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corporate places
viele menschen verbringen den großteil ihres (arbeits-)alltages im büro. jedenfalls in vier wänden. ohne „erfreuliches umfeld“ in den arbeitsräumen leidet nicht nur die laune der anwesenden, sondern auch deren produktives verhalten. wie grundlegend sich anregende, inspirative bürolandschaften auf den menschen auswirken, bestätigt didi lenz, „kreativer geist“ beim büroeinrichtungsspezialisten bene, im interview.

das büro ist zum vitalen lebensraum avanciert. mit lebenswerten, ausgleich schaffenden elementen und gestaltungsmöglichkeiten, die den menschen in den vordergrund stellen. „corporate places“ nennt der spezialist für büroraumgestaltung bene diese neue definition des büros. über gefühl, bewusstsein und neue wertigkeiten charaktervoller büros ein gespräch mit bene-projektmanager und -vordenker didi lenz.

lieber didi lenz, wie wird man eigentlich professionist für büroraumgestaltung?

meine erste tätigkeit nach dem architekturstudium in einem architektur-büro war die erstellung eines bürogebäudes von bene. damit kam ich mit der büromöbel-branche in berührung und jenem unternehmen, für das ich heute tätig bin. dabei habe ich erfahren, dass es nicht nur um die erstellung schöner möbel und dinge geht, sondern auch um viele soziale aspekte: wie agieren leute in büros? wie fühlen sie sich darin? und in weiterer folge: wie produktiv sind sie in diesen räumen? es geht eben nicht nur um kanten, formen und materialien, sondern auch um soziale inhalte, was mich schon immer sehr interessiert hat.

das schöne an dieser branche ist zudem, dass man produkte entwickelt, die sich vervielfältigen lassen. das ist eigentlich das erfolgsgeheimnis guter unternehmen: nämlich das wesen einer aufgabenstellung zu erfassen und mit einer dienstleistung bis hin zum produkt bedienen zu können. ich bin gewissermaßen „am äußeren ende des vorwärtsdrängens“ tätig, bediene kunden wie beispielsweise credit suisse, bei denen es noch keine entsprechenden produkte gibt.

jemand der (büro-)räume für menschen gestaltet, muss sehr gut auf gefühle und anforderungen der menschen eingehen können. sind sie ein guter beobachter soziologischer entwicklungen?

einerseits bin ich beobachter, andererseits jemand mit idealvorstellungen, wie ein lebendiges, respektvolles miteinander in einem büro funktionieren sollte. die jetzige neuformulierung des zeitgemäßen büros beruht darauf, wie die menschen zusammen arbeiten sollten. eigentlich übernimmst du dabei ein stückchen führung.

bei einem zeitgemäßen bürokonzept geht es in erster linie darum, wie sich die menschen darin fühlen, wie viel von ihren werten, von ihren ansprüchen hier plötzlich realisierbar werden; wie sie vom anderen profitieren können. derzeit ist das büro oft noch von einem konkurrenz-, von einem behauptungsdenken durchdrungen. es geht bei uns eigentlich darum, die kultur des teamgeists, das miteinander und füreinander in einem unternehmen einzuführen. du interpretierst das zusammenwirken von menschen neu, gibst ihnen neue leitbilder, neue möbel, ein neues umfeld, ein neues feeling, ein neues auftreten und verhalten.

wie äußert sich ihrer meinung nach das dynamisierte, hoch-technologisierte umfeld der menschen in bezug auf gefühl und gestaltung des büro-interieurs?

im gegensatz zum abgeschlossenen zimmer von früher, wo der angestellte abgegrenzt agiert hat, setzt man sich heute mehr der wahrnehmung anderer aus. alles wird transparenter, offener. dies erfordert aber wieder rückzugsmöglichkeiten. die modernen bürokonzepte leben von einer extrem kommunikativen qualität, räumlich gesehen. andererseits brauchst du plätze, wo du zur ruhe finden kannst. büro ist nicht mehr nur arbeiten an einem tisch, sondern vielmehr das bewegen, das austauschen zwischen vielen tischen und kollegen.

der vom büro-alltag gestresste mensch ist heute oft auf der suche nach wohlfühlen, möchte „sich etwas gutes tun“. wie wichtig ist ein bürokonzept im hinblick auf die innere balance des menschen?

das büro soll keine gegenwelt mehr sein. büro soll willkommener alltag sein. eigentlich sollte der beruf das maximum unserer eigenen vorstellungen befriedigen, ein höchstmaß an zufriedenheit geben. es geht auch um zwischenmenschliche aspekte, die aus dem unternehmen, aus dem bürokonzept heraus entstehen sollten. dann entsteht so etwas wie ein bewusstsein, ein flair, ein „spirit“, der sich in form von freude aller mitarbeiter nach außen hin äußert. die neuen bürokonzepte, die ich derzeit entwickle, beziehen alle ihre kraft aus einer neuen werteorientierung – und nicht aus einem rationellen nutzungskonzept. es geht darum zu definieren: wie gebe ich der arbeit sinn.

auch die natur rückt vermehrt ins blickfeld, vor allem weil viele leute den großteil ihrer zeit in geschlossenen räumen verbringen. nach einer

arbeitsreichen woche sucht man nach outdoor-betätigung, nach wandern, mountainbiken, joggen, surfen, segeln etc. ist die natur, das draußen-sein auch inspiration für sie?

im privaten bereich praktiziert fast schon ein jeder den seelischen ausgleich, die suche nach balance in der natur und beim sport. schön langsam wirkt sich dies auch auf den arbeitsbereich aus. nach dem motto: warum soll sich dieses bewusstsein nur auf das zuhause und wochenende beschränken? eigentlich ist das ja eine lebenshaltung. manche unternehmen haben schon erkannt, dass es wichtig ist, dass die mitarbeiter sich viel bewegen, gesund sind, ausgewogen essen usw. unternehmen versuchen immer mehr einfluss auf den lebensstil der menschen auszuüben. im idealfall kann das büro meine lebenslange weiterentwicklung bedienen. die neue generation der arbeitnehmer achtet sehr auf diese bedingungen.

welches gefühl ist es, ein bürokonzept für ein unternehmen entwickelt zu haben und dann zu sehen, dass menschen in diesen räumen vielleicht produktiver arbeiten als zuvor?

die große schwierigkeit bei den „produktivitäts-steigernden wohlfühlfaktoren“ ist, dass sie nur schwer messbar sind. ich glaube grundsätzlich, man sollte der inneren intuition folgen. sozusagen: all jenes, was mir als mensch gut tut, muss auch dem organismus unternehmen gut tun. eigentlich sollte dieses bewusstsein ganz natürlich sein. wenn nicht, sollte es wachgerufen werden.

helmut wolf
pool journal