schon die betitelung „heart“ für ein produkt, für eine kollektion, symbolisiert große leidenschaft und hingabe. heart ist auch der titel der neuen kollektion von roxy, der auf frauen ausgerichteten kollektion der boardsports-marke quiksilver. mit der „herzens“-linie sollen all jene frauen angesprochen werden, die den jugendlich-frischen designs und formen seit jahren treu geblieben sind, nun aber nach „erwachsenen“, schlichteren outfits ausschau halten. die kollektion bewegt sich dabei im (ent)spannungsfeld zwischen mode, sport, kunst und musik. valérie thévenot, roxy head of design europe, möchte dabei nicht nur die hauseigenen einflüsse einbringen, sondern jede saison mit einem gastdesigner aus der kunst- und modeszene zusammen arbeiten. im nachfolgenden gespräch skizziert die talentierte modedesignerin ihre sichtweise zur „streetwear für erwachsene“, die faszination an der surfkultur und jene vorbilder, die sie auf ihrem weg als designerin inspiriert haben.
liebe valérie, hast du vorbilder, die dich als mode-designerin besonders geprägt haben?
meine vorbilder sind yves saint laurent und marc jacobs. yves saint laurent war ein fantastischer visionär. seine präzise arbeitsweise und sein beispielloser sinn für strukturen haben mich stark beeinflusst. marc jacobs bewundere ich für sein selbstverständnis, die art und weise wie er gegensätze, beispielsweise struktur mit dekonstruktiver avantgarde kombiniert und alte looks mit modernen mixt. ich liebe seine vorstellung, dass kleidung an sich leblos ist und erst durch die individuelle art, wie man ein kleidungsstück trägt, zum leben erweckt wird.
war es zufall oder dein großer wunsch, mode-designerin zu werden?
eigentlich war es eher ein zufall, denn ursprünglich wollte ich immer trapezkünstlerin werden. ich komme aus einer mittelständischen familie, und als ich noch zur schule ging, kauften mir meine eltern nicht unbedingt die „modischste bekleidung“. ich sage einmal so, ich habe mich immer unwohl gefühlt ... meine freunde sahen (scheinbar) immer so „cool“ aus, manchmal lachten sie sogar über mich. ab diesem zeitpunkt meines lebens dachte ich also, dass man gut aussehen muss, um glücklich und erfolgreich im leben zu sein. aus heutiger sicht wäre ich vielleicht stolzer auf mich, wenn ich als arzt oder für eine hilfsorganisation tätig wäre. als junges mädchen erschien mir modedesignerin eben als der hilfreichste job der welt.
gibt es ein kleidungsstück, das du im laufe deiner designer-karriere entworfen hast und von dem du sagen kannst, dass es dein absolutes lieblingsstück ist?
eigentlich habe ich kein spezielles lieblingsstück, denn in jeder saison verliebe ich mich in einen neuen favoriten. in dieser saison ist es die gesteppte army-jacke mit metallknöpfen. auf jeden fall aber muss es ein wandlungsfähiges kleidungsstück sein, in dem man von sonnenauf- bis sonnenuntergang bei den unterschiedlichsten anlässen gut aussieht.
was waren deine beweggründe, die roxy „heart“-linie zu entwerfen?
es ist schon 13 jahre her, als wir erstmals die sportswear-marke roxy lancierten. unsere ursprüngliche kundin ist mittlerweile erwachsen geworden, hat andere ansprüche, lebt und kleidet sich anders. wir wollten sie auf ihrem weg begleiten – egal wie alt sie nun ist oder wo sie sich gerade befindet. deshalb lag es auf der hand, eine neue, „erwachsene“ bekleidungslinie für damen auf den markt zu bringen, die noch immer vom roxy-spirit geprägt ist.
mit dieser neuen linie lanciert ihr jetzt „erwachsene“ streetwear für damen ab 25 jahren. inwieweit unterscheidet sich der stil nun von der jungen streetwear?
beide linien haben ihre wurzeln in der faszinierenden surf-kultur, die basis der kleidungsstücke ist also die gleiche. dennoch muten materialien, farben, schnitte und muster der „heart“-outfits außergewöhnlicher, vielleicht auch revolutionärer an. das „heart-girl“ trägt noch immer den boardsport-geist im herzen, ist mittlerweile aber reifer, selbstbewusster und weiß genau, was sie will. sie hat ein sicheres gefühl für stil-kombinationen, lässt sich weniger von ihrem umfeld beeinflussen und geht modisch größere risiken ein. diese kundin ist kein „nachahmer“ mehr, sondern beeinflusst andere durch ihren style.
zum konzept der linie gehört es, jede saison mit einem anderen künstler als co-designer zusammenzuarbeiten. aktuell ist es die londoner designerin zakee shariff, die auch schon für „urban outfitters“ und „topshop“ kollektionen kreiert hat. wie war die zusammenarbeit zwischen euch?
zakee shariff ist für mich eine ganz besondere person. sie ist eine erstaunliche künstlerin und einer der bewundernswertesten menschen, die ich in meinem leben bisher kennen lernen durfte. all das strahlt auch ihre arbeit aus: zakees muster und grafiken versprühen eine sehr positive energie. es war sehr harmonisch – wie bei einem puzzle, bei dem sich die einzelteile ganz offensichtlich perfekt ergänzen.
warum, glaubst du, findet gerade der surf- und boarder-lifestyle so großen anklang bei vielen menschen auf der welt?
ich glaube, dass die surf- und boarder-kultur deshalb so fasziniert, weil es genau das ist, wovon viele menschen träumen. es ist dies eine mischung aus vollkommener freiheit und tiefem respekt vor dem ozean: der glaube, dass man das gefährliche und gleichzeitig wunderschöne element wasser für ein paar sekunden kontrollieren kann. dieses bewusstsein und die nähe zur natur sind einzigartig und nur bei wenigen sportarten so möglich. |