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häufig gestellte fragen
alter:
56, das ist ein schönes alter, mit 60 wird es wahrscheinlich noch besser, mit 70 unglaublich und mit 90 möchte ich eine neue familie gründen.
lieblingsmusik:
alle arten von guter musik.
lieblingsbuch:
„garp und wie er die welt sah“ von john irving
lieblingskünstler:
salvador dali als maler und bildhauer, david wynne, ein englischer bildhauer
lieblingskleidung:
weste und mütze
lebensphilosophie:
bestimme deinen ganz persönlichen lebensweg und geniesse jeden tag und alles was du machst, so gut es geht und in jeder hinsicht (atmet tief ein und wieder aus!)
was inspiriert dich?
die natur und das leben
wovon träumst du?
noch kreativer in meiner arbeit zu werden und in ruhe und frieden mit einer frau zu leben
was würdest du ändern, wenn du es könntest?
die menschen dazu zu bringen, nicht alles verändern zu wollen und die zerstörung der welt sofort stoppen, mehr natürliche energie wie die sonne zu nutzen.
die sonne und die schönheit
der lebenskünstler gyp mills hat viel zu erzählen. er ist einer jener menschen, denen man stundenlang zuhören kann. seit rund 25 jahren lebt er auf der griechischen insel paros und hat jeden tag davon wie er sagt „hier im paradies“ genossen. viele menschen träumen heutzutage von so einem leben, geprägt von ruhe und entspannender einsamkeit. gyp hat sich diesen traum erfüllt.
gyp sitzt gerne hier auf der terrasse vor seinem kleinen haus. wenn es morgen wird auf der griechischen insel paros, und der gebürtige engländer aufwacht und die ruhe und den herrlichen panorama-ausblick in richtung meer tief in sich einatmet, weiß er genau, wieso es ihn hierher verschlagen hat. ein bisschen sieht er aus wie ein seeräuber, der sich sein persönliches stück inselerde eroberte und sich nun stolz zur ruhe gesetzt hat. wobei so ruhig sein leben gar nicht ist. täglich arbeitet er acht bis zehn stunden mit leidenschaft an seinen skulpturen, freilich nicht ohne zwischendurch ein bisschen ins meer schwimmen zu gehen oder inspirative spaziergänge zu machen.
das ruhige und bescheidene inselleben könnte man als logische konsequenz und ausgleichendes gewicht zu seiner vergangenheit betrachten. der 56jährige hat viel erlebt. wenn man ihn nach einer anekdote fragt, beugt er seinen kopf zurück, denkt mit geschlossenen augen kurz nach, und dann sprudeln die lebensgeschichten förmlich aus ihm heraus: über seinen engen freund, den folkmusiker donovan, den er mit fünfzehn in einem englischen pub kennenlernte und mit dem er gemeinsam in der blütezeit der hippie-ära vor hundertausenden menschen in der hollywood-bowl-arena gespielt hatte. oder seine stories über den „scheuen und sensiblen“ gitarrengott jimi
hendrix, in dessen schwarz ausgemaltem apartment er des öfteren zeuge neuer musik-kompositionen wurde.
nicht zu vergessen die erlebnisreiche reise nach indien, wo er gemeinsam mit donovan, den beatles und der schauspielerin mia farrow beim maharadscha war und dort dinge erlebt hatte, die bis heute nicht ans tageslicht kamen „weil sie so schockierend gewesen sind“. von seinem freund george
harrison, den er als sympathischsten beatle bezeichnet, bekam er damals eine sitar, ein indisches instrument, zu weihnachten geschenkt. geschichten, die den zuhörer fesseln, und die sich alle im laufe der late-sixties/early-seventies zugetragen haben. in dieser zeit entdeckte gyp - neben seiner musikleidenschaft - auch die liebe zur bildhauerei und den skulpturen, welche ihn bis heute fesseln sollte. bei seinem entdecker und mentor in wimbledon, dem englischen bildhauer david wynne, wohnte und modelte er sechs jahre lang und traf dort ebenfalls auf interessante menschen wie beispielsweise auf die folk-musikerin joan baez.
will man das aussteigen auf die insel paros aus flucht vor zuviel drogen und exzessen in diesem milieu interpretieren, so verneint der sympathische engländer dies ganz klar. sein innigster wunsch sei es eben gewesen, sich seiner kreativen leidenschaft, der bildhauerei, zu widmen und dies am besten auf einer insel. und das hat gyp mills schließlich auch getan und gemeinsam mit seiner damaligen frau rita das wilde leben in england hinter sich gelassen.

gyp, seit wann lebst du auf paros?
ich bin das erste mal 1966 auf die insel gekommen. so richtig lebe ich hier aber seit etwa 25 jahren.

warum hat es dich gerade auf diese insel verschlagen?
also wir waren damals ziemliche gauner und mussten auf eine insel flüchten ... (lacht). nein, ich war damals in den sechziger jahren stark im musikbusiness englands verankert und habe mit meinem guten freund donovan zusammen gespielt. wir waren ziemlich erfolgreich, brauchten aber von den ganzen strapazen etwas abstand, und da beschlossen wir auf eine insel abzuhauen. donovan, eine griechische freundin und ich sind nach athen geflogen, dort in ein reisebüro gegangen und haben nach einer insel gefragt, wo es absolut keine touristen gäben würde, und das war damals eben paros. die fahrt dorthin, in einem kleinen fischkutter, dauerte zu der zeit unglaubliche 19 stunden. der alte mann, der uns hingebracht hat fragte, wo wir hier wohnen wollten. wir sagten: ‚wir wissen es nicht'. er erklärte uns, dass es hier keine straßen, keinen strom gäbe, aber er kenne ein haus und könne uns mit einem esel dort hinbringen. in dem haus war zwar keine einrichtung, aber wir hatten ein dach über dem kopf. wir richteten uns ein und wohnten dort fast zwei monate.

... und du bist zurück gekommen ...
ich hatte dem alten mann versprochen, wieder zurück zu kommen, das hab ich dann auch gemacht. außerdem wollte ich an meinen skulpturen arbeiten und mein geplantes kinderbuch schreiben. daraus sind jetzt immerhin fast 25 jahre geworden.

worin liegt der unterschied zwischen deinem leben damals in england und dem leben auf der insel?
der unterschied ist die sonne und die schönheit! diese insel ist einfach traumhaft. sehr angenehm ist auch die relaxte griechische mentalität und das easy-living. die griechischen inselbewohner sind fremden gebenüber sehr offen, und es ist ihnen egal, welches shirt du anhast oder ob du designer-schuhe trägst. sie schauen dir zuerst in die augen und nicht auf das auto, das du fährst. das ist der unterschied. der charakter zählt hier mehr als alles andere.

hast du noch kontakt zu deinen freunden von damals?
ja klar, mit vielen leuten, speziell aus dem musikbereich. einige sind aber schon gestorben, vor allem aus dem umfeld von jimi hendrix, in dem ich viele freunde hatte. auch george (harrison) ist leider viel zu früh gestorben. die sixties waren eine tolle zeit: auf der bühne zu stehen, leute zu begeistern ... es herrschte damals eine allgemeine aufbruchsstimmung. es gab eine starke jugendbewegung, und es war unheimlich viel kreativität rund um mode, musik, und kunst im spiel. später sind viele von der regierung und dem „big business“ ausgebeutet worden und vieles ging verloren, auch menschen ...

wie sieht so dein alltag aus?
wenn ich aufwache, sollte ich an meinen skulpturen arbeiten, und dann ist mein leben voll mit weißem marmorstaub (lacht). nein, ich wache mit einem unheimlich schönen ausblick und der totalen stille auf. das ist hier wirklich wie im paradies. ja und dadurch erlebe ich dann sehr kreative arbeitstage, so acht bis zehn stunden lang. dazwischen gehe ich schwimmen oder in der natur spazieren.

du lebst von deinen skulpturen?
ja, damit komme ich inzwischen ganz gut aus.

viele leute wünschen sich, alles hinter sich zu lassen und auf eine insel zu ziehen. geht das überhaupt?
ja, sicher! dass das möglich ist, siehst du bei mir. du brauchst einfach ein hohes maß an unabhängigkeit von allem und die bereitschaft, selber sehr viel in die hand zu nehmen. wichtig ist selbstdisziplin aber auch eine ständige betätigung, die den geist rege hält. egal ob du skulpturen machst wie ich, schreibst, musizierst, was auch immer. ansonsten fängst du möglicherweise an zu trinken, was ja einige aussteiger dann tun, und schließlich „abstürzen“.

als du auf die insel gekommen bist, hast du aber nicht gleich begonnen, skulpturen zu verkaufen?
nein, ich habe zu beginn mitgeholfen häuser zu renovieren und aufzubauen. außerdem hatte ich anfangs geld für ein jahr, und das leben war damals natürlich viel billiger als heute.

vermisst du irgendetwas?
im moment nur eine frau ... lacht. wobei, es gibt ja genug frauen hier auf paros. insgesamt habe ich hier 22 jahre mit meiner frau rita zusammen gelebt und gemeinsam dieses haus aufgebaut.

wie wäre dein leben verlaufen, wenn du nicht in paros gelandet wärest?
also irgendwie hätte es mich sicher in griechenland angespült. mein tiefster wunsch war es ja, mich meinen skulpturen zu widmen, und das wollte ich einfach in diesem land hier. vielleicht wäre es auch japan geworden, ich liebe japan. die menschen dort verstehen meine künstlerische arbeit sehr gut, so eigenartig das klingen mag.

du warst in japan?
ja, geschäftlich für einige jahre, wo es mir sehr gut gefallen hat.

wie schauen deine zukunftspläne aus? möchtest du für immer hier leben?
eigentlich schon. ich möchte mich auch weiterhin meinen skulpturen widmen und davon leben. in den letzten jahren ist es auch immer besser gelaufen.
helmut wolf
pool journal