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häufig gestellte fragen
was inspiriert dich besonders?
ich werde besonders von musik inspiriert. ich liebe musik über alles, höre alles „quer beet“ und könnte ohne musik nicht leben. deshalb bewundere ich alle leute, die musikalisch sind und habe einen großen freundeskreis, der in dieser branche sein geld verdient. außerdem liebe ich fotographien, welche ich auch seit einigen jahren sammle.
wofür nimmst du dir besonders viel zeit?
die sachen, die ich am liebsten mache sind schlafen, essen und shoppen. wenn es geht, nehme ich mir dafür am meisten zeit.
was würdest du sofort ändern, wenn du es könntest?
ich würde jegliche form von intoleranz und diskriminierung abschaffen ... dazu gehört für mich rassismus, sexismus, fanatismus usw. „free at last, free at last ... one day we will all be free!“
dein lieblingsbuch?
meine absoluten lieblingsbücher sind „meine mutter marlene“ von maria riva, der tochter von marlene dietrich und „holy terror: andy warhol close-up" von bob colacello, der jahrelang andy warhol gedient hat. ich lese grundsätzlich nur artbooks oder biographien.
dein lieblingsort?
meine absoluten lieblingsstädte sind london, wo ich sechs jahre gelebt habe und das mich schon immer als youth-culture-epizentrum fasziniert hat. außerdem rio de janeiro, eine der coolsten metropolen der erde.
dein lieblings-outfit?
ich bin am allerliebsten so wie gott uns alle schuf. wenn das gerade mal nicht geht, dann trage ich am liebsten jeans, t-shirt und sneakers.
sport visionen
es gibt sportswear und es gibt adidas. die marke mit den drei streifen konnte in den letzten jahren sehr erfolgreich den weg zwischen der rückbesinnung auf eigene traditionen und innovativer zukunftsvision glaubwürdig darstellen. michael michalsky, global creative director bei adidas, erläutert im nachfolgenden gespräch mit pool die japanische liebe zum detail und die spannende mischung von „past, present und future“.
original-authentik und high-tech sind kein widerspruch mehr. die beiden ideologisch getrennten stil-lager der „old school“- und „new school“-fraktionen finden zusehends zueinander. funktionelle sportswear löst sich immer stärker vom charakter der reinen sportbekleidung und bewegt sich hin zu einem modegenre irgendwo zwischen street- und urbanfashion. für die exklusive kollektion „y-3“, mit der adidas eine kooperation mit dem japanischen designer yohji yamamoto eingegangen ist, wurde nun ein weiterer schritt in richtung visionärer sportästhetik gesetzt.

lieber michael, was hast du vor „y-3“ gemacht?
ich arbeite seit achteinhalb jahren bei adidas. die ersten fünf jahre dieser zeit war ich chefdesigner für den textilbereich. seit dreieinhalb jahren bin ich „global creative director“ und für das design aller produkte verantwortlich. das umfasst schuhe, textilien und accessoires , die in die drei divisions sport-heritage, sport-performance und sport-style unterteilt sind. vor meiner zeit bei adidas war ich chefdesigner bei levi’s.

du arbeitest für diese kollektion mit yohji yamamoto zusammen. dabei treffen sozusagen japanische sichtweisen auf europäische. worin liegen deiner meinung nach die unterschiede zwischen diesen beiden kulturen in bezug auf ästhetik und stil?
yohji war schon immer ein grenzgänger zwischen diesen zwei welten. das macht ihn ja auch so interessant. was aber besonders auffällt, ist die japanische liebe zum detail und zur perfektion. wo wir europäer manchmal denken, es geht nicht besser oder weiter, fangen die japaner oft erst an.

was verbindest du mit dem begriff schönheit?
schönheit ist ein permanent missbrauchter und überstrapazierter begriff. für mich ist schönheit eher eine einstellung, beziehungsweise eine attitüde, die total subjektiv ist und eigentlich nicht verallgemeinert werden kann. was ich schön finde, findet nicht automatisch jeder andere schön.

gibt es punkte, wo du sagst: hier können wir vom asiatischen
empfinden lernen?

keiner macht „minimalismus“ besser als die japaner.

die stilistische reduktion der modeprodukte von y-3, die elegante einfachheit wirkt zeitlos und dennoch sehr modern. wie lässt sich eigentlich modische zeitlosigkeit in unserer schnelllebigen konsumwelt umsetzen?
y-3 war unter anderem bisher so ein großer erfolg, weil wir uns nicht mit dem beschäftigt haben, was andere machen oder was gerade passiert. nur dadurch ist es zeitlos.

exklusivität gegen kommerzialität, marken gegen no-names, billig gegen teuer. oft hat man den eindruck, auf den globalen märkten finden derzeit ideologische grabenkämpfe statt. wie wird sich deiner meinung nach in zukunft das konsumverhalten entwickeln?
richtig cool ist es doch eigentlich nur, wenn man diese beiden extreme verbindet und sein eigenes ding macht, sich nicht um solch einen mist schert. ich bin fest davon überzeugt, das wird das konsumverhalten der zukunft: „opposites attract“ !

die drei streifen von adidas gehören auch zu den authentischen produkten unserer zeit. inwieweit darf man eine traditionsmarke neu interpretieren, ohne die ursprüngliche aussage und wurzeln zu verwässern?
das ist ja der reiz der marke adidas. keine sportmarke ist authentischer. ohne adidas würde es den heutigen sportmarkt überhaupt nicht geben. mit dem split der marke in die drei divisionen (unterteilung siehe oben, anm.) hat man die möglichkeit als label „past, present and future“ zu inszenieren. wer kann das schon, ohne dabei eine marke zu verwässern?

welchen stellenwert bekommt mode in wirtschaftlich schwierigen zeiten?
mode ist immer eine reflektion von den einflüssen, die in unserer gesellschaft gerade eine rolle spielen. mode ist auch immer „escapism“, eine kleine flucht. durch mode kann ich mich so darstellen, wie ich gerne sein würde. deshalb spiegelt mode in schlechten zeiten oft die zitate von guten zeiten wieder, wie zum beispiel eleganz und glamour.
helmut wolf
pool journal