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champagne for all!
für viele menschen ist champagner immer noch der inbegriff von luxus schlechthin. dabei ist es ein getränk für alle situationen und jede tageszeit. champagner ist ein echter spaßmacher, der gespräche beflügelt und die stimmung beschwingt.

wer heute ein glas – oder besser gleich eine flasche – champagner bestellt, wird sehr oft immer noch als protziger verschwender angesehen. champagner ist doch ein getränk für geburtstag, weihnachten oder den heiratsantrag, aber doch nicht für zwischendurch?

ich sehe das ganz anders. es gibt kaum ein getränk, das für „zwischendurch“ besser geeignet ist, als der edle schaumwein aus frankreich. kein anderes alkoholisches getränk verleiht derart viel schwung und gute laune wie champagner. egal, ob zum eleganten frühstück, zum leichten lunch, am späten nachmittag für sich alleine genossen, als aperitif vor einem feinen essen oder als digestif, um geist und körper wieder in schwung zu bringen.

doch was ist eigentlich das besondere an champagner? was stellt ihn über andere sprudelnde getränke wie sekt oder prosecco? ist cham–pagner wirklich besser? und kann man in anbetracht der tatsache, dass die preise für eine flasche champagner von knapp 20 bis weit über 200 euro reichen, überhaupt allgemein über die qualität von champagner sprechen?

ja, man kann. strenge ursprungsgesetze schützen die herstellungsart „méthode traditionnelle“ und die ursprungsbezeichnung „champagne“. diese gesetze sichern ein mindestmaß an qualität - zumindest 15 monate flaschenreife, meist 24 bis 38 monate - und ein ähnliches geschmacksbild (nur die rebsorten chardonnay, pinot noir und pinot meunier aus genau definierten lagen). außerdem sind die basis-champagner aller hersteller ein verschnitt verschiedener jahrgänge, womit ein über die jahre gleich bleibendes geschmacksbild garantiert ist. so schmeckt etwa eine flasche „veuve clicquot brut“ immer gleich - und immer gut, sofern sie nicht zu lange in einem regal herumgestanden ist.

denn obwohl es sich bei champagner, im gegensatz zu fast allen heimischen sekten, fast immer um gereifte weine handelt, sollten sie nach der verkorkung recht bald, also innerhalb eines jahres, getrunken werden. bewahrt man eine flasche champagner deutlich länger auf, lässt die spannkraft des korks nach. der wein verliert seine lebendigkeit und frische. auch edle jahrgangs-champagner, die erst viele jahre nach der ernte verkorkt werden, gewinnen durch weitere lagerung in der flasche nicht mehr. deshalb ist es auch ratsam, eine geschenkte flasche champagner - wenn schon nicht am gleichen abend - dann doch in den folgenden wochen zu trinken. auf eine passende gelegenheit zu warten und sie dann vielleicht jahre lang aufzuheben, ist eigentlich ein frevel. gelegenheiten, champagner zu trinken, gibt es - siehe oben - ja wirklich genug.

worauf ist noch zu achten? wenn man sich nicht in einer bar oder einem restaurant befindet, wo regelmäßig viel champagner getrunken wird, ist die glasweise bestellung immer riskant. gut gekühlt und wieder verschlossen bleibt champagner zwar ein paar stunden lang frisch, das letzte glas einer schon länger geöffneten flasche macht jedoch selten spaß. außerdem hat man bei einer ganzen flasche immer die garantie, dass man auch das bekommt, was man bezahlt. und nicht zuletzt macht eine schöne flasche, die im kühler am oder bei tisch steht, ja auch optisch etwas her. weil champagner, nicht zuletzt aufgrund der jahrhunderte-langen imagepflege, heute weltweit mehr denn je gefragt ist, ist es in den letzten jahren nicht nur zu einem anstieg der preise, sondern auch zu einem konzentrationsprozess der hersteller gekommen. so gehören heute etwa die marken veuve clicquot ponsardin, moët & chandon und sein wohl bekanntestes luxus-cuvée dom pérignon, krug und ruinart alle zum französischen luxus-konzern “lvmh”. hat dies der qualität der einzelnen marken geschadet? bis jetzt nicht, aber es ist natürlich immer eine persönliche frage, ob man das produkt eines großen konzerns oder lieber das eines kleineren hauses, das sich noch im familienbesitz befindet - etwa pol roger - kaufen will. es gibt übrigens noch hunderte kleinere, weit gehend unbekannte champagner-häuser, die sehr unterschiedliche qualitäten – von exzellent bis „geht so“ – produzieren. doch deren weine sind außerhalb frankreichs zumeist nicht oder nur sehr schwer erhältlich.

trotz der grundsätzlichen ähnlichkeit der produkte, hat jedes champagner-haus seinen eigenen stil. einige sind in ihrem geschmack besonders frisch und fruchtig, etwa piper heidsieck, roederer oder pol roger, laurent perrier. andere etwas molliger und vollmundiger, siehe ruinart, taittinger, pommery, billecart-salmon, deutz. wieder andere sind in der mitte dieser beiden stilrichtungen angesiedelt, etwa veuve clicquot, lanson, perrier-joüet. diese kategorisierung gilt natürlich nur für die basis-brut-cuvées, also jene gattung, von denen jedes haus jahr für jahr die meisten flaschen herstellt. daneben füllen manche hersteller noch ultra bruts (kein restzucker), sec (trocken), und demi sec (also halbsüß) und natürlich die exklusiven, und sehr teuren, jahrgangs-cuvées ab. außerdem wurden in den letzten jahren rosé-champagner immer beliebter, doch das ist eine andere geschichte.

zweifellos gibt es auch die eine oder andere gute flasche winzersekt (z.b. bründlmayer, schloss gobelsburg, steininger), den spanischen cava (z.b. gran juvé y camps) oder einen spritzigen spumante (z.b. bella vista, montenisa, ferrari), die nach der traditionellen champagner-methode hergestellt werden. im großen und ganzen liegen die qualitäten jedoch deutlich unter jenen der meisten champagner, wenngleich sich vor allem in der italienischen franciacorta – eines wegen des milden klimas und der besonderen böden idealen weinanbaugebietes der lombardei - in den letzten jahren im bereich der produktion nach der champagner–methode sehr viel getan hat. hier zeigt sich auch, dass man bei entsprechend aufwändiger produktion - lese mit der hand, jahre lange reifung in der flasche, ausschließlich chardonnay-trauben, geringe hektar-erträge - auch ansprechende qualitäten produzieren kann. diese raren top-produkte sind in der regel jedoch auch nicht wesentlich billiger als das original aus frankreich. andere sprudelnde alternativen wie etwa perlweine (prosecco) können mitunter zwar auch ganz gut munden, sie spielen jedoch ohne wenn und aber in einer anderen liga.

aufgrund der gleich bleibend hohen qualitäten, der großen tradition und eines stimmigen gebietsmarketings, boomt der champagner-absatz weltweit wie nie zuvor. in ländern wie österreich kommt vielleicht noch hinzu, dass viele konsumenten etwas „prosecco-müde“ geworden sind und zunehmend bereit sind, sich – so wie beim wein - ein gutes glas auch etwas kosten zu lassen. recht haben sie. champagner ist zwar etwas besonderes, genießen kann man ihn jedoch zu vielen anlässen. schließlich ist das leben zu kurz, um es mit mittelmäßigen schaumweinen zu verbringen!

wolf demar
pool journal