26
 
   
häufig gestellte fragen

filmographie:

some like it hot (1959)

emil and the detectives (1931)

ninotchka (1939)

a foreign affair (1948)

witness of the prosecution (1958)

the seven year itch (1955)

ace in the hole (1951)

kiss me, stupid (1964)

buddy buddy (1981)



alexander horwath, direktor des filmmuseum wien: „die situationen von denen billy wilders filme erzählen, sind kaum je so geschaffen, als dass sie altern oder aus der mode geraten könnten. die härte, der zynismus, die schärfe und ironie sind haltbare eigenschaften. die leute bedürfen nach wie vor einer solchen entzauberung. in unserer zeit sind dinge, um die sich schnell ein sogenannter kult spinnt, oder die als kultfilme bezeichnet werden, jene, die nicht den vorherrschenden ideologien auf den leim gehen; die den gesellschaftlichen routinen und konventionen distanziert entgegenstehen. deshalb haben wilders filme das potenzial dazu, dass sie auch weiterhin funktionieren. die boshaftigkeit - im positiven sinn - die er immer wieder einspielte, wird auch heute als eine art gegengift gesehen. seine filme sprechen leute an, die eine grundskepsis gegenüber dem so genannten „reibungslosen funktionieren unserer welt“ haben. und wann immer es krisenzeiten gibt, so wie jetzt, dann ist es wahrscheinlich eine sehr gute zeit für diese skeptiker und künstler. solche positionen, die jemand wie wilder oder aktuell auch die cohen brüder (us-regisseure ethan & joel cohen, anm.) vertreten, bekommen dadurch noch mehr aufwind. es geht darum, die dinge nicht allzu ernst zu nehmen. man kann es im grunde zurückführen auf einen aufklärerischen gestus. künstler wie wilder haben diesen auf jeden fall in sich. deshalb braucht man die wilders dieser welt heute wie auch damals ganz dringend.“



gleich mit zwei ausgesprochen interessanten büchern über billy wilder wartet der verlag taschen auf: „billy wilder‘s some like it hot“ nennt sich jener - leider derzeit vergriffene - prachtband, der anlässlich des 95. geburtstages von billy wilder erschienen ist. in aufwendiger aufmachung und 400 seiten sind darin eine reihe interessanter hintergrundberichte, interviews und making of-schnappschüsse zu sehen, die den legendären regisseur mit vielen ikonen der filmgeschichte zeigen. als „urvater der komödien der gegenwart“ umschreibt der film und literatur lehrende us-autor glenn hopp den ursprünglich aus österreich stammenden regisseur in seinem sehr anschaulichen, ebenfalls im taschen-verlag erschienenen buch „billy wilder“. in diesem buch wird auch darüber berichtet, wie schwer sich marilyn monroe texte merken konnte und dass sie sehr häufig zu spät beim filmset erschien. wilder reagierte auf die eskapaden monroe’s mit seiner typischen, humorvollen art: „natürlich habe ich eine alte tante in wien, die immer und überall pünktlich erschien – aber wer wollte die schon in einen film sehen.“

vitality in life
denkt man an die filme des legendären regisseurs billy wilder, dann fallen einem zuerst die szenen aus seinen zahlreichen komödien ein. da lächelt einem die reizende fran kubelik alias shirley maclaine aus dem fahrstuhl entgegen, sorgen jack lemmon und tony curtis als frauen verkleidet in einem damenorchester für aufregung oder steht marilyn monroe lasziv-kokett direkt über einem u-bahnschacht und lässt ihr weißes kleid vom einfahrenden zug in die höhe wirbeln. nachfolgend eine analyse über wilders zeitlose filmklassiker, seine skepsis gegenüber dem gesellschaftlichen moralverständnis und seine vorliebe für antihelden.

der regisseur und drehbuchautor billy wilder, geehrt mit sechs und nominiert für zwölf oscars - und viele weitere auszeichnungen - war ein meister im erzählen von komödien, dramen und thriller. gute drehbücher und rollen zu schreiben, die weder das publikum noch die schauspieler langweilten, war sein oberstes gebot. den inhalt der filme würzte er mit seinen lieblingsingredienzien: ein wenig sarkasmus und ein schuss nett gemeinter boshaftigkeit. seine antihelden - liebenswerte schwindler, polizisten und ehemänner auf amourösen abwegen oder ehefrauen mit mordplänen - gerieten stets in ein netz aus leidenschaft, gier und schwäche. damit gelang es wilder, wie scheinbar durch zufall und ohne erhobenem zeigefinger, die hochgehaltene gesellschaftsmoral als äußerst fadenscheinig zu entlarven. „wenn du leuten die wahrheit sagst, dann besser auf eine komische art, sonst bringen sie dich um“, hat man ihn einmal sagen hören. seine wahrheit verpackte er gekonnt in pointierten dialogen, schnellen szenen und handlungswechseln. mindestens ebenso spannend wie seine filme ist auch seine lebensgeschichte, die in europa ihren anfang nahm.

geboren wurde billy wilder am 22. juni 1906 als samuel wilder in sucha im heutigen polnischen staatsgebiet der ehemals österreichisch-ungarischen monarchie. seine mutter nannte ihn „billie“, nach einem buffallo bill-musical am broadway, das sie in ihren mädchenjahren in new york gesehen hatte. damit wurde die neugier des jungen wilder auf das ferne land jenseits des atlantiks schon sehr früh geweckt, wie später auch seine leidenschaft zur jazz-musik. aus angst vor den truppen des zaren, die das gebiet des heutigen polen nach dem attentat auf den thronfolger der damaligen monarchie, franz ferdinand, besetzten, flüchtete die familie wilder einige jahre später nach wien. wilder wurde weder anwalt noch steuerberater, wie die eltern es sich erhofft hatten, sondern er wurde reporter bei der boulevardzeitung die stunde. besonders stolz erzählte wilder zu mehreren gelegenheiten über das nie stattgefundene interview mit siegmund freud. „durch den türspalt des wartezimmers sah ich sein ordinationszimmer mit der couch – viel kleiner als ich gedacht hatte. nach ein paar minuten öffnete sich die tür vom speisezimmer, und da stand freud vor mir, viel kleiner als ich gedacht hatte. „sind sie der reporter?“, fragte er „jawohl, herr professor!“ antwortete ich und erntete ein „dort ist die tür!“.“ erzählte er in hellmuth karaseks biographie billy wilder - eine nahaufnahme (hoffmann und campe).

seine bekanntschaft mit us-jazzmusiker paul whiteman führte ihn schließlich nach berlin. wilder ließ sich mitreissen von der kreativen energie, die diese stadt elektrisierte. zu einer zeit, als marlene dietrich noch in bars sang und die universum-film-ag (ufa) das „hollywood europas“ war. er schlug sich als reporter durch und knüpfte als ghostwriter für stummfilm-drehbücher seinen ersten kontakt zur filmwelt. für kurze zeit war er auch „eintänzer“ reicher frauen im hotel eden. „es war ein dauernder kampf. ich tanzte foxtrott, sie polka“, erinnerte er sich an diese zeit. sein erstes drehbuch verkaufte er an den herrenbesuch seiner zimmernachbarin, als dieser eines nachts aus not an wilders tür klopfte, um sich vor dem eifersüchtigen verlobten zu retten. der herrenbesuch entpuppte sich als ein filmproduzent. wilders drehbuch wurde aber nie verwirklicht.

die erlebnisse und bekanntschaften wilders im dekadenten europa spiegeln sich in vielen szenen seiner filme. so auch in seinem klassiker „manche mögen’s heiß” (1959). unvergessen bleibt dabei daphne (jack lemmon), als „sie“ sich verzweifelt ihre perücke vom kopf reißt, um ihrem millionenschweren verehrer den schwindel zu gestehen. „verstehst du denn nicht ... ich bin ein mann ...“ - „na und ... niemand ist vollkommen.“ die berühmte schlussszene zieht eine interessante parallele zu wilders kindheit: ein familienfoto, aufgenommen 1909, zeigt den dreijährigen billie in einem kleid. seine eltern wünschten sich nach seinem bruder william ein mädchen. das bild birgt eine doppelironie, da es den billie nicht nur als „eine billie” zeigt, sondern die schreibweise im amerikanischen für ein mädchen steht.

wilder schaffte den sprung zum drehbuchautor. er verfasste das skript für die von freunden produzierte, wunderbare (stumm-)filmdokumentation „ menschen am sonntag“ (1930) und schrieb das drehbuch für „emil und die detektive“ (1931). einen tag nach dem reichstagsbrand 1933 stieg wilder, seine wohnung und sein auto durch eine dunkle vorahnung schon vorher verkauft, in einen zug nach paris. von dort aus fuhr er weiter nach new york, wo sich sein bruder william einige jahre zuvor als handtaschenfabrikant niedergelassen hatte. auch william versuchte sich später als filmemacher in hollywood, allerdings ohne sich je einen namen zu machen.

einmal mehr stand billy wilder vor einem neuen anfang. mit nur wenigen dollar in der tasche und einem äußerst bescheidenen englischen wortschatz kam er schließlich in los angeles an. „jeder, der nicht an wunder glaubt, ist kein realist“, sagte er einmal. schnell bemächtigte er sich nicht nur der sprache (er hörte ständig radio und lernte jeden tag 20 neue vokabeln), sondern verstand amerikanisch, wie später oft festgehalten wurde. dennoch blieb die nie vollständig überwundene sprachbarriere wohl der hauptgrund seine drehbücher, die er fortan auf englisch verfasste, nicht mehr alleine zu schreiben. mit seinem ersten partner, charles brackett schrieb er 13 drehbücher, unter anderem für filme wie „ninotschka“ (1939) von ernst lubitsch. wilder war zeitlebens ein großer verehrer des 1945 verstorbenen regisseurs aus berlin, dem meister des imaginären auf der leinwand. in wilders büro prangte zeit seines lebens auch ein schild mit der frage: „wie würde es lubitsch machen?“

nach brackett verbündete er sich auch mit dem autor i.a. l. diamond, einem gebürtigen rumänen. ihre „drehbuchautoren-ehe“ hielt schließlich für den rest ihres lebens. „die spannung hat gut funktioniert, so gut, dass er manchmal mit dem telefonbuch nach mir warf. getroffen aber hat er nur eine lampe ...“, erzählte wilder über seinen geschätzten partner.

unter den emigranten aus dem hitler-deutschland befanden sich künstler und schriftsteller wie thomas mann und frühere bekannte wilders, wie der mittlerweile zum regisseur avancierte fred zinnemann oder die schauspielerin und sängerin marlene dietrich. mit ihr drehte er „eine auswärtige affäre“ (1948) und „zeugin der anklage“ (1958). vor allem mit marlene dietrich verband wilder eine tiefe freundschaft. „sie war gescheit, geschickt und praktisch. she was a mentsh und hat mehr zeit an der front verbracht als eisenhower,“ so wilder zu schriftsteller karasek. „mentsh ist ein begriff aus dem jiddischen für eine integre person, die anstand und würde besitzt“, erklärt glenn hopp in seiner bildband-hommage „billy wilder“ (taschen verlag). mit dem mensch-sein, wilders eigentlicher botschaft seiner filme, sahen sich auch seine figuren immer wieder konfrontiert, ob der g.i. im berlin der nachkriegsjahre, der versicherungsbeamte oder der karrierehungrige zeitungsreporter.

wie lubitsch zählte wilder zu den wenigen, die tatsächlich bis ganz nach oben gelangten und es zudem schafften, in der damals noch sehr hierarchisch geführten hollywood-traumfabrik, vom drehbuchautor zum regisseur überzulaufen. wilder machte sich einen vorteil besonders geschickt zu nutzen: sein wissen über ideologie und moral vom alten kontinent in die neue puritanische welt zu importieren und diese mit humor und schärfe anzureichern. wilder arbeitete mit den großen stars oder verhalf ihnen zu ihrem späteren platz im sternenhimmel hollywoods. die berühmte szene marilyn monroes mit dem weißen kleid aus „das verflixte 7. jahr“ (1955) sorgte beim dreh auf der lexington avenue in new york für soviel aufsehen, dass sie in den filmstudios von „20th century fox“ noch einmal aufgenommen werden musste. mit insgesamt mehr als „60 takes“ ging diese szene bekanntlich in die filmgeschichte ein. über seine zusammenarbeit mit marilyn monroe sagte wilder einmal: „sie war nie pünktlich, nicht ein einziges mal. immer wenn ich sie sah, musste ich ihr verzeihen.“

verheiratet war wilder seit 1949 mit der ehemaligen sängerin audrey young. seine erste frau, judith iribe, schenkte ihm zwillinge, von denen nur ein kind überleben sollte, seine tochter victoria. billy wilders filmische erfolgszutaten spiegelten seine tief verwurzelten skepsis gegenüber der welt im allgemeinen wider. seine mutter und großmutter wurden nach auschwitz deportiert. „meine mutter hat meinen erfolg nicht mehr erlebt. auch mein vater nicht, denn er starb bereits 1928 ... ich bedauere das sehr, denn sie wären stolz auf mich gewesen.“ der autor hellmuth karasek erklärte wilders sicht auf die dinge folgendermaßen: „wie jeder geborene satiriker verzeiht er der wirklichkeit nie, wenn sie sich ins erhabene versteigt. sein witz ist schutz vor ergriffenheit und rührung – eine grundhaltung des jüdischen witzes.“ der leidenschaftliche sammler zeitgenössischer kunst, wilder, gab denn auch selbst einmal zu, ganz gerne essig in den cocktail zu mixen. wilder starb im jahre 2002 an einer lungenentzündung in los angeles. auf seinem grabstein im westwood memorial friedhof hinterließ er ein letztes, symbolisches augenzwinkern: „i’m a writer, but then, nobody’s perfect.“

sandra pfeifer
pool journal