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jewellery against vampires
wer als mann nicht gerade rapper oder superstar ist, hat es immer noch schwer, außergewöhnlichen schmuck zu tragen. eine stilvolle uhr, ein ehering, maximal eine halskette werden beim mann gemeinhin akzeptiert. alle was darüber hinausgeht, erfordert nach wie vor eine gewisse portion mut. schmuck-designer tomasz donocik kennt diese (männlichen) anforderungen genau und findet mit seinen unkonventionellen produkten den goldenen mittelweg zwischen exzentrik und tragbarkeit.

der heute in london lebende, und in wien aufgewachsene designer tomasz donocik ist stets auf der suche nach neuen subtilen wegen, um männern individuellen schmuck vermitteln zu können. donocik möchte dem ästhetisch gesinnten mann kein schmuckstück „umhängen“ sondern viel mehr dessen persönlichkeit schmückend unterstreichen. dass ihm dies sehr gut gelingt, dokumentieren eine reihe internationaler auszeichnungen und design-awards. im nachfolgenden gespräch verrät er, wieso männer eigentlich mehr schmuck tragen sollten und wieso diamanten nie die besten freunde des „starken“ geschlechts sein werden.

lieber tomasz donocik, wann haben sie das erste mal über schmuck nachgedacht?

ich bin im jahr 2000 nach london gezogen, um am central saint martins college of art & design zu studieren. alles, was ich wusste, war, dass ich eine karriere im kunstbereich anstreben wollte. in meinem einführungskurs habe ich einige monate lang verschiedene fächer wie mode, graphik-, interaktions- und stoffdesign und eben auch schmuckdesign studiert. ich habe zu diesem zeitpunkt realisiert, dass schmuck das richtige medium für mich ist, entwickelt aus der kombination zeichnen, handarbeit und design. ich hatte vorher nie etwas mit schmuck zu tun, würde mich deshalb auch nur als ein designer bezeichnen, der sich auf schmuck spezialisiert hat. dies könnte auch der grund sein, weshalb einige meiner stücke völlig anders sind, als alles, was man sich eigentlich unter schmuck vorstellt.

was war das erste schmuckstück, das sie entworfen haben?

ich musste für den abschluss meines einführungskurses im jahr 2001 eine ganze kollektion entwerfen. sie basierte auf kinderängsten, also vampire, fledermäuse, teufel usw. daraus entstanden beispielsweise ein „käfig-ring“ mit einer echten knoblauchzehe, oder eine schlüssel-anhänger-box gefüllt mit kleinen silbernen kreuzen. schmuckstücke, um vampire und andere teuflische kreaturen zu bekämpfen. alles war sehr verspielt und vielleicht auch etwas albern, aber ich war 18 jahre alt und wollte einfach nur kreativ sein, mit materialien wie silber experimentieren.

welches würden sie als ihr aufwendigstes stück bezeichnen?

sicherlich der „chesterfield hunters armreif“. er ist sehr ikonisch, hat einen großen wiedererkennungswert und verbindet alle meine lieblingsrohstoffe: leder, gold und wertvolle steine. das steppen des leders ist sehr aufwendig und ist so eine art markenzeichen für mich geworden.

sie konzentrieren sich sehr stark auf männerschmuck, welcher immer noch ein sehr schwieriges thema ist. was halten sie persönlich von männlichem schmuck?

er ist ein sehr wichtiger teil von mir und meinem label. es gibt einfach zu wenig guten, und vor allem schönen männerschmuck. das ist sehr schade! die firmen, für die ich arbeite, schätzen es, dass ich über die stilistischen grenzen des männerschmucks hinausgehe. es gibt noch sehr viel spielraum für neue und innovative ideen in diesem bereich. ich finde auch interessant, dass männerschmuck von frauen getragen werden kann. das erinnert mich an den „ausdruck“ der jeans: die wirkungsweise hängt stets von der jeweiligen persönlichkeit ab!

sollten männer ihrer meinung nach mehr wert auf schmuck legen?

komischerweise waren es im 19. jahrhundert gerade männer, welche mehr schmuck als frauen getragen haben. in indien beispielsweise bunte halsketten, in der viktorianischen zeit in london liebten es männer, sich mit taschenuhren, broschen oder ringen zu schmücken. von meinem gefühl her ist diese historische tendenz jetzt wieder sehr stark im kommen. dies dokumentieren große schmuckhersteller wie de beers, stephen webster oder auch garrard, die bereits eigene männerkollektionen entwickelt haben. alles eindeutige zeichen für einen wachsenden markt.

sie haben den accessoires-preis „ykk“ beim renommierten talentwettbewerb „its#7“ in triest/italien gewonnen. was war das für ein gefühl?

es war unglaublich! ich habe viel zeit für die herstellung der produkte gebraucht und ebenso viel herzblut hineingesteckt, um die von mir gezeigten zipper und stopper zu entwickeln. dieser award bedeutet mir sehr viel, vor allem auch deshalb, weil all meine mühe und mein design-konzept damit anerkennung gefunden hat. zudem haben sich daraus wieder neue projekte entwickelt. gerade bin ich in verhandlungen mit its# bezüglich einer zukünftigen zusammenarbeit.

was war für sie bis jetzt ihre interessanteste zusammenarbeit?

sicherlich jene mit dem schmuckdesigner stephen webster. durch ihn konnte ich an der „burning rocks“-männerkollektion von de beers mitarbeiten, und nun auch für garrard entwerfen. dies ist eine gute möglichkeit, meine fähigkeiten als männerschmuckdesigner der schmuck- und designwelt vorzustellen.

kennen sie den spruch: „diamanten sind die besten freunde der frau“? könnte das auch für männer zutreffen?

ich kenne den spruch, aber ich bezweifle, dass man denselben auch für männer gebrauchen kann. männer wählen grundsätzlich steine, die „cool“ aussehen, wie etwa einen schwarzen grob geschliffenen diamanten. dies ist zwar auch ein diamant, aber ich glaube nicht, dass sie deshalb sofort beste freunde werden. „diamant“ klingt einfach zu wenig männlich.

patrick taschler
pool journal