt werden muss. manchmal finde ich es viel besser, etwas ohne logik zu erklären.

gibt es stimmungen aus deiner heimat, die du in europa vermisst?
bequemlichkeit. japan ist voll von dingen, die ganz einfach zu bekommen sind. was ich hier noch vermisse? endlich einmal keine zugverspätungen in kauf nehmen zu müssen – und natürlich meine familie und meine freunde.

gerade in japan ist die offenheit für modische experimente sehr groß. beispielsweise funktionieren flippige designs und avantgardistische trendlinien in europa oft nur sehr schwer, in japan dagegen laufen gewagte trendlinien sehr erfolgreich. warum glaubst du, sind junge japanische menschen so experimentierfreudig?
japan hat keine lange modegeschichte, deshalb können wir neue trends, neue strömungen ganz schnell und ohne probleme übernehmen. wir haben einen ganz anderen zugang, ein ganz anderes augenmaß zum leben und zur kultur als es die europäer haben. wir japaner lebten immer schon in einer form der koexistenz mit der natur. und in der natur gibt es einfach keine künstlich geformten dinge. deshalb lieben japaner besonders die asymmetrie. wir verwenden oft elemente aus der europäischen tradition, setzen uns damit ausführlich auseinander und interpretieren daraus einen ganz eigenen stil. wenn man sich japanische designer wie yohji yamamoto, issey miyake oder rei kawakubo ansieht, so sind diese in der lage, bestehende ansichten und begriffe anzuzweifeln, danach vollständig zu brechen und etwas ganz eigenes zu kreieren.

in deiner modekollektion „tea time“, die du für den diesel-talente-event „its#two“ entworfen hast, bringst du sehr moderne designs und materialien im kontext mit klassischer salon-kunst der jahrhundertwende zusammen. was willst du damit aussagen?
ganz einfach: „entspannt euch leute“ und „keep relaxing“! tea time ist ein statement auf den gepflegten genuss und die muse für alle angenehmen, schönen dinge im leben.

du bringst auch sehr viele elemente aus der natur in deine arbeit als modedesigner: der garten, die pflanzen, vögel, schmetterlinge, auch impressionistische stilbilder finden sich in den motiven und designs wieder. ist romantik ein wichtiger bestandteil in deiner arbeit?
ja, absolut! romantik ist sehr wichtig für mich. wenn ich meine kollektionen entwerfe, stelle ich mir immer sehr romantische dinge vor, die sich wie in einer geschichte zutragen. in der kollektion „tea time“ träumte ich davon, verschiedene leute in meinen garten einzuladen. gemeinsam sollte in eleganten kleidern, bei gepflegtem smalltalk, eine gute tasse tee genossen werden. es geht aber nicht nur darum, leute zum plaudern, zum genuss zusammen zu bringen, sondern auch wieder die umgebung, die natur stärker wahr zu nehmen. der dialog mit den bäumen und tieren ist mir sehr wichtig ...
helmut wolf
pool journal