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new perspectives
heute erinnert sich wohl keiner mehr daran, wie es war, als man um ein foto zu machen unter ein zelt schlüpfen und das bild auch sofort entwickeln musste. man konnte nicht wirklich von mobiler fotographie sprechen, als man vor über 100 jahren die schweren plattenkameras durch die gegend schleppte. beim fotounternehmen leica erinnert man sich an die historie und blickt gleichzeitig in die zukunft.

fotografie war einmal schwerarbeit. das wusste auch der deutsche oskar barnack nur allzu gut. barnack wollte weg von den bis dahin benützten, viel zu schweren glasplatten bei der fotografie und der anschließenden ausarbeitung. der deutsche feinmechaniker und entwicklungschef der firma leitz im deutschen wetzlar hatte im jahre 1905 die idee, das negativ-format zu verkleinern und das eigentliche foto nachträglich zu vergrößern. ursprünglich entstand dieser gedanke durch die benützung des damals weit verbreiteten 35 mm-kinofilms. nach zehn jahren forschung und entwicklung gelang es oskar barnack schließlich ein gerät für belichtungsproben für kinofilme zur ersten kleinbildkamera umzubauen: die „ur-leica“ war geboren! die ersten fotos damit - im verhältnis mit überaus hervorragender qualität - entstanden dann ab dem jahre 1914. durch den ersten weltkrieg jedoch verzögerte sich die produktion und so ging die erste leica (leitz camera) erst 1924 in serie - endlich! als die ur-leica ein jahr später der öffentlichkeit vorgestellt wurde, revolutionierte sie schlagartig den fotojournalismus. auch fotokünstler waren begeistert von der möglichkeit des „neuen sehens“. plötzlich konnten sie näher an das geschehen rücken, dynamischer und lebensnäher erzählen. die fotokamera wurde im laufe der jahre ein selbstverständlicher und ständiger begleiter in allen lebenslagen. „ausgesprochen toll an der leica war, dass sie praktisch kein geräusch machte“, erinnert sich der legendäre, irische fotograf edward quinn, der die reichen und schönen in den 1950er-jahren oft heimlich fotografierte. die stars wussten nie, wo und wann quinn auftauchte und den foto-auslöser drückte. der ehemalige „paparazzi-vorreiter“ quinn schaffte es während den „goldenen fünfzigern“ an der côte d’azur mit seiner leica berühmtheiten wie brigitte bardot, grace kelly oder auch das gesicht des als schwierig bekannten marlon brando fotografisch fest zu halten. „das fotografieren mit einer leica war diskret und man fühlte sich bei der arbeit frei.“, betonte quinn die vorteile. die fotos von edward quinn gehören heute zu zeitlos schönen dokumenten dieser (seiner) ruhmreichen ära.

leica-kameras haben sich im laufe der jahre qualitativ immer weiter entwickelt und bis heute nichts von ihrem image der hochwertigen, qualitätsvollen profi-kamera verloren. die kamera-modelle gelten als weltweiter inbegriff deutscher ingenieurskunst. grandiose fotoaufnahmen von einer reihe namhafter fotografen wie henri cartier-bresson, robert capa oder auch alex webb und jim rakete verleihen der marke ihren kultstatus. die preise für begehrte sammlerstücke steigen seit vielen jahren. wer beispielsweise eines der existierenden prototypen aus der null-serie von 1923 begehrt, sollte dafür mit einem richtpreis von rund 300.000 euro rechnen. die „ur-leica“, mit 2 millionen euro versichert und eigentlich unverkäuflich, wird in einer vitrine als ewiges meisterstück der fotografie aufbewahrt. angeblich wurden dafür auch schon über 10 millionen dollar geboten. bis jetzt aber ohne erfolg. es gibt eben kultobjekte, die einfach mit keinem betrag der welt bezahlbar sind.

patrick taschler
pool journal