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häufig gestellte fragen
was bedeutet glück für dich?
zufriedenheit
was inspiriert dich?
reisen, augen offen halten ...
wofür nimmst du dir besonders viel zeit?
für meinen sohn louis
deine lebensphilosophie?
take - d - for drive
deine lieblingsmusik?
punkrock - macht den kopf frei!
dein lieblingsbuch?
„die glücksformel“
dein bevorzugter modestil?
streetwear, „alte schule ...“
dein lieblings-musiksender?
baumärkte, taxifahrten mit wdr 4
mein dad hat jede menge fotos ...
wie die zeit vergeht. der deutsche musiksender „viva“ feiert heuer bereits sein zehnjähriges jubiläum. ohne zweifel war diese dekade der musikclip-kultur eine bahnbrechende ära im visuellen empfinden jugendlicher konsumenten. fast kein twenty- und thirtysomething im deutschsprachigen raum, der sich nicht irgendwie von der coolen video-ästhetik und den lässigen moderatoren-outfits beeinflussen hat lassen. ralf geerken, von anfang an teamleiter für face- und style bei viva, kann sicherlich von sich behaupten, an dem einen oder anderen modetrend mitverantwortlich gewesen zu sein.
er mag das eigentlich gar nicht, so im vordergrund stehen. ralf geerken, veranwortlich für das modische styling der moderatoren/vjs beim deutschen musiksender viva, ist lieber bescheiden oder wie er es ausdrückt: „behind the scene“. geerken steht einerseits für die kontinuierliche weiterentwicklung des clips-senders aus köln, andererseits steht seine person als synonym für modernes, offenes denken - und das immerhin schon seit dem sendestart im dezember 1993.
gerade jener musik- und lifestylekanal, der über viele jahre in so engem kontakt mit seinen zusehern steht, sich permanent mit den wünschen und anliegen der jugendlichen austauscht, ist auf die arbeit solch erfahrener persönlichkeiten angewiesen. entspanntes understatement und der respektvolle umgang mit menschen gehören zu jenen eigenschaften, die einem sofort zum charakter geerkens auffallen. danach kommt eine gehörige portion humor - spaß als grundeinstellung sozusagen - und ein sensibles gespür für gesellschaftliche veränderungen und strömungen, die sich wiederum in stilen und moden wiederspiegeln. geerken spürt diesen trends und styles schon seit fast 10 jahren nach und kann sich auf sein feeling getrost verlassen. obwohl in dieser welt der charts und stars unterwegs, ist er dennoch mit beiden beinen am boden geblieben.
im nachfolgenden gespräch erzählt ralf über seine jugendzeit als mofa-proll, über wave und punk und die große verantwortung in der visuellen kommunikation zwischen dem musiksender viva und dem zuseher.

lieber ralf, wie hat dein leben vor viva-tv ausgesehen? hast du einen kreativen background in deiner familie, deinem umfeld oder gibt es gewisse umstände, die dich zufällig in die medien-musik-modelandschaft gebracht haben?
mein leben zuvor war grau und leer ... (lacht). nein, paperlapapp. ich habe eine klassische ausbildung zum textilkaufmann erleben dürfen. dann kam der einkauf für den handel, der verkauf für diverse modemarken und später vertriebstätigkeiten - also immer „straight fashion“.

hattest du eine schöne kindheit und glaubst du, war kindsein in den 70er/80er-jahren besser als heute?
wir waren die coolste straßengang der stadt. auch als „mofa-proll“ mit meiner „puch maxi sport“ spielte ich „voll auf rasen“. mein dad hat immer jede menge fotos gemacht, ich hab einige alben voll, die ich mir heute gerne ansehe. die 70er-jahre waren ja wohl eher konsolenfrei, also eindeutig 'besser'! analoger rock´n roll sozusagen, pusterohr & steinflitsche ...

gab es begebenheiten, stimmungen, begegnungen in deiner kindheit und jugend, wo du sagst: „das hat mich mit sicherheit in meinem lebensstil und wirken bei meiner heutigen arbeit beeinflusst“?
na klar, da gab es einiges: wave, punk & startbahn west / „stoppt strauß couture“ - ich hab immer jeden scheiß mitgemacht. in sachen dresscode war ich also schon immer eine extreme fashion-hippe.

wie wird man eigentlich „teamleiter für face und style“ bei einem musiksender? ist da jemand an dich heran getreten und hat gesagt: „hey, du hast aber einen coolen stil, ab heute kleidest du unsere moderatoren ein“, oder wie passiert so etwas?
ich hab noch vor dem sendestart durch eine freundin kontakt zu dem damaligen programmchef gehabt: fashion and music is married! ich hab eine stunde lang philosophiert - am nächsten tag rief jemand an, und ich hatte den job.

wie sieht eigentlich so dein alltag aus? schaust du den ganzen tag videoclips, blätterst in lifestyle-magazinen und wählst fashion-outfits aus ...?
wir sind ein team von sechs leuten plus zwei praktikanten. drei kollegen arbeiten im bereich maske. ich bin verantwortlich für das sponsoring, materialflow, budgets, booking von freelancern, disposition des teams etc. in den saisonen bin ich viel unterwegs. messen, ordertermine und ähnliches. der fernseher läuft natürlich den ganzen tag lang, diverse magazine sind pflichtlektüre.

welche kriterien spielen bei der auswahl der mode für die moderatoren eine rolle? geht man da auf die persönlichkeit des moderators oder auf die jeweils gezeigten clip-sendungen (hiphop, house etc.) ein? möchte viva da einen bestimmten style durchziehen?
wir versuchen immer den einzelnen moderator zu unterstützen. niemand wird verkleidet! ein vj der ein genre-format moderiert, kleidet sich natürlich auch „genre-like“. wir arbeiten gerne mit individuellen marken zusammen. meistens funktioniert so eine kooperation dann mit einem label über viele saisonen. man kennt dann die leute, die hinter dem produkt stehen, deren philosophie ...

inwieweit glaubst du beeinflusst viva-tv das modische verhalten der zuseher?
wir kriegen viel feedback und entsprechend konkrete anfragen per
e-mail. natürlich orientieren sich die zuschauer an den vjs. wir sind da wohl so eine art synapse (anm.: kontaktstelle zwischen zwei nervenzellen).

wie lange machst du jetzt den job?
ich bin schon seit lichtjahren dabei, also seit dem sendestart von viva.

glaubst du, gibt es eine bestimmte altersgrenze, wo du als „mode-berater“ für einen jugendfernsehsender nicht mehr kompetent erscheinst? oder ist das keine frage des alters?
wenn die vertreter mich siezen höre ich auf!! ich glaube, ein gewisser altersvorsprung und „abstand“ ist aber ganz ok für meine arbeit!

was waren deiner meinung nach die großen, einschneidenden veränderungen im verhalten der jugendlichen in den letzten jahren in bezug auf den konsum von musik-clips?
dann kann ich nur folgendes darauf antworten, und jeder soll sich darauf selbst seinen reim machen: brennen, brennen, brennen ....!

wir leben in sehr bewegten zeiten. krieg, terror und die vielen unsicherheiten in der wirtschaft dominieren auch unseren alltag. wie reagiert man da gerade im visuellen, modischen auftreten bei einem doch eher auf spaß und unterhaltung konzentrierten musiksender?
darüber haben wir im team lange diskutiert. seit der auslieferung für letzten herbst und auch für den jetzigen frühling haben wir auf camouflage, totenköpfe und ähnlichen shit verzichtet. unter dem titel „sprengstoff“ laufen auch trailer mit kritischen aussagen der zuschauer!
helmut wolf
pool journal