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häufig gestellte fragen

was würden sie sofort ändern, wenn sie es könnten?

wenn ich die möglichkeit dazu hätte, würde ich eine bessere, positivere welt für unsere kinder gestalten.

was ist ihnen besonders wichtig?

bildung - sie ist die grundlage für unser leben. wir sollten uns noch viel stärker kulturell austauschen und voneinander lernen.

ihre lieblingsuhr?

meine lieblingsuhr ist immer das nächste uhrenprojekt.

technology and beauty
ein abgelegenes tal in der schweiz ist jener fruchtbare boden, auf dem seit über 170 jahren höchste uhrmacherkunst entsteht. bis zum heutigen tag haben uhrmacher, kunsthandwerker und ingenieure vom nahe genf gelegenen vallée de joux aus eine reihe technischer uhren-meisterleistungen erzeugt. warum gerade dieses geographische umfeld so ideal für die uhrmacherkunst ist, kann jaeger lecoultre-chef-designer janek deleskiewicz gut umschreiben.

bären und wölfe fühlten sich vor rund 200 jahren in den wäldern im schweizerischen vallée de joux noch sehr wohl. in dieser rauen gegend, zwischen bergen auf rund 1.000 meter seehöhe gelegen, abseits der großen handelsrouten, waren die winter zwar sehr hart und kalt, jedoch es war ruhig und jeder konnte seines weges gehen. auch antoine lecoultre, dessen vorfahren sich vor langer zeit im joux-tal ansiedelten, fand in dieser umgebung genügend zeit und muse, um seiner leidenschaft für zeitmesser und deren technischen bestandteilen nachzugehen. im jahr 1833 gründete der autodidakt lecoultre eine kleine uhrenwerkstatt, wo im laufe der jahre derart viele erfindungen zur immer genaueren zeitmessung von statten gingen, dass sich schon bald aus der vormals kleinen werkstatt eine große uhrenmanufaktur entwickeln konnte.

im jahre 1888 zählte die als „grand maison“ („großes haus“) bezeichnete manufaktur schon eine stattliche anzahl an mitarbeitern mitsamt einer reihe technischer gerätschaften zur herstellung und bearbeitung von uhren. die kooperation mit dem französischen uhrmacher edmond jaeger erfolgte einige jahr später und bildete die achse zur metropole paris. heute zählt das nach wie vor im vallée de joux angesiedelte unternehmen jaeger lecoultre mehr als 300 patente und 1.000 verschiedene uhrwerke, die durch ihre aufwendige produktion und wegen der hohen qualitätsstandards als „zeitlose“ kunstwerke gelten. modelle mit namen wie duoplan, memovox, die tischuhr atmos oder reverso (der name steht lateinisch für „ich wende mich“) gehören heute zu ikonen der uhrengeschichte. im nachfolgenden gespräch erläutert janek deleskiewicz, „directeur artistique & design“ bei jaeger lecoultre, woher die große leidenschaft und akribie des unternehmens für zeitmesser rührt.

lieber janek deleskiewicz, seit wann sind sie für das uhrenunternehmen jaeger lecoultre tätig und wo liegt der ansatz für ihr schaffen?

ich begann 1987 bei jaeger lecoultre. vom ansatz her ging es darum, schritt für schritt all die historischen modelle einem gewissen erneuerungsprozess zu unterziehen. mein team und ich begannen einerseits innerhalb des unternehmens neue wege einzuleiten und andererseits ging es darum, klassiker-modelle wie die legendäre reverso sanft zu erneuern. es galt, immer die gedanken an die herkunft und den spirit dieses traditionsunternehmens zu pflegen. dennoch arbeiten wir sehr autonom und unabhängig innerhalb unseres teams. ich würde sagen, alle produkte, die wir heute erzeugen, sind das ergebnis unserer großen leidenschaft für zeitmesser und der vielschichtigen facetten des uhrwerks. als ich vor rund 20 jahren begann für die firma zu arbeiten, waren um die 300 personen beschäftigt. heute zählen wir mehr als 1.000 angestellte in 40 verschiedenen berufen bei jaeger lecoultre.

kommen die mitarbeiter aus der schweizer umgebung?

ja, zu einem teil kommen die leute nach wie vor aus dem vallée de joux. eine große anzahl von mitarbeitern kommt heute aber auch aus frankreich, das hat mit der nähe der etwa 25 kilometer entfernten französischen grenze zu tun. wir haben dazu auch einen eigenen bus-shuttle organisiert. dies auch deshalb, weil wir einfach nicht die park-kapazitäten für 1.000 autos haben.

wie würden sie die menschen charakterisieren, die für jaeger lecoultre arbeiten?

die leute, die bei uns arbeiten, hegen natürlich eine große leidenschaft für technik und funktion. ebenso ist kreativität ein wichtiges element innerhalb des unternehmens, nicht nur bei den uhrmachern. meinem design-team versuche ich immer zu vermitteln, produkte zu entwickeln, die sehr klar und verständlich sind. außerdem ist mir der team-gedanke sehr wichtig, das gemeinsame: es gilt an einem strang ziehen, den auftritt nach außen und gewachsene technische errungenschaften der jahrzehnte immer im auge zu behalten. das kreativ-team kommt zum großteil aus italien und frankreich. ich selbst lebe in paris und pendle zwischen frankreich und der schweiz.

warum glauben sie, ist gerade die schweiz das zentrum der uhrenmanufakturen auf der welt?

historisch betrachtet liegt das vor allem an den politischen gegebenheiten. in frankreich waren die uhrmacher bis mitte des 16. jahrhunderts speziell im süden des landes ansässig und zum überwiegenden teil protestanten. als es dann durch glaubenskonflikte zu verfolgungen der protestanten kam, flohen fast alle protestanten in die nahe gelegene schweiz (auch pierre lecoultre, vorfahre von firmengründer antoine, anm.). in dieser unwirtlichen, rauen und schneereichen gegend konnten die protestantisch gesinnten uhrmacher in ruhe ihrer arbeit nachgehen. ebenso spielte der calvinismus (theologische bewegung mit spezifischer arbeitsethik, anm.) eine große rolle. denn ein grundsatz der calvinisten lag darin, als einziges wahres schmuckstück die uhr zu akzeptieren. calvinistisch gesinnte protestanten versuchten die kraft der zeit bestmöglich zu nutzen. nach dem motto: wenn du die zeit gut nutzen kannst, hast du auch kraft für das leben. deshalb hat sich gerade in dieser region der schweiz ein großer teil der uhrenindustrie konzentriert. der zweite große aspekt ist die landschaftlich bedingte ruhe, die hier vorherrscht. die strengen wintermonate, wo die leute nicht viel außer haus gehen, bilden eine gute basis konzentriert und nicht abgelenkt an den komplizierten uhrwerken zu arbeiten. am ende des winters sind die uhrmacher dann in das nahe gelegene genf gefahren, um ihre werke in den geschäften anzupreisen. so geht das schon über generationen. seit den 1920er-jahren besteht - durch die eingegangene zusammenarbeit unseres unternehmens mit dem uhrmacher edmond jaeger - eine starke verbindung zu paris.

wir leben in einer sehr schnelllebigen zeit. auf der anderen seite gibt es so langlebige, zeitlos schöne dinge, wie eben die uhren von jaeger lecoultre. was sagen sie zu diesem großen gegensatz?

das ist sicher ein gewisses paradoxon. ich würde es so erklären: die uhr ist das einzige objekt, das einzige ding, dass nicht nur deinen körper sondern auch deinen geist berührt. fast jedesmal, wenn du an die zeit denkst, blickst du in die zukunft: du musst dort hin fahren, du musst morgen noch das erledigen usw. im gleichen moment erinnerst du dich an ereignisse, die du in dieser oder jener zeit erlebt hast. die uhr ist in diesem zusammenhang ein wichtiges instrument für deine gedanken und deine seele. du erkennst die vergangenheit und die zukunft. das digitale zeitempfinden ist dagegen ganz anders gelagert.

die mechanische uhr ist ein extrem kleiner platz, wo tausende details und funktionen zusammen wirken ...

ja, das ist die faszination der miniaturisierung. die mikro-mechanik, welche zum großteil von der uhrenindustrie begründet wurde, wird heute bis in die bereiche der raumfahrttechnik verwendet. die herstellung dieser aufwendigen uhren kommt einem wunderwerk der technik gleich. dies erklärt auch ihren hohen preis. solche uhren, mitsamt den mechanischen werken und funktionen, lassen sich einfach nicht in massenproduktion herstellen. alleine für das design einer neuen uhr können schon einmal zwei jahre vergehen. technik und schönheit vereinen sich hier auf engstem raum.

die verbesserung und verfeinerung der uhr ist gewissermaßen ein unaufhörlicher prozess. immerhin zählt jaeger lecoultre bereits 300 patente ...

absolut. es gibt kein ende an neuen lösungen und weiterentwicklungen bei den uhrenwerken. das hört nie auf. wenn wir einen nahezu perfekten prototyp geschaffen haben und dieser geht in produktion, kommt es wieder zu neuen überraschungen, zu neuen erkenntnissen, die wieder gelöst werden müssen. aktuell zum beispiel arbeiten wir stark an mechanischen uhrenmodellen, deren uhrenwerke zukünftig ganz ohne öl auskommen. dies kommt sicher einer revolution gleich.

zeitlose, gute dinge sind zumeist ursprünglich einem funktionellen gedanken/bedürfnis entstanden, nicht aus modischen gründen, siehe ihr erfolgsmodell „reverso“, dessen wendefunktion aus schutzgründen gemacht wurde. über welche grundsätzlichen kriterien muss für sie persönlich ein gutes produkt verfügen?

das ist ein sehr wichtiger punkt! wenn wir eine uhr produzieren, muss diese beim kunden jeden tag funktionieren. es ist ein alltags-produkt für jede gelegenheit. derzeit ist die wichtigste funktion bei unseren uhren die ansicht der zweiten zeitzone. durch die globalisierung und hohe reisetätigkeit der menschen, ist diese funktion zu einem wichtigen bestandteil geworden.

klassische uhren lassen sich sozusagen sehr gut in die dynamik unserer zeit integrieren?

durchaus. das erste reverso-modell beispielsweise wurde ursprünglich für polo-spieler entwickelt. durch die wendefunktion sollte diese uhr das polospiel unbeschadet überstehen. aber im laufe der zeit begann man diese zwei „gesichter“ mit neuen funktionen oder designs zu versehen: also beispielsweise eine seite mit einem chronographen, die zweite seite mit der uhrzeit in allen 24 zeitzonen, und viele variationen mehr. die leute liebten diese neuen funktionen. bis zum heutigen tag gestaltet sich diese wendefunktion als inspirationsreich für das design und findet entsprechend großen anklang.

sind liebhaber von solcherart schönen, mechanischen dingen grundsätzlich positiv gestimmte menschen? können sie die zielgruppe von jaeger lecoultre in etwa charakterisieren?

jaeger lecoultre-kunden sind menschen, die sich mit der technik positiv „matchen“ und auseinandersetzen wollen. sie diskutieren über diese technik, nehmen teil an der entwicklung und wollen bei neuen erkenntnissen am ball bleiben. gerade bei jungen menschen erkenne ich in letzter zeit eine zunehmend größer werdende leidenschaft für mechanische uhren. besonders die junge generation hat durch ihren ungezwungenen umgang zu high-tech und neuen medien einen interessanten zugang zu unseren produkten gewonnen.

helmut wolf
pool journal