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magical nature
es ist eine unendliche formen- und farbenvielfalt, die sich in der natur und auf unserer erde ausbreitet. seit jeher hat diese „natürliche pracht“ den menschen geprägt und in seiner lebensweise beeinflusst. über millionen von jahren konnten sich flora und fauna in unnachahmlicher art und weise entwickeln und den lebensraum auf der welt zu einem faszinierenden, in sich verwobenen geflecht heranwachsen lassen. für uns menschen war diese naturgegebene schönheit von jeher inspiration und bildete die grundlage für all das, was wir heute geschaffen haben und unser dasein nennen.

was der biologe und philosoph andreas weber mit „schöpferischer ökologie“ umschreibt, ist die enge, emotionale verbindung zwischen mensch und natur, die sich in vielen facetten unseres verhaltens und unserer lebensweise wieder spiegelt. die natur gilt, bewusst oder unbewusst, als emotionales fundament des menschen; sie ist vorbild für unsere schöpferische tätigkeit und leitbild für unser tägliches handeln. durch die zunehmende industrialisierung und technologisierung hat sich der abstand des menschen zu seinen ursprüngen nur scheinbar vergrößert. sich von der natur abzukoppeln, würde nämlich bedeuten, sich seiner eigenen wurzeln zu entziehen. und das ist nicht möglich. der mensch ist schließlich teil der natur - und die natur ist teil von uns.

wie eng natur und mensch miteinander im einklang stehen können, zeigen nur noch wenige völker heute auf der erde. zu diesen ausnahmen zählen unter anderem die volksstämme der surma und mursi in ostafrika. diese beiden befreundeten stämme im omo-tal an den grenzen äthiopiens und kenias nutzen all die natürlichen ressourcen der umgebung, um sich zu kleiden und zu schmücken. der in südfrankreich lebende fotograf hans silvester, hat diese menschen in ihren prächtigen natur-kleidern auf eindrucksvolle weise fotografisch festgehalten. in seinem bildband kleider der natur (terra magica) zeigt silvester ganz außergewöhnliche dimensionen von mode und design. fast magisch mutet da so manches porträt mitsamt der ausgefallenen dekorationen an. eleganz und anmut, fast ausschließlich der natur entstammend: geflechte aus zweigen und blüten, ketten aus schneckenhäusern und nüssen, farbenfrohe federn, büffelhörner, zähne oder felle der beutetiere werden mit viel liebe zusammen gefügt.

besonders die körperbemalung oder so mancher hut - aus mit federn verzierten tonklumpen - geraten dabei zu einer eigenwilligen form von design-kunst. bei den stämmen der surma und mursi gilt der körperschmuck jedoch nicht nur zu dekorativen zwecken, sondern auch als unterscheidungsmerkmal und zeichen der eigenen identifikation. zudem hat der aufwendige schmuck auch funktionale zwecke, beispielsweise um sich mit zweigen schatten zu verschaffen. alles in allem wird in diesem bildband eine faszinierende modenschau abgehalten, die uns in eine ganz andere, naturgegebene welt führt, abseits genormter, asphaltierter straßen und edler laufstege ...

helmut wolf
pool journal