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once upon a time ...
trotz grenzöffnung ist die urbane modeszene in osteuropa nach wie vor vom westen nahezu unentdeckt geblieben. häufig wird sie auch unterschätzt. das ist sehr schade, gerade wenn man sich die innovative kraft und aussage von avantgarde-marken wie beispielsweise rozalb de mura aus rumänien ansieht.

olah gyarfas lebt und arbeitet in einem kleinen bergdorf in den karpaten im rumänischen transsilvanien. dort, wo der überlieferung nach der blutrünstige graf dracula gelebt haben soll, die gebirgige landschaft sehr rau, die gegend nur sehr schwach besiedelt ist, und in den wäldern viel ruhe und einsamkeit vorherrscht. die herbst- und wintermonate können hier sehr lange kalt und ungemütlich sein. in solch einer umgebung voll natur und ursprung lässt es sich gut träumen, können mystische geschichten gedeihen und der himmel voller farben und silhouetten ausgemalt werden.

die bezeichung „rozalb de mura“ war für olah gyarfas die ideale definition und umschreibung für seine modemarke, die all diese einflüsse und stimmungen aus der landschaft der karpaten in sich vereint. rozalb de mura sollte eine art mystischer, anachronistischer baron sein, beseelt von einem außergewöhnlichen stilverständnis und einer hohen leidenschaft für kunst, musik, natur und wissenschaft. ein reisender zwischen zeit und raum.

im kern der aussage des im jahr 2005 gegründeten avantgarde-labels für damen und herren geht es deshalb nicht nur alleine um mode an sich sondern immer auch um eine anregende geschichte, die das fundament und die inspiration für die jeweilige kollektion bildet. der anspruch des designers olah gyarfas und seinem team liegt dabei einerseits bei herausragenden minimalistischen silhouetten, die sich im mix zwischen maskulinen und femininen elementen und details bewegen, und andererseits bei der verknüpfung mit künstlerischen elementen, vor allem mit jenen der visual art und der anspruchsvollen musik. für gyarfas verschwimmen die grenzen zwischen mode, kunst und design zusehends, avancieren zu einer neuen form der persönlichkeitsdarstellung.

der live-präsentation kommt deshalb eine entscheidende rolle zu, da hier atmosphäre und aussagekraft der kollektionen dem publikum besonders nahe gebracht werden können.

als multidisziplinäre plattform für kreative künstler in rumänien definiert sich auch der rozalb de mura-store in der hauptstadt bukarest. der store in der historischen altstadt wurde im jahr 2007 eröffnet und hat sich seitdem zu einer wichtigen anlaufstelle für rumänische mode und kunst entwickelt. junge mode-designer, musiker, autoren und sonstigen kreativ schaffenden wird hier die möglichkeit geboten, sich untereinander auszutauschen, zu unterstützen und ihre werke vor ort zu präsentieren. so finden laufend temporäre ausstellungen statt, zwei mal pro jahr wandelt sich der store thematisch, wird eine „neue geschichte“ inszeniert. der store ist ein lichtblick für die kleine, aber durchaus dynamische kreativszene in rumänien, die mangels infrastruktur wenig präsentationsflächen in dem ex-kommunistischen land vorfindet.

auch in der aktuellen herbst/winter-kollektion für damen und herren geht es um eine geschichte – titel: „the thing“. leitfaden dabei ist die „ewige farbe“ schwarz. schwarz in allen (mystischen) tiefen und schattierungen, auf unterschiedlichsten materialien und musterungen umgesetzt. auch funktion, details und „schutz“ in bezug auf das raue klima in den wäldern der karpaten spielen eine große rolle in der modischen ausrichtung. im zuge der kreation dieser kollektion ist es auch zu einer kollaboration mit dem englischen künstler tobias stenberg und der finnischen tänzerin und choreographin virpi pahkinen gekommen, woraus auch ein film entstehen soll.

dass die „modischen geschichten“ von rozalb de mura durchaus auch international auf fruchtbaren boden fallen, dokumentieren erfolgreiche auftritte bei mode-veranstaltungen in wien, stockholm, paris oder berlin. die kundenliste hat sich mittlerweile schon auf städte in amerika und asien ausgeweitet. „es war einmal ... in den karpaten“. eine geschichte, die sicher noch viele fortsetzungen finden wird.

helmut wolf
pool journal