27
 
   
häufig gestellte fragen

was bereitet ihnen besonderen appetit?

die vorfreude auf die weihnachtszeit mit der familie. die reue stellt sich eine woche später ein ...

ihr lieblingsgericht, wenn sie unterwegs sind?

champagner!

welches essen inspiriert sie besonders?

zu jeder „brandeins“-produktion“ (deutsches wirtschaftsmagazin, anm.) in hamburg, gehen chefredakteurin gabriele fischer und ich am ersten abend zum „franzosen“: steak-frites mit pfeffersauce.

ihr bevorzugtes sonntagsgericht?

pancakes mit frischen früchten und kanadischem honigsirup

global street food
die küche gilt als zentrum der welt. vom lagerfeuer bis zur wohn-küche, vom designer-restaurant bis zur straßenküche. stets war es der ort der speisenzubereitung, der die menschen zusammengeführt hat und spiegelbild sozialer und kultureller identität war – bis zum heutigen tag. der künstler mike meiré, kurator der dornbracht-ausstellungsreihe „global street food“, hat sich mit der heutigen küche im öffentlichen raum auseinandergesetzt.

in den vergangenen jahren zeigte sich die zunehmende dynamisierung der städte und gesellschaften in form inszenierter küchen auf den strassen unserer globalisierten städte. coffee-to-go, kebap, pizza und sushi – take away gehören heute zum gewohnten stadtbild. die küche hat sich zunehmend nach außen, auf und an die straße verlagert. immer mehr menschen nehmen essen und trinken unterwegs zu sich. food-shops und essensstände frequentieren immer häufiger die gehsteige der metropolen dieser welt.

„global street food“ nennt sich jene vom bad- und küchenspezialisten „dornbracht“ initiierte und von mike meiré kuratierte ausstellungsreihe, welche die küche im öffentlichen raum mit all seinen ausprägungen thematisiert. über gesellschaftliche veränderungen im essverhalten, „kulturelles essen“ und die küche als ort der veränderung, ein gespräch mit global street food-kurator mike meiré.

lieber mike meiré, welchen bezug haben sie persönlich zum essen?

ich liebe essen. ich liebe wein, sowohl mit der familie als auch mit freunden oder alleine. mich fasziniert es einfach, wie sich die küche verändert, wie die zutaten am anfang angerichtet werden, gleich einem stil-leben. dann folgen die düfte, das feuer, das zischen, der ganze prozess, das chaos, und am ende entsteht eine wunderbare vermischung all dieser elemente und der verzehr.

 

was hat sich ihrer meinung nach am gravierendsten im laufe der vergangenen jahre bei unserem essverhalten in europa verändert?

wir (europäer, anm.) essen und trinken heute überaus multikulturell: sushi, thai, türkisch, arabisch, deutsch, italienisch und coffee-to-go.

durch den akt des essens wird auch lokale kultur dargestellt und gelebt. glauben sie, ist die bewusste form des „kulturellen essens“, vor allem in hinblick auf gebräuche und traditionen, in asiatischen bzw. afrikanischen ländern stärker verankert als in westlichen regionen?

nein, ich glaube, wenn man bewusst lebt, entdeckt man in so ziemlich jeder region „kulturelle“ eigenarten im bezug auf das essen. ob das nun die weißwurst mit brezel und radler in münchen ist oder speisennummer 46 im thai-restaurant in bangkok. 

kann durch die art des essens und die verwendung spezifischer gewürze auch auf die wesensart einer kultur geschlossen werden?

meine frau ist amerikanerin, in haiti geboren. red curry, safran, marokkanischer pfeffer, spanisches olivenöl, knoblauch, lemongras etc., sie hat mich in die welt der gewürze entführt. sie hat auch die bandbreite apfel, birne, banane um mango, papaya und passionsfrucht erweitert. der kulturelle background eines anderen menschen stellt immer auch eine erweiterung des eigenen horizonts dar. scharfe gewürze, süß-saure kombinationen sind ausdruck einer exotischen, kulturellen wesensart.

wir leben in einer schnellen, dynamischen zeit. viele menschen essen fast-food oder trinken ihren kaffee unterwegs auf der straße. wo sehen sie die generellen unterschiede zwischen einer öffentlichen, kleinen küche im sudan und dem coffee-to-go in berlin oder paris?

vielleicht liegt der unterschied auf globaler ebene im empfinden der zeit. in manchen metropolen geht es eher um effizienz, andernorts wieder um entschleunigung ...

stichwort mittagspause: die grenze zwischen negativ besetztem fast-food und scheinbar gesundem bio-essen in ebenfalls kurzer zeit, ist schmal. wann fängt gesundes essen an, seine positive wirkung zu verfehlen?

wohl in der art, wie ich es zu mir nehme. das verhalten und bewusstsein meinem körper, meinem refugium gegenüber, entscheidet auch über die qualität des essens. 

immer mehr menschen ziehen vom land in die stadt. der lebensraum in den urbanen zentren wird zunehmend knapper. wie sehen sie diese entwicklung, gerade im hinblick auf das design und die gestaltung von food-shops und essens-ständen auf der straße? 

der wettbewerb nimmt zu und das wird zu einer höheren differenzierung des angebots führen. das design wird in diesem zuge ein „branding-aspekt“. das kommunikationsdesign, zusammen mit dem interieur, wird über angebot und service hinaus gradmesser für den erfolg oder misserfolg eines food-shops.

frühstück, mittag- oder abendessen: was ist für sie die wichtigste mahlzeit am tag?

der kaffee am morgen, das mittagessen mit den weggefährten und das abendessen mit meinen liebsten. wer wollte das schon werten? jedes dieser essensrituale ist auf seine art wichtig.

„alles geistige genießen kann durch essen ausgedrückt werden.“, meinte der philosoph novalis. sehen sie das auch so?

ja, unbedingt. essen ist leben und transformation.

helmut wolf
pool journal