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raw cooking
„just the product“ heißt es seit nunmehr über 20 jahren bei der jeansmarke g-star. nur selten verfolgt eine bekleidungsmarke mit derartiger konsequenz ihre stilistische ausrichtung, ohne je langweilig oder allzu gefällig zu erscheinen. ohne zweifel kann gesagt werden, dass dabei eine neue form der denim-ästhetik entstanden ist, irgendwo angesiedelt zwischen klassischer jeanswear und maßgeschneidertem high fashion-style.

„wir haben hier viele köche bei uns, und ich esse einfach sehr gerne.“, sagt jos van tilburg, chef und gründer der jeansmarke g-star mit einem leichten schmunzeln in anlehnung auf die 20 designer in seinem haus. es ist dies das zufriedene lächeln jener schöpferischer menschen, die ihren (lebens-)weg gefunden haben und diesen aus tiefer überzeugung täglich leben und in ihrer unternehmenskultur verkörpert sehen. die hingabe zu „echten“, zu beständigen dingen hat tilburg nicht von ungefähr im jahre 1989 zur gründung von g-star bewegt. „ich liebe schöne, alte dinge. ebenso mag ich aber auch modernes design. das zusammen macht im kern das konzept von g-star aus“, betont der charismatische firmenchef. jeans sind in diesem sinne auch ein symbol für die verschmelzung von vergangenheit und moderne.

mit der von g-star hochgelebten „raw denim“-kultur hat das unternehmen mit sitz in amsterdam einen jener evolutionsmechanismen ins laufen gebracht, für den nicht nur das unternehmen selbst heute weltweit bekanntheit genießt sondern die gesamte jeansbranche am erfolg mit partizipiert. „form must follow function in quality design“, lautet das ästhetische credo des unternehmens, und dies wird bei den kollektionen überaus „spürbar“. „wir machen das, was uns gefällt, uns freude bereitet. diese freude und energie, die in den produkten steckt, überträgt sich auf unsere konsumenten.“ als mehrwert zum kernprodukt sind in den vergangenen jahren auch immer wieder „zufällige projekte“ entstanden: die boot-konstruktion „raw ferry“, die entwicklung des fahrrads „raw cannondale“ oder die zusammenarbeit mit land rover für das offroad-auto „raw defender“ sind alle nicht bewusst organisiert worden sondern einfach „passiert“. „bei uns entwickeln sich solche dinge nicht des geldes wegen, sondern aus unserer neugier und offenheit für neues und unkonventionelles.“

auf der anderen seite steht eine hohe kontinuität und disziplin in der stilistischen ausrichtung, die das fundament für solche experimentellen ausflüge garantiert. symbolisch dafür steht die rund 20-jährige zusammenarbeit mit dem designer pierre morriset, der den „raw denim-look“ definiert hat und dessen linie sich heute von der hose bis zum retail-design durch das gesamtkonzept zieht. mit nur einer einheitlichen kollektion für den gesamten weltmarkt wird überdies dokumentiert, wie grenzenlos und kulturübergreifend sich qualität durchsetzt.

helmut wolf
pool journal