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häufig gestellte fragen
michaela, wie findest du die bilder zu der jeweiligen musik?
was inspiriert dich?

die musik selbst erzeugt bilder in mir ... struktur und klangfarbe der musik sind hauptsächlich inspirierend.
hast du eine lieblingsfarbe?
prinzipiell nicht, ich finde jede farbe schön, vor allem in kombination mit (einer) anderen. aber ich würde sagen, ich bevorzuge rottöne in allen variationen und nuancen.
deine lieblingsmusik?
schwer zu sagen ... es gibt sehr viel; das ändert sich auch phasenweise. aber grundsätzlich ist es musik, die ich spannend finde und die mich fordert. das muss nicht nur elektronische musik sein. ich mag auch pop sehr gerne, ebenso wie renaissance- und barockmusik.
wofür hättest du gerne mehr zeit?
für meine projekte bzw. die realisierung noch anstehender/neuer projekte, zum lernen/weiterbilden.
kurzes in die länge ziehen
die kurzfilmbranche lebt auf. multimedia-produktionen und experimentelle videoinstallationen erregen international immer mehr aufmerksamkeit. gerade als kontrast zum globalen einheitsbrei etlicher fließband-musikvideos bekommen neue formen innovativer und digitaler bilderproduktion eine besondere bedeutung - beispielsweise von michaela schwentner.
ein grobkörniges überbelichtetes standbild eines bahngeländes in schwarzweiß, dessen gleise in den vordergrund und aus dem bild auseinanderlaufen. anfangs kaum wahrnehmbar nähert sich allmählich ein zug. ruckelnd, stotternd schiebt er sich kaderweise reptilienartig näher. den rhythmus der zuckenden bewegungen bestimmt das unterschwellige aber eindringliche pochen der musik, ein stück des wiener elektronik-trios radian. doch nicht nur auf der rhythmischen ebene findet die musik ihre entsprechung im bild: das ausgebleichte, überstrahlende weiß betont die knisternden elektronischen frequenzen, die konsequente „durchinszenierung“ des durchfahrenden zuges unterstreicht die formale reduktion in der musik radians.
das video stammt von michaela schwentner und stand am beginn einer kontinuierlichen und andauernden arbeit mit musikern aus der wiener elektronika-szene. neben radian, für die sie bereits drei videos produziert hat, lieferten ihr bisher christian fennesz, pure oder general magic musikalische vorlagen für ihre filmischen ideen. anders als etliche ihrer kolleginnen in diesem bereich kommt michaela schwentner nicht aus dem grafik- oder kunstbereich. studienmäßig näherte sie sich dem film über die philosophie, theaterwissenschaft und publizistik eher von der theoretischen seite. im umgang mit der technik der kamera und des computers, auf dem ihre videos im wesentlichen entstehen, ist sie autodiktaktin.
den weg in die „szene“ (wenn man das so sagen will) machte die videokünstlerin eigentlich über die wiener clubkultur. so erfand sie mitte der 90-jahre den legendären club jadengasse, indem sie in ihrer wohnung mit der gleichlautenden adresse regelrechte „kammerkonzerte“ für eine damals noch relativ kleine elektronik-szene organisierte. die wuchs aber so rasch, dass aus den ursprünglich monatlichen events beinahe tägliche wurden und diese irgendwann einmal auch besucherinnen-mäßig den begrenzten raum der wohnung sprengten. kurze zeit danach öffneten dann jene wiener „gürtellokale“, die sich bald als neues mekka einer stetig wachsenden gemeinde elektronikbegeisterter entwickelte. eines dieser lokale, das rhiz, ist daher nun mehr oder weniger, schwentners erweitertes wohnzimmer, wo sie des öfteren selbst am dj-pult zu finden ist und sich seit einiger zeit auch für die musikalische programmierung mitverantwortlich zeichnet.
während sie zu beginn ihrer eigenen künstlerischen arbeit mit dem medium film vorwiegend super8- oder videoinstallationen zu den konzerten verschiedener musiker beisteuerte, hat sich ihr schwerpunkt in den letzten jahren stärker der produktion von musikvideos zugewandt. wobei man sich dabei nicht videos im stile von mtv oder viva vorstellen kann, dazu ist vermutlich sowohl die ausgesuchte musik, als auch die visuelle gestaltung zu wenig populär-tauglich. die vorliebe für elektronische musik als vorlage hängt mit michaela schwentners neigung zu einer klaren und reduzierten visuellen ästhetik zusammen. grundlagen sind deutlich voneinander unterscheidbare akustische elemente und sich in loops wiederholende strukturen. diesen setzt sie dann bilder mit entsprechenden minimalistischen mustern und grafischen modulationen entgegen. ausgangsmaterial sind dabei oft ganz konkrete bilder, wie etwa die bahngleise für r4 oder häuserfassaden, wie bei einem ihrer letzten videos (jet, ebenfalls zu einem track von radian). diese aufnahmen werden dann mittels diverser digitaler filter gemorpht, überlagert und ins abstrakte modifiziert. auffällig ist die bevorzugung von schwarzweiß mit bestenfalls minimalen und sehr akzentuierten farbigen einsprengseln. was umso erstaunlicher ist, wenn man weiß, dass die künstlerin selbst etwa bei kleidung und frisur durchaus auch eine erkennbare neigung zu leuchtenden farben hat.
geri weber
pool journal