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shared pleasure
bin ich glücklich? warum bin ich glücklich? gibt es eigentlich ein rezept, um glücklich zu sein? vielleicht viel schokolade, etwas honig darauf, um alles noch etwas mehr zu versüßen? einige werden bei diesen fragen nur lachen, andere mir wahrscheinlich sogar den vogel zeigen! aber versuchen sie beim nächsten freudvollen euphorieausbruch kurz inne zu halten und sich zu fragen: „wieso bin ich jetzt so fröhlich?“

vielleicht war es ein „ich-liebe-dich“-sms der geliebten, bei dem sie einfach nur schmetterlinge im bauch gefühlt haben oder die erinnerung an den sonnenuntergang beim urlaub in norwegen vor sechs jahren, bei dem gedanken daran sie sich immer noch frei wie ein vogel fühlen. oder auch die geburt der kleinen katharina, die ihnen immer noch freudentränen in die augen steigen lassen ... freudige momente können auf ganz unterschiedliche weise in unserem leben auftreten, plötzlich da und ebenso schnell wieder weg sein.

es gibt auch jene situationen, bei denen wir uns über die pannen anderer ergötzen und die schadensfreude die oberhand nimmt: sie haben sicherlich schon geschmunzelt, wenn jemand beim spaziergang in einen hundehaufen getreten ist und sich darüber ärgert, weil seine so schön polierten designer-schuhe so ganz und gar nicht mehr ästhetisch wirken. aber da lacht man zum glück meistens nicht über jemanden - sondern „mit“ jemandem. oder vielleicht auch nicht? man braucht diese missgeschicke anderer, um manchmal die eigenen lebenspannen etwas gelassener zu sehen.

darüber hinaus gibt es natürlich viel bessere gelegenheiten, um zusammen zu lachen und bei denen man freude und glück wirklich teilen kann: beim rubbeln eines glücksloses zum beispiel, wenn die wassermelonen, glocken und sparschweine in der richtigen reihenfolge erscheinen und ihr freund 1.000 euro gewonnen hat. dabei könnte aber natürlich auch eine prise neid ins spiel kommen. oder am großen tag, wenn die ehemalige sandkastenfreundin voller aufregung zum altar geführt wird. diese so genannte „mitfreude“ taucht erstmals, unter kritischer betrachtung des mitleids, beim philosophen friedrich nietzsche auf, der diese art der freude als eine wesentliche eigenschaft für ein friedliches, soziales zusammenleben beschreibt. dies ist, traue ich mich zu behaupten, eine wesentliche zutat für jenes rezept, das uns zum glück führt und somit zur menschlichen selbstverwirklichung.

schon der griechische philosoph epikur erkannte in der freude ein zentrales ziel des menschlichen lebens. und ich muss ihm damit sicherlich recht geben. es geht auch mir einfach viel besser, wenn ich glücklich bin, fröhliche momente mein leben erfüllen. momente, in denen ich alle anderen gedanken und sorgen rund um mich – und sei es nur für einen kleinen augenblick – vergessen kann, die welt für mich zu diesem zeitpunkt in ordnung erscheint. harmonie und freude schaffen, zumindest für das eigene, kleine universum!

patrick taschler
pool journal