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nicht nur anhänger der legendären „herbie“-filme waren traurig, als der volkswagen käfer im jahre 2003 in mexiko das letzte mal gebaut wurde. für viele menschen auf der ganzen welt war dieses fast 22 millionen mal verkaufte auto mit der käfersilhouette weit mehr als bloß ein fahrbarer untersatz. der käfer verkörperte ein jugendliches lebensgefühl. mit der lancierung des zeitgemäß adaptierten new beetle vor einigen jahren, wurde ein ebenbürtiger, dynamischer nachfolger gefunden, der die vielen sympathisch-runden design-elemente weiter leben lässt.

„it looks like a beetle!“, war die eher spöttisch gedachte beschreibung des new york times-journalisten bei der erstvorstellung des von ferdinand porsche konstruierten „volkswagens“ im jahre 1934. der originelle spitzname wurde dem charakter des ursprünglich als „einfachen gebrauchswagen für das volk“ entwickelten autos jedoch durchaus gerecht. im laufe der jahrzehnte sollte sich aus dem als unverwüstlich geltenden volkswagen schließlich ein mythos, ein kultauto entwickeln. das kugelförmige design des autos diente als vorbild und inspiration vieler künstler, film- und musikschaffenden in den 1960er- und 1970er-jahren. es war auch in den siebziger jahren des vorigen jahrhunderts, als der spitzname „käfer“ schließlich mit langer verspätung auch als „offizielle“ namensbezeichnung vom unternehmen volkswagen anerkannt wurde.

fast siebzig jahre „lebte“ und bewegte sich der vw käfer auf der ganzen welt, ob als jugendlich bemaltes pop-art-auto, als aufgetuntes motorsport-vehikel oder als buntes taxi in mexiko. vor rund fünf jahren segnete der käfer schließlich das zeitliche, in erster linie wegen strengerer abgasvorschriften, die der legendäre boxermotor nicht mehr erfüllen konnte. natürlich wollte man diese große lücke sehr schnell und mit einem adäquaten nachfolger füllen. die vorarbeiten für einen „new beetle“ begannen deshalb schon anfang der 1990er jahre. ausgangspunkt der neuen käfer-konzeption war ein vom volkswagen-konzern eigens eingerichtetes designstudio in kalifornien in den usa. der käfer feierte vor allem in amerika große erfolge, von hier sollte dementsprechend ein zeitgemäßes, modernes modell für amerika, in weiterer folge für den zukünftigen weltmarkt, entwickelt werden.

der prototyp des neuen modells erblickte im jahre 1994 auf der „north american motor show“ in detroit das licht der welt - erstmals unter der bezeichnung „concept 1-käfer“. viele charakteristische formen wurden vom alten modell übernommen und in eine moderne, zeitgemäße form gebracht. die abgerundete fronthaube, das runde dach, die kotflügel, die großen, runden frontscheinwerfer oder die großen runden rückenleuchten des „mexiko-käfers“ avancierten auch bei diesem neuen beetle zu basiselementen. ebenso im innenraum lebte der „alte käfer“ weiter. nunmehr ging es aber weit geräumiger und komfortabler zu, mit großer innenraumhöhe und hoher sitzposition. auch das einzige, große rundinstrument mit tankanzeige, drehzahlmesser etc. fand seinen platz. im vergleich zum vorgänger-käfer besticht das neue modell durch eine hochmoderne, umweltfreundliche technik, die allen zeitgemäßen ansprüchen bestens stand hält. die begeisterung der öffentlichkeit – ebenso die überraschung beim damaligen vw-vorstandsvorsitzenden ferdinand piëch - war riesengroß. nicht nur amerika, die ganze welt feierte plötzlich die geburt des „new beetle“ und löste damit eine enorm hohe erwartungshaltung beim deutschen unternehmen aus. in kurzer zeit gab es bereits über eine million kaufinteressenten. „aus dem anfänglichen spaß als konzeptauto ist ernst geworden.“, betonte piëch schließlich die entscheidung, diese modernisierte art des käfers für die serienproduktion fit zu machen.

das jahr 1998 gilt als öffentliche geburtsstunde des „new beetle“. im herbst diesen jahres wurde die internationale version am pariser automobilsalon, in amerika bereits im frühjahr auf der detroit motor show, vorgestellt. „eine legende wird wieder lebendig!“, lautete der tenor vieler amerikanischer kommentatoren. dies sahen auch viele internationale konsumenten so und bescherten dem neuen käfer einen großen erfolg. unverwechselbar blieb auch weiterhin die linienführung der karosserie, deren optik im jahr 2006 leicht „geschärft“ wurde. mit neuen leuchten, verfeinerten konturen und einer frischen farbpalette wollte man das erscheinungsbild des beetles auf den straßen dieser welt noch prägnanter machen. insgesamt 15 farben werden mittlerweile angeboten, neue stoffdesigns im inneren des autos sorgen für optische abwechslung beim fahrer. die rundliche grundform des klassischen käfers bleibt weiterhin erhalten: das zur kuppel gewölbte dach, die heckpartie, der runde bug, die eingebettet runden scheinwerfer und heckleuchten, alles visuelle merkmale, die erinnerungen an den ur-käfer wach werden lassen.

wie hoch die design-qualität des new beetle angelegt ist, dokumentieren auch einige internationale auszeichnungen, wie beispielsweise der erste preis für das „design des jahrzehnts“ von der industrial society of america (idsa). wie schon beim historischen käfer bietet natürlich auch der neue käfer eine schwungvolle cabriolet-version an. das typisch hinten aufliegende verdeck in der linienführung lässt dabei ebenso parallelen zum „old school-käfer“ erkennen. ob cabriolet oder normalversion, der new beetle gehört mit sicherheit zu jenen autos, die es schaffen, ein dynamisches wie auch zeitloses statement zu setzen. für klassik-fans und avantgardisten gleichermaßen interessant!

helmut wolf
pool journal