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the finest in jazz ...
miles davis, thelonious monk, donald byrd, sonny rollins, john coltrane, art blakey, herbie hancock, bobby mcferrin, al green, anita baker, norah jones und viele, viele mehr. die auflistung stil-prägender jazz-, blues- und soul-musiker der geschichte und gegenwart des us-musik-labels blue note records ließe sich noch lange fortsetzen. wie selten eine musikfirma verkörpert „blue note“ bis zum heutigen tag jenen authentischen geist, der sich aus der großen leidenschaft und liebe zur musik ergibt. heuer feiert das jazz-label sein 70-jähriges bestandsjubiläum.

neben der musik war es immer auch schon der modestil des musikers, der ein wichtiges element des gesamtauftritts bildete. damals wie heute: erst das modische statement des „frontman“, der kollektive „style“ einer band, eines künstlers, macht die musik zu einem gesamterlebnis. diese so wichtige „image-note“ wurde mit der verbreitung der schallplatte der jazz- und swing-ära in den 1930er-jahren begründet und kultiviert. es galt über das (platten-)covermotiv die entsprechende botschaft der musik auf den ersten blick sichtbar zu machen. und was sich heute auf computer und mp3-player nur mehr in form von bits und bites „entsinnlicht“ darstellt, wurde bei der großflächigen vinyl-schallplatte sowohl zum haptischen vorgang als auch zur inspirationsreichen spielwiese und kunstform – der „cover-art“.

die kunstform der ästhetischen „cover-art“ wurde - und wird - beim legendären jazz- und soul-label „blue note records“ mit besonderer hingabe gepflegt. und das seit mittlerweile 70 jahren! als alfred lion im jahre 1939 in amerika das jazz-music-label „blue note records“ gründete, war ihm sehr schnell bewusst, wie wichtig das „image“ der unter vertrag genommenen musiker sein musste. visualität und auftreten sollten, wie die musik, höchste qualität und eleganz verströmen. typische blue note-genres wie jazz, swing, bebop, hardpop, soul-jazz, avant-garde und fusion „verbildlicht“ werden. in seinem jugendfreund francis wolff, ebenso leidenschaftlicher jazz-fan und als fotograf tätig, erkannte lion jenen kongenialen partner, der ihm bei der visualisierung der musik helfen sollte. mit großem erfolg. die von francis wolff bis zu seinem tod im jahr 1971 gestalteten und in weiterer folge vom klassik-fan und art-director reid miles stets ins rechte licht gerückten cover-art-motive avancierten zu unvergleichlichen sinnbildern authentischer jazz-musik. mit einer mischung aus grafischer design-gestaltung, der vorliebe für serifenlose typografie und schwarz-weiß-farbgebung, schufen francis wolff und reid miles meisterwerke der cover-art. auf den schallplatten-umschlägen verdichteten sich „bildlich“ die trompetenklänge von miles davis oder das gefühlvolle saxophon-spiel von hank mobley. die oft nächtelangen jazz-sessions in den relaxten aufnahmeräumen und clubs zwischen new york und los angeles wurden nicht nur hör- sondern auch auf der plattenhülle sichtbar gemacht.

mit der jazz-musik „swingten“ immer auch elemente wie kultiviertheit und anregender genuss mit. nicht selten gehört deshalb live-jazz-musik auch in vielen restaurants zum basis-programm. das gepflegte äußere zählte deshalb seit jeher zum unausgesprochenen dress-code innerhalb der jazz-szene. zum typischen „blue note-look“, von musikern wie sonny rollins oder art blakey begründet, zählte das klassisch-elegante button-down-hemd von „brooks brothers“, vornehmlich in weiß oder blau, und der dreiknopf-nadelstreifanzug in den farben oliv oder dunkelblau. neben dem levi-jeans-modell 501xx aus dem jahre 1955, avancierten der burberry trenchcoat und die qualitätsvollen mokassin-schuhe von „bass weejuns“ zum basic-look vieler musiker des labels. speziell in den 1950er- und 1960er-jahren war dieser „feinsinnige“ fashion-style auf vielen schallplatten-covers zu sehen und avancierte zur modischen inspiration für viele nachfolgende musiker.

das heute unter dem dach der emi group firmierende jazz-label „blue note records“ feiert nunmehr sein 70jähriges bestandsjubiläum. bis zum heutigen tag hat man sich den status als hochkarätige plattform für kreative innovatoren in sachen jazz- und soul-musik erhalten, was mit einer reihe von tribut-aktitiväten und „reissues“-serien gebührend gefeiert wird.

helmut wolf
pool journal