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illustration: katharina berndt / durchdiebank.de
going round in circles
ein einsamer mensch zieht sich immer mehr zurück. wird immer mürrischer. die folge: er wirkt auf andere menschen unnahbar, menschenfeindlich. die mitmenschen schließlich ziehen sich ebenfalls vor ihm zurück. die konsequenz ist noch mehr einsamkeit, er wird noch mürrischer, da sich anscheinend keiner mehr um ihn kümmert und …

wohl jeder von uns hat solche begebenheiten schon einmal gehört oder gelesen. es handelt sich hier um eine klassische zwickmühle, einen circulus vitiosus – was übersetzt „fehlerhafter kreis“ heißt - im volksmund besser bekannt als teufelskreis.

und wer hat sich nicht schon einmal im kreis gedreht. hat sich gedacht, keinen ausweg zu finden? in der liebe, in der arbeit, bei der wohnungssuche ... sozusagen: eine wohnung bekomme ich nur, wenn ich eine arbeit habe und die miete bezahlen kann. aber um eine arbeitsstelle zu bekommen, brauche ich einen festen wohnsitz und somit wieder eine wohnung. oder auch beim abnehmen: um abzunehmen zu können, müsste man weniger essen, sport betreiben. aber gegessen wird oft aus frust, weil man mit sich unzufrieden ist, für den eigenen körper schämt, was wiederum dazu führt, dass man nirgendwo sport machen möchte, wo andere menschen den eigenen körper sehen. die pure hilflosigkeit! schon beim lesen dieser zeilen wird einem ganz schwindelig.

aber zum glück gibt es auch auswege! und es ist möglich, teufelskreise zu durchbrechen, auch wenn es schwierig ist und manchmal die situation aussichtslos wirkt. es liegt eben oft an einem selbst. man muss es in die hand nehmen. stark sein! aufgeregtes reisefieber kann nur besiegt werden, wer seinen ganzen mut sammelt und verreist. die ersten male wird es die hölle sein, irgendwann ist man dann schon im fegefeuer und sobald das schöne am reisen, an der welt entdeckt wird, glaubt man im siebten himmel zu schweben ... und steckt dann am ende auch schon im nächsten teufelskreis fest. ob sie es glauben oder nicht: das reisen wird zur sucht und um zu reisen, braucht es viel zeit und vor allem geld. und um das geld dafür zu verdienen, muss man viel arbeiten und dies wiederum nimmt viel zeit in anspruch und somit bleibt nicht genug zeit, um zu verreisen. zumindest nicht für mehrere monate. aber das ist wohl das kleinere übel. dann muß eben die reise besser geplant werden.

aber gibt es auch positive teufelskreise? wird in dieser welt nicht dem bösen immer ein gutes entgegengesetzt? die antworte ist „ja“. und wie könnten sie denn besser und sanfter umschrieben werden als mit „engelskreise“. dabei verleihen – oder sollten sie es zumindest – die wirkungen der verschiedenen faktoren im wahrsten sinne des wortes flügel. es geht besser, es kommt zu einer heilung. denken wir beispielsweise an das verhältnis arbeitgeber und arbeitnehmer: wenn der chef kommt, die arbeit lobt und schätzt, die jemand gemacht hat, dann motiviert das, dann wird noch mehr leistung erbracht, was sich wiederum positiv auf den profit des unternehmens auswirkt. in weiterer folge könnte sich dadurch sogar eine schöne gehaltserhöhung für einem selbst ergeben ...

dabei wird auch ersichtlich, wie schmal der grat zwischen teufelskreis und engelskreis sein kann. wird aus dem lob nämlich tadel, wird die motivation zu frust, was einen leistungsabfall zur folge hat. und dann ist kein profit da und mit sicherheit auch keine gehaltserhöhung in aussicht. auch die alten gelehrten dieser welt haben sich stets mit diesen „teufelskreisen“ befasst – ob sie nun teuflischer natur oder von engelshand stammen. die rede ist von einer der berühmtesten fragen, die keine klare antwort kennt und ohne ende, ohne ausweg ist: dem „henne-ei-problem“. haben sie sich schon mal gefragt, was zuerst da war: die henne oder das ei? eine interessante frage, und umso interessanter sind die antworten, die es darauf gibt.

die gläubigen unter uns würden sofort auf die schöpfungsgeschichte im 1. buch moses (genesis) hinweisen. dass gott alle arten von tieren geschaffen hat und damit auch die erste henne, die nach der begattung durch den ersten hahn das erste ei gelegt hat.

die philosophen haben das problem entfremdet und sehen es laut arthur schopenhauer als metapher für die suche des „grundes an sich“: „warum fällt ein stein herunter? wegen der anziehungskraft. warum gibt es eine anziehungskraft?“ und wieder fängt der kopf an, sich zu drehen ...

die für uns wohl plausibelste erklärung kommt jedoch von der wissenschaft, welche meint: dieses henne-ei-problem gibt es gar nicht, weil es im biologischen sinn eigentlich weder ein erstes huhn, noch ein erstes hühnerei gegeben hat. die wissenschaft nimmt heute an, daß sich dieses – nennen wir es trotzdem so – „erste huhn“ evolutionär aus vorläufern entwickelt hat. natürlich gibt es dazu noch unzählige andere theorien und erklärungen und eigentlich ist es egal, ob wir uns nun wirklich diese frage stellen sollten. wichtiger ist vielmehr, daß wir stets auch einen ausweg aus unseren ganz persönlichen teufelskreisen finden und diese durch positives denken und vor allem handeln in „engelskreise“ verwandeln. der schweizer journalist und autor walter ludin hat die umwandlung vom teufels- in den engelkreis wohl am treffendsten formuliert: „jagen wir die teufel davon und öffnen wir den kreis für die engel.“ wir sollten es zumindest versuchen!

patrick taschler
pool journal