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häufig gestellte fragen

was bedeute luxus für sie?

alles, was dem alltag ein glanzlicht aufsetzt, was mir lebensfreude schenkt. das kann eine handtasche sein, die ich wie einen talisman brauche; das kann eine besonders geliebte lederjacke sein, die wie ein treuer freund alles mitmacht. aber luxus muss nicht teuer sein. der größte luxus ist vielleicht, tag für tag ausreichend gutes, reines wasser zur verfügung zu haben. wirken kann jede art von luxus nur, wenn ich mir immer wieder sage: was für ein genuss!

ihr liebstes kleidungsstück?

eines das mich liebt. das mich rund um die uhr streichelt und alles mitmacht. kurz: einer meiner pullover.

wofür nehmen sie sich viel zeit?

um über zeit nachzudenken.

was inspiriert sie besonders?

das unerwartete.

what a pleasure
leise, behutsam sein und dennoch eine starke aussagekraft erzielen. eine „stilform“, die nicht viele markenunternehmen beherrschen. gerade im oft sehr lauten luxus-modegenre. die modemarke strenesse meistert dies - mit erfolg. subtile qualität und herzensleidenschaft an den tag legen ist genau jene note, die der philosophie von strenesse entspricht und in erster linie auf kreativdirektorin gabriele strehle zurückzuführen ist.

gabriele strehle mag es nicht laut. nicht im leben, und auch nicht in der mode. als kreative leiterin von strenesse hat sie das deutsche luxus–modehaus mit „ruhiger hand“ zu einer weltmarke geführt. wer die subtilen, klaren linien der produkte aus dem portfolio des strenesse-sortiments betrachtet, wird sofort die große liebe und hingabe für die qualitative verarbeitung und schnittform für die kleidungsstücke erkennen. luxus spüren, aber ohne eitelkeit, lautet das credo. schlicht, aber nicht einfältig sein, so die stilbotschaft. wie eine „zweite haut“ schmiegen sich die hemden, hosen, mäntel & co. an den körper, verleihen dem träger würde, ohne abgehoben zu erscheinen. „authentisch ist der, der sich in seiner haut wohl fühlt.“

im nachfolgenden gespräch mit pool spricht gabriele strehle über die oberflächlichkeit der mode und über die natur. sie plädiert dafür, die welt ein leben lang mit kinderaugen zu betrachten.

liebe gabriele strehle, gibt es etwas in ihrer kindheit, woran sie sich besonders gerne erinnern?

an geschmäcker und gerüche. das mandelaroma der frischen butter aus vaters molkerei. oder der geschmack des frischgebackenen hefezopfs meiner mutter. der geruch frisch gemähter wiesen und gestärkter leinenbettwäsche. der duft des allgäus, wo ich herkomme ...

glauben sie, dass die kindheit uns ein leben lang prägt, in dem, was wir tun und wie wir es tun?

die hirnforschung bestätigt, was wir ja eigentlich wissen: gelöscht werden kann nichts. ich glaube, dass im positiven sinn die geborgenheit der kindheit eine wunderbare reserve ist, aus der wir uns ein leben lang bedienen können. ich habe das glück, über diesen vorrat zu verfügen. umgekehrt gibt es grandiose beispiele von menschen, die alles, was sich ihnen in ihrer kindheit in den weg gestellt hat, überwunden haben. ob das ein prügelnder vater oder eine trunksüchtige mutter war oder einfach lieblosigkeit und kälte. und sie beziehen aus dem überwinden dieser hindernisse eine ungeheure kraft.

sie haben einmal in einem interview gesagt, dass sie neben der ordnung in ihrem leben „das unaufgeräumte eines kindes“ brauchen. was können wir erwachsene von kindern noch lernen?

das unvoreingenommene. schauen sie bilder an, die kinder malen, bevor sie in die schule kommen: die haben kraft, tiefe, symbolik, wie ein werk von picasso. „man muss die welt ein leben lang mit kinderaugen sehen!“, hat matisse gesagt. das heißt: offen sein für alles.

natürlichkeit ist eine beliebte eigenschaft. trotzdem fällt es vielen menschen schwer, natürlich zu sein. woran liegt das ihrer ansicht nach?

am perfektionswahn und der dadurch bedingten unsicherheit. wer sich wie einst romy schneider traut, ungeschminkt in einer tv-talkshow aufzutreten und ganz so zu sein, wie er ist, braucht zutrauen zu sich selbst und mut. die manipulierten bilder spiegeln den menschen heute ein schönheitsideal vor, das mit der wirklichkeit nichts zu tun hat. es gibt so viele menschen, die gar nicht wissen, wie schön sie auf ihre weise sind, äußerlich wie innerlich.

lieben sie die natur?

ich fürchte sie und ich liebe sie. ich fürchte die macht, mit der sie sich für alles rächt, was wir ihr antun. und ich liebe ihre vollkommenheit, die mich immer wieder andächtig macht. ob ich die geniale “verpackung” eines hühnereis anschaue, in einem film sehe, wie ein schmetterling aus dem kokon schlüpft oder einfach einen sonnenaufgang erlebe.

mode ist schnelllebig, plakativ und oberflächlich geworden. meinen sie, dass ruhige, unaufdringliche, zeitlose stilelemente überhaupt noch bestand haben in zukunft?

es hat immer schnelllebige, plakative und oberflächliche mode gegeben. und andere. was zeitlos ist und das zeug zum klassiker hat, das entscheiden nicht wir modemacher, das entscheiden die menschen von morgen. das funktioniert genauso wie in der literatur und der architektur, in der kunst oder der musik.

was fasziniert sie daran, kleidung zu gestalten?

mode gestalten heißt gegenwart gestalten. gibt es etwas aufregenderes?

haben sie ein leitbild, einen bestimmten typ vor augen, wenn sie kreativ arbeiten?

einen menschen mit charakter, der meine kleider trägt und nicht von ihnen getragen werden muss.

wollen sie der welt und den menschen schönheit durch stil und qualität näher bringen?

stil und qualitätsbewusstsein kann jeder nur für sich selber entwickeln. und das ist gut so. ich liefere das material dazu, die anregung.

was verstehen sie unter schönheit?

etwas, das überzeugt, weil es stimmig ist. das heißt nicht, dass daran alles stimmen muss. im gegenteil. schönheit kann brüche haben, braucht dies vielleicht sogar.

um mit kleidung die herzen der käufer zu erreichen muss man sich gut einfühlen können in die wünsche der zeitgenossen. wie erfahren sie von den sehnsüchten, die sich menschen heute mit kleidung erfüllen möchten?

ich beobachte sie.

gibt es ein lebensziel, das sie erreichen wollen oder ist der weg das ziel?

haltung zu wahren, egal was passiert.

helmut wolf
pool journal