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häufig gestellte fragen

wie würdest du das gefühl nach einem erfolgreichen surf-trip umschreiben?

nach so einem tag hast du sehr viele glücks-endorphine produziert, fühlst dich ganz gelöst und frei. du hast einen ganz klaren kopf und einen riesengroßen appetit ... nach essen und leben.

welchen ort würdest du als dein zuhause definieren?

aufgewachsen bin ich auf den kanaren, seit einiger zeit lebe ich offiziell in der schweiz. ich war in den letzten jahren auf hawaii, auf maui, in australien, in afrika, den kapverdischen inseln usw.. allgemein würde ich sagen, fühle ich mich sehr wohl in europa. mein herz schlägt aber genauso auf einem boot in tahiti. eben überall dort, wo ich mich gerade wohl fühle.

wo liegt deine persönliche energiequelle?

beim sport, beim windsurfen, aber genauso auch bei der familie und bei freunden. immer die richtige portion spaß gepaart mit dem wettkampfgedanken, wenn ich diese balance halte, dann habe ich noch mehr energie als sonst.

der schönste surfspot der welt?

da gibt es einige: maui, kanarische inseln, tahiti, die fidschis, in der karibik, in australien und auch mitteleuropa ...

beach life
hat jeder mensch den gleichen energiehaushalt? ist es möglich, körperenergie im laufe der lebensjahre auf dem selben hohem niveau zu halten, ja zu steigern? es ist möglich, wenn man den lebenslauf des 38 jahre „jungen“ windsurf-speedweltrekordmeisters björn dunkerbeck betrachtet.

wir erreichen björn dunkerbeck gerade in irland. in der wettervorhersage wurde für irland ein tiefdruckgebiet, also starker wind und wellengang, vorhergesagt. der 38jährige „windsurfkönig“ und cover-star der ersten red bulletin-ausgabe wartet gerade in seinem auto auf den optimalen zeitpunkt zum loslegen. eine gute gelegenheit, diese zwischenzeit mit einem gespräch über das windsurfen als jungbrunnen zu füllen, über die produktion von endorphinen im körper und den engen kontakt mit der natur zu sprechen.

lieber björn, bist du als kind in der nähe vom meer aufgewachsen?

als ich noch in dänemark gewohnt habe, lebten wir so ca. 20 bis 30 kilometer von der meeresküste entfernt. mit acht jahren bin ich dann mit meinen eltern nach gran canaria gezogen. dort haben meine eltern eine surfschule eröffnet. von diesem zeitpunkt an kann man sagen, war ich praktisch jeden tag am strand - und daran hat sich seit rund 30 jahren nicht viel geändert. pro jahr bin ich wahrscheinlich im schnitt 250 tage am strand unterwegs.

du bist dein leben lang draußen im freien unterwegs gewesen, nie der typischen konventionellen lebens- und arbeitsweise zwischen büro, indoor-tätigkeit und zuhause nachgegangen. würdest du dein leben als großes privileg, als glücksfall betrachten?

ich denke schon. das schätze ich natürlich sehr. ich liebe meine tätigkeit noch immer so wie am ersten tag. und wie andere leute täglich ins büro mit dem auto fahren, so fahre ich eben jeden tag an den strand und abends wieder nach hause.

sich mit der energie des windes, der kraft des wassers fortzubewegen, suggeriert gewissermaßen, auch im einklang mit der umwelt und natur zu leben.

auf jeden fall. das ist einer der wirklich schönen dinge, die das windsurfen mit sich bringen: du bist ganz ohne motor unterwegs, bewegst und bringst dich nur mit der kraft des windes voran - und das immer schneller. mittlerweile surfen wir schon mit weit mehr als 80 stundenkilometern über das wasser.

wie ist dein bezug zur natur, zu den naturgewalten?

ein ganz großer! ich könnte ohne naturgewalten gar nicht leben, im doppelten sinne ...

du hast sieben mal den speed-weltrekord verbessert, bezeichnest deine lebensphilosophie mit „pushing the limits“ ...

... und ich versuche auch weiterhin rekorde zu verbessern. gerade bin ich dabei, mit einigen kollegen in southend/südengland den speedrekord zu brechen. bis märz 2008 werde ich jedes große tiefdruckgebiet das über den atlantik kommt mitsamt dem starken wind nutzen, um einen neuen rekord aufzustellen.

ab welcher windstärke würdest du nicht mehr auf das surfboard steigen? gibt es da eine grenze für dich?

hobbytechnisch ist eine gute windstärke zwischen 15 und 30 knoten, dabei macht es richtig spaß. um eine echte chance zu haben rekorde zu brechen, brauchst du windstärken zwischen 40 und 50 knoten sowie optimale bedingungen: also ein lang gezogener sandstrand, mit flacher landschaft im hintergrund, wo der wind vom land „ablandig“ wegwehen kann und du ein bis zwei meter vom strand dahinbrausen kannst.

ist schnelligkeit, die geschwindigkeit am surfboard deine persönliche antriebsfeder?

ich bin eigentlich alle disziplinen im windsurfen schon gefahren, auch weltcup-technisch gesehen. in den 1990er-jahren hatte ich eigentlich nicht soviel zeit für das speedweltcup-surfen, wie ich wollte. die vergangenen jahre habe ich mir nun die zeit dafür genommen, habe da auch ganz gut mithalten können. von den vergangenen 12 weltcuprennen war ich doch immerhin 10 mal am podium. diese erfolge gehören sicherlich zu meiner persönlichen antriebsfeder.

wird man im laufe der lebensjahre beim surfen vorsichtiger, vernünftiger?

vernünftiger wird man schon, gleichzeitig will ich aber auch immer schneller werden. das muss kein widerspruch sein. es geschieht bei mir immer alles unter kontrolle. eigentlich ist das meine grundsätzliche art. man kann sagen, ich war schon sehr früh reif, was diese einstellung anbelangt, bin da nie über meine eigenen grenzen gegangen, habe sowohl situationen als auch limits gut und richtig einschätzen können.

ich möchte es so sagen: immer am limit, aber nicht über dem limit. wenn es gut läuft, dann sich steigern, wenn nicht, dann vorsichtiger, langsamer werden. das ist so wie beim autofahren, wenn du schnell fährst und die autobahn ist nass, musst du auch runter vom gas.

gibt es momente, wo du ruhe und langsamkeit suchst? du hast ja familie, mittlerweile drei töchter (im alter von 4 und 5 jahren sowie drei monaten) ...

ich versuche jeden tag, endorphine zu produzieren. egal, ob beim mountain-biken, windsurfen oder joggen. je besser die bedingungen, desto besser die action, umso länger bin ich dabei. ausgleichssport wie schwimmen betreibe ich nur, wenn ich verletzt bin, um mich bei kräften zu halten und zu verbessern. ich suche jeden tag ein bisschen ruhe, versuche, dass ich stets spaß habe und auch genügend zeit für meine familie finde. ich bin ja sehr oft in regionen unterwegs, wo es schön warm ist und die tage lang sind. wenn du da versuchst, alles gut einzuteilen, zu planen, läuft das leben perfekt.

wie betrachtest du das älterwerden, gerade in bezug auf den surfsport, der ja sehr mit jugendlichem elan assoziiert wird?

windsurfen, wie sport generell, hält dich sehr jung. auch ist windsurfen ein sehr variantenreicher sport, das ist äußerst erfrischend. du bist dabei sehr eng mit der natur verbunden, mit wechselhaften bedingungen konfrontiert, dass hält dich rege und wach. die ganzen jungen nachwuchssurfer sind heute zwischen fünf und zehn jahre alt, die lernen das extrem schnell. im speed-windsurfen kann man sagen, dass du mit 13 jahren noch ein kind bist. wenn du da fit und motivierst bist, kannst du bis mitte 40 fahren. es kommt hier sehr viel auf erfahrung und auf köpergewicht an. mit 75 bis 80 kg ist man gewissermaßen ein leichtgewicht. über 90 kg sind gut, über 100 sind perfekt für das speed-surfen.

sport wird ja zumeist mit geringem körpergewicht, mit schlankheit assoziiert. da ist windsurfen sozusagen ganz anders ...

beim speed-windsurfen brauchst du wie gesagt mindestens 100 kg, um überhaupt eine chance zu haben vorne mitzufahren. seit ich 20 jahre alt bin, halte ich mein gewicht bei ständig über 90 kg bei einer körpergröße von 1,91 m. seit ich mich in das speed-windsurfen hineingekniet habe, wiege ich 103 bis 105 kg. das ist mein idealgewicht, weniger sollte ich gar nicht wiegen.

suchst du noch immer die welle deines lebens?

immer wieder. meine ziele habe ich mittlerweile natürlich mit 38 jahren schon sehr oft überschritten. ziele gibt es im laufe des lebens stetig neue. es ist einfach wunderbar, laufend neue, schöne plätze zu besuchen und das surfen zu genießen.

helmut wolf
pool journal