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häufig gestellte fragen

verfolgen sie ein bestimmtes ziel in ihrem leben?

weiterhin an interessanten projekten zu arbeiten.

können sie sich vorstellen, etwas anderes als design zu machen?

nicht wirklich. wenn, dann vielleicht autor einer sitcom zu sein ...

haben sie ein vorbild?

der finnische designer und skulpteur tapio wirkkala. er ist designer der alten „finlandia vodka“-flasche und tausend anderer interessanter formen.

simply enchanting
in seiner jugend stellte der tschechische designer maxim velcovský mit begeisterung coca cola dosen in seinem zimmer aus, die er aus dem müll der botschaftshäuser sammelte. nun arbeitet er daran, rost endlich salonfähig zu machen und wartet geduldig auf die nasa, bis sie ihr getestetes material endlich in die spielwiese der designer entlässt. velcovský’s talent ist gleichsam ein zaubertrick: alten ideen wird die form abgestreift, um ihnen eine neue funktion zu geben.

maxim velcovský hat traditionelles design aus glas und porzellan stets aus einem anderen blickwinkel interpretiert. dieser ansatz entspringt seinen tief verhafteten tschechischen wurzeln, wo die herstellung von glas und porzellan einen besonders hohen stellenwert besitzt. für seine außergewöhnlichen glas- und porzellan-kreationen wurde er im jahre 2007 vom renommierten design-magazin &fork unter die 100 außergewöhnlichsten designer des jahres gereiht. ein gespräch über zauberlaternen und wie sich aus licht illusionen erzeugen lassen.

lieber maxim velcovský, was bereitet ihnen an ihrer arbeit besondere freude?

besonders schätze ich das gefühl, durch meine arbeit und kreationen den menschen etwas mitteilen zu können; etwas, das sie vielleicht auch für sich verwenden können. richtig freude verspüre ich dann, wenn leute auf meine projekte reagieren - wenn sie lachen oder sogar ärger darüber empfinden.

ihre arbeit, die sie auf einladung beim glaswaren-spezialisten j. & l. lobmeyr im rahmen der „vienna design week“ präsentierten, war in gewisser weise eine hommage an die alte form der projektionskunst, die früher bei gauklern verwendung fand, um ihre märchen und geschichten zu illustrieren. was hat sie auf die idee gebracht?

ich würde das projekt eher als eine mischung zwischen schattentheater und „laterna magica“ (zauberlaterne) bezeichnen, welches auf eine tschechische erfindung zurückgeht. als ich zum ersten mal den keller bei lobmeyr betrat, hat mich das licht, das beim öffnen der tür über den dunklen raum eingefallen ist, an die skyline einer stadt erinnert.

die installation selbst besteht aus verschiedenen gläsern und teilen eines lusters, die mittels projektion die skylines von verschiedenen städten wie new york, london, moskau oder wien sehr lebendig und wahrhaftig darstellen.

glauben sie, dass design nach außen hin auch etwas von dieser magie ausstrahlt?

in gewissem sinne sind designer „schöpfer“, so ähnlich wie gott etwas aus dem nichts erschaffen hat (lacht).

was waren ihre erfahrungen, mit einem ungreifbaren material wie licht zu arbeiten?

es war eine sehr interessante erfahrung. die eigentliche herausforderung aber bestand darin, die passenden teile an glas und luster für jede city-skyline (s. o.) zusammenzutragen. der interessanteste aspekt am ganzen projekt war, wie die illusion durch den einsatz des lichts erzeugt wird: ohne licht wirkt es wie eine gewöhnliche ansammlung von gläsern und glasteilen, ohne wirkliche bedeutung. schaltet man das licht ein, erscheint plötzlich ein wunderbares bild, das aber nicht greifbar ist. eine art fata morgana ...

gibt es für sie als designer eine bestimmte botschaft, die sie übermitteln wollen?

hinter jedem objekt verbirgt sich auch eine geschichte. es geht bei design nicht immer nur um pure form, geometrie und funktion ... obwohl ich viele stunden nur damit verbringen kann, über verschiedene formen und winkel zu grübeln.

welchen aspekt an ihrer arbeit empfinden sie als besonders herausfordernd?

immer wieder verschiedene themen und nuancen zu erschließen, die design an sich beinhaltet; und natürlich immer wieder den kontext neu aufzuarbeiten, neue arbeitsprozesse- und techniken zu finden. dinge sehen und fühlen sich an verschiedenen orten oft ganz anders an. design schließt ja auch den gedanken mit ein, wie ein gegenstand letztendlich präsentiert wird.

ich würde nur allzu gerne mit noch unbekannten materialien wie mais oder getreide experimentieren, um daraus zum beispiel gläser herzustellen.

welche rolle spielt humor für sie in ihrer arbeit?

humor zu besitzen im leben ist äußerst wichtig. ich finde, durch humor lassen sich verschiedene situationen oder kulturen auf eine gewisse weise porträtieren.

woher beziehen sie ihre inspiration?

überall, wohin ich gehe, wo immer ich mich gerade befinde, nehme ich dinge um mich wahr. ich denke aber auch, dass die dinge, die mich in meiner kindheit umgeben haben, großen einfluss ausgeübt haben. ich bin während des kommunismus groß geworden. design als solches gab es damals überhaupt nicht. fabriken produzierten ein stück in gleicher ausfertigung für die nächsten zehn jahre. deshalb war der besuch bei freunden zu hause immer eine recht spannende angelegenheit, weil man dabei ganz unmittelbar spürte, wie leute es mit einfachen mittel verstanden zu improvisieren, um ihren lebensraum angenehmer zu gestalten.

ein teil ihrer arbeit beschäftigt sich mit dem konzept, alten, gebrauchten gegenständen eine neue bedeutung zuzuschreiben. diesen prozess haben sie für ihre arbeitsweise als „neustart“ - „restarting“ - umschrieben. woher entstammt dieser ansatz?

ich würde sagen, von meinen tschechischen wurzeln und der damit verbundenen liebe zum handwerk. während des kommunismus gab es fast kein (bau-)material, das man in kaufhäusern oder im handel kaufen konnte. man hat sich etwas aus verschiedenen gesammelten materialien zusammengebastelt. ein paradebeispiel aus dieser zeit sind die gewächshäuschen aus leeren gurkengläsern für den privaten tomatenanbau. nachdem man so an die 500 leere gläser zusammen hatte, machte man sich im garten mit mörtel und kelle an die arbeit.

aus diesem grundgedanken sind ja interessante gegenstände entstanden?

ja, beispielsweise die „stiefelvase“ („waterproof“): ein gewöhnlicher gummistiefel, der zur luxuriösen porzellanvase umfunktioniert wurde. ich wollte damit zeigen, dass jedes ding auch eine gegenteilige wirkungsweise hat: vorher, um das wasser abzuhalten, nun um das wasser zu sammeln. im alltag bemerkt man meist gar nicht, wie viel man im alltag vorgeschrieben bekommt. kommunismus ist ein gutes beispiel dafür.

ein weiteres beispiel ist die cola tasse (cola cup): als vorlage dazu diente mir die gewöhnliche coca cola-flasche, die ich an der unteren hälfte durchschnitten habe und daraus ein model aus porzellan anfertigte. besonders interessiert hat mich nach der revolution jener trend, sein essen, wie pizza, direkt aus der karton-verpackung zu konsumieren; oder suppenpulver mit heißem wasser zu vermischen und aus einem plastikbecher zu trinken.

ich wollte die fast-food kultur auf die traditionelle esskultur übertragen, in dem ich versucht habe, einen zusammenhang nachzuempfinden oder wiederherzustellen - wie an den genuss einer richtigen mahlzeit oder eines typischen sonntagsbraten zu erinnern. aus dieser idee habe ich auch gewöhnliche plastikbecher aus glas oder den allseits bekannten papierteller der würstchen von der bude aus porzellan entworfen.

sandra pfeifer
pool journal