21
 
   
ecology and luxury
öko, sozial und trotzdem purer luxus - das geht doch gar nicht? bis jetzt war dies wirklich so. doch vor etwas mehr als zwei jahren hat der däne peter ingwersen das „öko“-mode-label noir gegründet, um diese drei so gegensätzlichen elemente zusammenzuführen. sein motto: „wir wollen die marke sein, die nachhaltigkeit sexy macht!“

schlabberpullis, bunte tücher und birkenstock-ähnliche sandalen – die absoluten ikonen des öko-looks - werden in den noir-kleider-regalen nicht zu finden sein. dafür viele selbstbewußt provokante, sexy kleider für die moderne und luxus liebende frau. bei der produktion werden aber trotzdem nicht die umwelt und soziale aspekte vernachlässigt: so hat noir-gründer peter ingwersen neben seinem dänischen mode-label auch die fair-trade-firma „illuminati ll“ in uganda gegründet, die hochwertige bio-baumwollsorten züchtet. die daraus entstehenden edlen stoffe wurden bereits – auch wenn man es auf den ersten blick niemals ahnen würde – in der aktuellen kollektion für frühjahr/sommer 2008 verwendet. die soziale verantwortung liegt dabei im schutz der fabriksarbeiter. die dazugehörige stiftung hat sich zum ziel gesetzt, neben fairen löhnen und geregelten arbeitszeiten durch den gewinnrückfluss auch für die medizinische grundversorgung und eine gute ausbildung der mitarbeiter zu sorgen. in den kommenden jahren soll das projekt noch erweitert, die hochwertige öko-baumwolle auch anderen high-end-modefirmen zum kauf angeboten werden.

ist dieses umweltbewusstsein im modebereich nur ein vorübergehender trend? „nein“, betont peter ingwersen. für ihn ist es weit mehr als nur eine saisonale erscheinung, obwohl die zunehmende tendenz hin zu mehr ökologischem bewusstsein in der gesellschaft sehr individuell gelagert ist. für den dänen ingwersen hängt es sehr stark vom jeweiligen konsumenten ab, inwieweit sich dieser gerade durch aktuelle schlagzeilen aus der umwelt im kaufverhalten beeinflussen lässt oder ob es sich um eine ganz generelle, bewusste lebenseinstellung handelt, wo eben auch bekleidung mit eu-öko-zertifikaten dazu gehört. beides scheint auf jeden fall eine gute entwicklung zu sein, hin zu einem globalen umweltbewusstsein.

wie argumentiert der chef eines unternehmens, das sich zur ökologischen bewusstseinsschaffung und einhaltung von fair-trade-regeln verpflichtet fühlt, dass auch pelz bei noir zu finden ist? „wir sind eine skandinavische marke, und pelz war immer schon ein wesentlicher bestandteil der nordischen garderobe. pelz gehört zur nordischen kultur“, erklärt ingwersen. pelz sei bei luxusmarken einfach unersetzlich, und er wolle auf pelz auch nicht verzichten. im gegenteil, so der noir-mastermind, wolle er damit provozieren: „ich möchte zu einer debatte zum thema nachhaltigkeit innerhalb der luxusindustrie anspornen!“ natürlich wird, wie bei allen anderen stoffen, auch bei pelzen auf die herkunft geachtet: kuh- und ziegenfelle stammen beispielsweise von tieren aus nahrungsmittelzüchtungen. die anderen pelze werden über „kopenhagen fur“ erworben, die die herkunft aus staatlich geregelten produktionen garantiert.

peter ingwersen will mit noir auf jeden fall ein zeitloses zeichen setzen und mode kreieren, die eine tiefere bedeutung hat. so steht die transparenz in der aktuellen frühjahr/sommer-kollektion nicht nur für die durchsichtigkeit im wahrsten sinne des wortes, sondern auch für die offenheit, verantwortlichkeit und ehrlichkeit der firma.

neben den nachhaltigen, guten vorsätzen geht es aber gerade für junge marken wie noir, die vor zwei jahren gegründet wurde, ebenso um den überlebenskampf im haifischbecken der modewelt - vor allem im luxus-segment. der markt jedenfalls gibt peter ingwersen bis jetzt hoffnung: sowohl die presse als auch die internationalen einkäufer waren begeistert von den bisherigen kollektionen. und noir ist bereits in ausgewählten, exklusiven fashion-stores in kopenhagen, hong kong, antwerpen, münchen, wien und auch in der modemetropole new york präsent. im vorjahr hat sich das dänische luxus-label auch bei den new york fashion-shows präsentiert. es scheint, als würde man in zukunft noch viel schwarz - sprich „noir“ - sehen.

patrick taschler
pool journal