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quietness makes sense
einmal inne halten, tief durchatmen, sich den moment bewusst machen, seinen gedanken freien lauf lassen, sich treiben lassen ... man kann es meditation, gebet oder yoga nennen, all diese bezeichnungen umschreiben nichts anderes, als unsere tief verankerte sehnsucht nach sinn, nach erfüllung, nach geborgenheit, nach mehr ... mönche, gurus und yogis haben sich dieser suche ein leben lang verschrieben und erzählen dabei von erfüllender glückseligkeit.

stille. einfach nur stille. und irgendwann macht sich eine art von angenehmer entspanntheit breit, die von zufriedenen gefühlen begleitet wird und schließlich in einer inneren ruhe und ausgeglichenheit mündet. wer je ein stift, ein kloster oder einen tempel besucht hat, wird sehr schnell diese art von lebensgefühl spüren, für ein paar momente an dieser friedvollen aura teil haben können. und dabei ist so gar nichts von der bedrohlichen leere zu spüren, welche uns oft als langweilig ödes schreckgespenst vermittelt wird. vielmehr stellt sich an diesen orten eine spürbare ausgeglichenheit und unsichtbare kraft der verbundenheit mit „dem ganzen“ ein. was immer „das ganze“ für den einzelnen auch sein mag: glaube, spiritualität, innigkeit, glück, liebe, friede, natur ...

der schriftsteller martin hecht vergleicht die erlangung, die verbundenheit mit dem ganzen, mit dem erzeugen „ozeanischer gefühle“. gefühle, in denen wir uns als teil eines großen, wogenden meeres empfinden. dies ist auch der grund, warum es uns so sehr ans meer zieht, wir uns immer wieder wünschen, den blick über das schier endlos blaue wasser schweifen zu lassen. es ist einerseits die beruhigende wirkung des rhythmisch-meditativen meeresrauschens, die weite und das gefühl der freiheit, die uns dabei gefangen nimmt. genauso ist es aber auch die erkenntnis, teil eines ganzen zu sein, und unser sehnlichster wunsch darin „einzutauchen“, teil davon zu werden. „ein gefühl der unauflösbaren verbundenheit mit dem ganzen der außenwelt.“

mönche, yogis oder gurus erleben das „sanfte sausen“ der stille zumeist als beglückendes gefühl, welches beunruhigende, ablenkende gedanken abwehrt. sie empfinden diese spirituelle ruhe als „heilsam“, was wiederum eine neue wahrnehmung von sich selbst und der umwelt mit sich bringt. ruhe, die bewahrt vor hektik, angstgefühlen, reizüberflutung und lautstärke. was in der säkularisierten gesellschaft „entschleunigung“ genannt wird, bedeutet für den mönch sinnhaftigkeit ... „eins zu werden“ mit dem ganzen. nicht nützlichkeit und effektivität sind es, die in dieser lebensart gefragt sind, sondern besinnung, loslassen und vertrauen.

wer einmal im alltag versucht hat, bewusst stille zu erleben, wird bemerken, wie schwer es eigentlich ist, an diese zu gelangen. einerseits liegt es an unserer inneren unruhe, die so schwer abzulegen ist. schließlich ist der moderne mensch dazu angehalten, höchstmögliche effizienz und produktivität an den tag zu legen. andererseits werden wir oft unmerklich von einem stabilen geräuschpegel von außen begleitet (computer, handy, stadtlärm usw.), was den weg zur stille fast unmöglich macht. unsere gesteigerte lebensdynamik lässt für die so dringend notwendigen ruhephasen immer weniger platz. und es bleiben oft nur einige stunden am wochenende, wo sich erholsame momente für kurze zeit einstellen können. in summe gesehen ist dies aber viel zuwenig, um unser grundbedürfnis nach entspannung und regeneration zu befriedigen.

man muss „bei gott“ kein religiöser mensch sein, um sich kleine, stille fluchten des alltags zu schaffen. es genügt oft schon einmal in ruhe über eine sache nachzudenken, oder sich bewusst zeit für sich selbst zu nehmen. auch eine tätigkeit in der man völlig aufgeht, kann eine erfüllende, innere ruhe erzeugen. die reduziert-entschleunigende atmosphäre alter klöster-gemäuer kann dabei durchaus als vorbild und metapher dienen, für ein auf das wesentliche abgestimmte leben. weniger ist mehr oder „quiet ist the new loud“.

herzlichen dank an das benediktinerstift admont in der steiermark für die inspiration!
fotos: fernando moleres / danke auch an jaeger-lecoultre

helmut wolf
pool journal