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organic beauty
petrochemische stoffe, mineralöl, synthetische konservierungsmittel, düfte und bindemittel, pestizide, herbizide, rückstände aus düngemittel … ade! die kosmetikindustrie setzt zukünftig auf das zauberwort „organisch“.

unser bewusstsein und die art, unsere umgebung wahrzunehmen, hat sich in den letzten jahren radikal verändert und sensibilisiert. in erster linie geht es um globale auswirkungen, die uns immer stärker, immer direkter treffen. spätestens seit dem rinderwahnsinn möchte jeder mensch wissen, woher sein rinderschnitzel stammt. seit der vogelgrippe darf das grillhuhn auch nur noch vom zertifizierten vertrauens-bauer kommen. und seit uns videos von pelztierhaltungen und umweltkatastrophen auf internetplattformen wie youtube die augen geöffnet haben, überprüfen wir die etiketten unserer kleider genauestens auf die herkunft der materialien. es ist uns zunehmend wichtiger geworden, nicht nur beim essen und bei der bekleidung auf „political correctness“ zu achten, sondern auch bei der pflege und der kosmetik.

die industrie hat nicht lange damit gewartet, ihre trendscouts loszuschicken. diese haben die situation erkannt. nach organischer baumwolle für t-shirts und organischem matze-brot für das jüdische passahfest, wird nun auch bei der kosmetikindustrie der fokus auf organische materialien gelegt. wer nun organisch mit natürlich gleichsetzt liegt aber falsch! jene verpackungen, von denen aus uns das wörtchen „naturprodukt“ aus den regalen anlächelt, versprechen oft mehr als sie halten. denn um als naturkosmetik zu gelten, reicht lediglich 1 % an organischen inhaltsstoffen. die restlichen zutaten können problemlos unter einsatz von pestiziden, herbiziden und düngemittel erzeugt werden. ist das sozusagen schon fast betrug?

worauf wir achten sollten, ist das wörtchen „organisch“. mit diesem zusatz dürfen nur pflegeprodukte bezeichnet werden, die mehr als 95 % reine organische inhaltsstoffe enthalten. das heißt: hier wurde auf rein natürliche weise ohne benützung von synthetischen mitteln oder herbiziden, pestiziden und vielem mehr produziert. wichtig für die wirksamkeit dieser produkte ist nicht nur, was im produkt steckt, sondern auch, was nicht darin steckt!

als vorreiter in der herstellung von „wirklichen“ naturprodukten gilt der deutsche chemiker und naturwissenschaftler rudolf hauschka. dieser hat bereits 1929 an einem verfahren zur herstellung von arzneimitteln auf natürlicher basis gearbeitet. dabei konzentrierte er sich ganz auf die naturrhythmen und den natürlichen, polaren wechsel: hell und dunkel, warm und kalt, bewegung und ruhe wurden hierbei in das extraktionsverfahren der heilpflanzen mit eingebunden. damit konnte er dem zersetzungsprozess entgegen wirken und vor allem ohne zusatz von konservierungsstoffen arbeiten. eine bahnbrechende forschungsarbeit! 1962 entschied sich hauschka für die gesundheit unseres größten organs: der haut. zusammen mit der wiener kosmetologin elisabeth sigmund entwickelte er dabei die so genannte „wala“-kosmetik, welche heute als „dr. hauschka kosmetik“ viele hauttypen auf der ganzen welt pflegt und erfreut. inhaltsstoffe wie damaszener rosenöl, quittenextrakt oder auch jojobawachs stammen aus den eigenen biologisch-dynamischen gärten, von deutschlands schwäbischer alp über burkina faso in westafrika bis nach bulgarien. „die qualität des produkts“ steht in allen schritten und entwicklungsstufen bei dr. hauschka über allem. mitarbeiter mit schnupfen dürfen beispielsweise nicht in die nähe der inhaltsstoffe.

auch alexander ehrmann und martin rohla, inhaber der wiener „saint charles apotheke“, propagieren den „natürlichen umgang“ mit der haut. dafür haben die beiden im jahr 2007 eigens einen so genannten „cosmothecary-laden“ eröffnet, eine art „tempel“ für anbeter von rein organischen produkten. „wer seine haut als komplexes organ sieht, wird sich nicht länger von übertriebenen anti-aging- oder anti-pickel-werbekampagnen blenden lassen. man wird mehr und mehr auf umweltverschmutzende bedingungen bei der herstellung von kosmetika achten“, betont daniel matt, aromatherapeut bei saint charles. neben der hauseigenen „saint cosmetics“-pflegeserie, werden zudem noch edle kosmetikprodukte, beispielsweise der marken „ren” oder auch „the organic pharmacy” angeboten. für spezielle fälle oder auch besonders anspruchsvolle kunden stellt daniel matt auch individuelle hautrezepturen zusammen, die bereits mehrfach als „skin-couture“ bezeichnet wurden.

durch das lesen von dr. samuel epsteins artikel „cancer alert for toiletries and cosmetics“ über die gefahren von chemischen inhaltsstoffen in der modernen körperpflege, wurde die homöopathin margo marrone auf den mangel von organischen pflegeprodukten aufmerksam. marrone gründete nach jahrelangen versuchen - sie verbrachte ihre zeit ausschließlich damit, cremes und seren für ihre familie und freunde herzustellen – schließlich vor einigen jahren „the organic pharmacy“. in der londoner kings road eröffnete sie im jahr 2002 die türen zu einer ästhetischen kombination aus apotheke, beauty-store und day spa - mit 100 % „luxuriös-organischen“ produkten. als credo ließ die homöopathin marrone ausrufen: „sei grün, aber immer glamourös!“ ein motto, welches auch prominente kunden wie claudia schiffer, madonna oder auch robbie williams zu teilen scheinen. jedenfalls gelten eine reihe von gut begüteten celebrities als begeisterte anhänger der organic pharmacy-produkte.

ein weiteres aushängeschild organischer kosmetik ist auch die britische designerin stella mccartney. schon für ihre modekollektionen benutzt die engagierte ökoaktivistin mccartney nur ökologische materialien und verzichtet dabei völlig auf leder und pelz, ohne dabei den luxuriösen ansatz aus den augen zu verlieren. für ihre auf rein organische inhaltstoffe basierende pflegeserie „care“ wirbt die tochter des ex-beatle paul mccartney mit einem nackten model, das ein schaf im arm hält und dem spruch: „um ihrer haut alles zu geben, was sie braucht und nichts, was sie nicht braucht!“.

die organische kosmetik sieht einer rosigen, wenn nicht goldenen zukunft entgegen. die experten prophezeien ein jährliches marktwachstum von mindestens 20 %. dem muss man wohl glauben schenken oder wie es daniel matt von der saint charles-apotheke pointiert umschreibt: „wer will sich wohl bei all den informationen, die jeder inzwischen hat, weiterhin täglich eine portion fast food auf die haut schmieren.“ wie wahr!

patrick taschler
pool journal