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the beautiful and the sad
design der zukunft muss nicht zwangsläufig modern sein, betont der französische designer christian ghion, dessen arbeiten bei renommierten interieur- und design-marken wie cappellini oder sawaya & moroni sowie im georges pompidou museum und der fondation cartier in paris zu bewundern sind.

für den multidisziplinären designer christian ghion gelten vor allem die kulturgüter der alten ägypter und griechen sowohl als zeitlos als auch zukunftsorientiert. welche bedeutung für ihn design ganz grundsätzlich hat und warum ihm speziell die vase so am herzen liegt, hat uns der französische designer im rahmen seiner jury-tätigkeit beim „nespresso design contest 2008“ erzählt.

was war ihre intention designer zu werden? gab es prägende erlebnisse in der kindheit oder haben sie das geplant?

nein, überhaupt nicht. nachdem ich die schule beendet hatte, beschloss ich an der universität jura zu studieren, einfach aus dem grund, weil ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte. ich dachte, es wäre schön, architekt zu werden. die leute rieten mir jedoch davon ab: es sei kein guter job, ich würde nie geld verdienen und es sei sehr schwierig, einen guten auftrag zu bekommen. also entschied ich mich vorerst, rechtswissenschaften zu studieren. nach fünf jahren beschloss ich als auktionator zu arbeiten. ich versteigerte alte möbel. im laufe der zeit interessierten mich möbel viel mehr als die rechtswissenschaft – und so ging ich im alter von 24 jahren noch einmal zur schule. diesmal studierte ich design, nach drei jahren schloss ich die ausbildung ab. ich war 27 als ich zu arbeiten begann. anfangs war es etwas schwierig, aber es lief mit der zeit immer besser - und so bin ich designer geworden.

wie gestaltet sich eigentlich ihr arbeitsprozess? entstehen ideen eher spontan oder bedarf es da einer langen planung?

es kommt darauf an, was ich entwerfe. wenn es sich um design handelt, im sinne von möbeldesign, objektdesign, geschieht dies eher spontan. wenn ich aber ein restaurant entwerfe, muss ich viele details in die planung mit einbeziehen.

was hat für sie am meisten bedeutung? die vergangenheit, die gegenwart oder die zukunft?

ich denke, die gegenwart ist für mich am wichtigsten. ich möchte nicht wissen, was in der zukunft sein wird! viele designer glauben, dass sie für die zukunft denken müssen. ich möchte nicht für die zukunft planen, sondern für die gegenwart. ich bevorzuge es, dinge, die in der vergangenheit passiert sind, zu betrachten. der designer philippe starck hat einmal gesagt: „nur die zukunft ist der richtige weg.“ ich glaube aber, dass es nicht möglich ist, den weg in die zukunft zu gehen, wenn man nicht die gegenwart beachtet. manchmal habe ich angst davor, wenn ich sehe, was designer so inszenieren. ich nenne das dann immer eine „dramatische situation“. ich verweigere zum beispiel futuristisch anmutende dinge zu entwerfen, die aussehen wie cockpits mit badezimmer und toilette. für mich ist das nicht die zukunft, für mich ist das negativ.

die zukunft muss nicht total modern sein. im gegenteil. ich bevorzuge manchmal lieber den stil vergangener zeiten, entwarf so viele restaurants weltweit. als der besitzer eines restaurants in frankreich meinte: „christian, lass bitte die servietten weg, es soll modern sein“, sagte ich: „bitte nicht”. wenn ich in ein restaurant gehe, möchte ich ein tischtuch, ein schönes glas und klassische dinge dieser art vorfinden. in diesem fall vermeide ich es ganz bewusst modern zu sein. da könnte man dann auch gleich einen plastikbecher hinstellen oder ähnlich „schlechte dinge“, wie ich diese nenne ... ich versuche, kleine, feine elemente und details zu bewahren. für mich ist das teil unserer kultur heutzutage. es hat immerhin eine lange zeit gedauert, bis sich diese dinge zu unserem kulturgut entwickelt haben. dabei denke ich speziell an die kultur der alten ägypter oder griechen. dies waren wichtige perioden der menschheit, die dazu beitrugen, dass wir intelligenter und gebildeter wurden.

sie kreieren die objekte nicht für die zukunft, möchten aber durchaus die gegenwart verändern?

natürlich arbeite ich auch für die zukunft, auch wenn ich für die gegenwart entwerfe. für mich sind in diesem fall gegenwart und zukunft dasselbe. in dem sinn, dass die zukunft sehr nahe an der gegenwart liegt. ich gehe nur nicht darauf ein, was die menschen in fünf jahren mögen könnten oder was ich für diese zeit kreieren könnte. das finde ich lächerlich. ich versuche mit meinen objekten die gegenwart zu verändern. möchte aber nicht etwas verändern, nur um des veränderns wegen. ich meine, wenn man etwas produziert, das nicht besser ist als das bisherige, ist es besser, es zum verschwinden zu bringen. ich möchte keinen neuen stil, neue moderne dinge sehen, wenn diese nicht besser sind als jene von heute.

welches objekt, welches ding in ihrem leben bereitet ihnen am meisten freude?

ich liebe kleine objekte, liebe design. ich bin zum beispiel verrückt nach vasen. ich habe eine riesige sammlung an vasen. die vase ist mein liebstes objekt im bereich design. ich liebe es, vasen zu entwerfen, egal, ob aus glas oder einem anderen material. ich erkläre den grund dafür: für mich ist eine vase vorerst ein totes objekt. wenn ich mich an meine kindheit zurückerinnere, denke ich an meine großmutter. sie hat die vasen immer im kasten versteckt. sie kamen nur dann zum vorschein, wenn sie blumen geschenkt bekam. ich denke aber, dass dieses objekt sichtbar sein sollte. ich möchte, dass eine vase etwas besonderes ist, etwas interessantes - egal ob leer oder mit wasser gefüllt. ich möchte nicht, dass sie versteckt wird. für mich ist es sehr interessant an einem objekt zu arbeiten, dass eigentlich keine verwendung hat, wenn es nicht mit blumen gefüllt ist. ich möchte es umwandeln, dass eine vase auch alleine wirken kann – wie eine kleine skulptur.

ein weiterer grund, warum ich vasen so liebe, ist, dass sie ein sarg für blumen sind. sobald eine blume gepflückt wird, ist es vorausbestimmt, dass sie innerhalb weniger tage sterben wird. so gesehen ist die vase die letzte ruhestätte für blumen.

ein sehr schöner gedanke ...

... dieses nebeneinander von etwas sehr schönem, wie einer blühenden blume, und gleichzeitig etwas sehr traurigem, dem tod der blume, finde ich faszinierend. ich mag die idee, dass ich das begräbnis der blume vorbereite - daher ist die vase mein liebstes objekt.

was sind ihre hoffnungen, ihre wünsche, ihre träume für die zukunft?

vor ein paar jahren war es zum beispiel ein traum von mir, ein restaurant zu entwerfen, was schließlich auch geschah. durch diese erfahrung lernte ich sehr viel. nun wäre es ein traum von mir, ein hotel zu kreieren. kein großes hotel. für mich wäre es perfekt, an einem kleinen, privaten hotel in paris zu arbeiten, mit nicht mehr als dreißig, vierzig zimmern ...

welche bedeutung hat design für sie zum jetzigen zeitpunkt und wie glauben sie, wird es sich verändern?

design ist sehr wichtig und gleichzeitig unwichtig. wenn mich zum beispiel jemand fragen würde, ob ich mich als künstler sehe, würde ich das verneinen. und wenn ich ein künstler wäre – im französischen „artist variété“ – wäre ich ein popsänger, nicht mehr. manchmal versuche ich mir vorzustellen, dass es wichtig ist. gleichzeitig ist es aber so, dass wenn es design nicht geben würde, die welt nicht untergehen würde. es gibt so viele wichtigere dinge. design ist wie die kirsche am kuchen und nicht der kuchen selbst. dieser tatsache sollten wir uns bewusst sein ...

wie kam es dazu, dass sie als jurymitglied für den „nespresso design contest“ tätig waren?

ich lernte das nespresso-team vor einigen monaten kennen. sie traten an mich heran, um an der jury teilzunehmen. in der jury zu sein beinhaltete zwei tage aufenthalt in paris, und dies war wirklich sehr interessant. nun baten sie mich, das design für die neuen kapseln und sämtliches zubehör für den kaffee zu entwerfen - sozusagen eine fruchtbare bekanntschaft. ich mag das nespresso-team; natürlich möchten sie immer mehr nespresso-maschinen verkaufen ... aber sie machen ihren job perfekt, sind sehr offen für neues. es hat wirklich großen spaß gemacht, dabei mitgewirkt zu haben.

interview: laura ari
pool journal