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häufig gestellte fragen

wo liegt ihre persönliche energiequelle?

die liegt im feedback, der anerkennung der kunden. ich bekomme dankesschreiben, teilweise grüßen mich sogar leute auf der straße, die ich nicht kenne und bedanken sich bei mir, dass sie keine schmerzen mehr haben. das hat nichts mit meiner person zu tun, sondern vielmehr mit der erkenntnis, dass dies alles sinn macht. das gibt viel energie, motiviert ...

wofür nehmen sie sich besonders viel zeit?

zur zeit, für die entwicklung neuer maschinen. wir entwickeln gerade mit der uni essen einen prototyp einer neuen fußmaschine. wir sind ja eigentlich die getretenen, im wahrsten sinne des wortes. viele probleme des rückens hängen ja auch mit den füßen zusammen. das ist nicht so einfach, da zu einem zufrieden stellenden ergebnis zu kommen ...

wie oft trainieren sie die woche?

im durchschnitt 2 bis 3 mal die woche, meistens gegen mittag, damit ich am nachmittag wieder im büro sein kann.

the soul of our muscles
ohne kraft gäbe es kein leben. davon ist nicht nur der ehemalige boxer werner kieser überzeugt, sondern mittlerweile auch viele tausende kunden auf der ganzen welt, die in den seit über vier jahrzehnten betriebenen kieser trainingsstudios ihre muskeln stärken. ausgangspunkt zur kräftigung und energiegewinnung des bewegungs- und muskelapparats ist der rücken. warum gerade der rücken im fokus dieses konzepts steht, erzählt werner kieser im nachfolgenden gespräch.

keine hintergrundmusik, keine bar, keine sauna, kein solarium. wer eine filiale von kieser training besucht, merkt sofort: hier geht es um das wesentliche, um die essenz für körper und geist. das anatomische zentrum, um das sich hier alles dreht, ist der rücken. für den schweizer werner kieser (67) geht es in seinen rund 150 filialen zwischen zürich und melbourne nicht um orte der begegnung oder selbstfindung, sondern vielmehr um „produktionsstätten für die magermasse muskel und knochen“. in dieser diktion merkt man schon, dass es kieser um eine deutliche versachlichung des fitness- und wellness-booms geht, um die erhaltung der leistungsfähigkeit des bewegungsapparats in jedem alter. die speziellen trainingsmaschinen, ein drittel davon gibt es nicht in anderen fitness-centern, wurden eigens für kieser auf basis wissenschaftlich gesicherter erkenntnisse in bezug auf gesundheitsorientiertes krafttraining entwickelt. über gezielt dosierte bewegung, über ausgleichende ruhe und das gute gefühl, menschen vom schmerz zu befreien, ein interview mit werner kieser.

lieber herr kieser, ist ihr herkunftsland schweiz durch die vielen berge und die intakte natur ein guter nährboden für eine gesunde lebenseinstellung?

ich denke schon, dass dies in gewisser weise etwas mit dem alpenland schweiz und seiner engen naturverbundenheit zu tun hat, ähnlich wie in österreich. die schweiz ist grundsätzlich ein sehr sportliches land, zumindest der kanton aargau, wo ich herkomme. dort war täglich turnen angesagt, ähnlich wie jeden tag das heu einbringen. ich bin ja auf dem land aufgewachsen, was durchaus einen einfluss auf meine persönlichkeit und mein leben genommen hat.

die menschen in der westlichen welt, ob jung oder alt, sitzen heute zumeist vor computer oder fernseher, bewegen sich immer seltener. wie glauben sie, kann solch einer entwicklung einhalt geboten, bewegung wieder attraktiver gemacht werden?

wir reden immer vom bewegungsmangel, ich glaube jedoch, uns fehlen in gewisser weise die widerstände. die bewegung an sich hat keine qualität. bewegung erhält erst dann qualität, wenn sie etwas überwindet. wenn beispielsweise den astronauten die erdanziehung fehlt, lösen sich bei ihnen knochen und muskeln auf. astronauten machen genug bewegung, ihnen fehlt jedoch der widerstand. bei kieser training machen wir nichts anderes, als diesen widerstand gezielt zu dosieren. der wert einer bewegung besteht darin, gegen welchen widerstand ich diesen ausführe. all unsere trainingsmaschinen basieren auf diesem prinzip.

in der tat haben wir heute eine lebensweise, die uns diese widerstände in gewisser weise abnimmt. wiewohl ich glaube, dass man aufpassen muss, um nicht in eine nostalgische romanze abzugleiten - nach dem motto: früher sei alles besser gewesen. ich bin wie gesagt am land aufgewachsen und da haben die bauern sehr schwere körperliche arbeit geleistet. diese leute waren aber mit 40 jahren wegen rückenschäden, miniskus usw. völlig kaputt. arbeit und sport löst das problem im eigentlichen sinne nicht. wir produzieren zumeist ein ungleichgewicht der kräfte der muskeln, wo die einen muskeln trainiert werden, die anderen nicht. bei kieser versuchen wir eine balance der kräfte herzustellen, die widerstände zu dosieren, damit der mensch wieder ausgeglichener wird.

daran schließt gewissermaßen meine nächste frage: glauben sie, haben die menschen heute grundsätzlich weniger kraft als zu beginn ihrer unternehmensgründung vor 40 jahren?

damals waren es noch ganz andere leute, die zu mir ins trainingscenter gekommen sind, spitzensportler oder andere „sportverrückte“ gewissermaßen, wo auch ich „abstamme“ (werner kieser war zuvor boxer, anm.). später habe ich bemerkt, dass mein konzept auch ideal für ganz „normale“ menschen ist. ja, der nutzen ist da sogar noch viel größer. vor allem bei älteren menschen, die besondere kraftverluste haben, und zwar nicht weil sie alt sind, sondern weil wir sie alt machen ... weil wir sie zu tode schonen.

die kultur bei uns ist so, dass man ab 40 einfach nicht mehr viel macht. wir haben leute bei uns, die schon vier jahrzehnte trainieren. einer unserer ältesten kunden ist über 90 jahre alt. viele sind noch unheimlich stark, die haben noch kräfte wie vor 30 jahren. das zeigt, dass der muskel sehr lange trainierbar ist. altersschwäche gibt es nicht, schwäche schon, aber das hat nichts mit dem alter zu tun. es ist das schlimmste, was wir machen können, wenn wir alten menschen beim kleinsten zipperlein gleich ein wägelchen in die hand drücken, wo sie sich abstützen können. man muss sie trainieren, dann brauchen sie diese wägelchen überhaupt nicht!

mit dem training könnten auch enorme gesundheitskosten gespart werden ...

in deutschland beispielsweise haben die spitzenverbände der krankenkasse gar kein interesse daran, da etwas zu ändern. dadurch wären ja viele arbeitsplätze im gesundheitswesen gefährdet. stellen sie sich vor, wenn sie viele dieser leiden eliminieren würden, dann haben die krankenkassen ein problem. ganze institutionen leben ja von unseren leiden. ich habe mit einem kassenvertreter in deutschland gesprochen und ihm gesagt, dass es nur zwei minuten in der woche auf unserer rückenspezifischen „f3“-maschine bedürfte, um milliarden kosten im gesundheitswesen zu sparen. darauf kam die gegenfrage vom kassenvertreter: „wissen sie, wie viele arbeitsplätze dies vernichten würde?“. da habe ich gemerkt, dass unsere verbündeten nicht diese krankenkassen sind, sondern der verbraucher, der patient.

wir leben in einer sehr lauten, sehr unruhigen welt. wenn man eine kieser-filiale betritt, so herrscht hier fast meditative ruhe: keine musik, sehr schlichte einrichtung, graue maschinen, edelstahl-duschanlagen, ein wasserhahn, selbst die glühbirnen sind vorne abgedunkelt, um nicht zu grell zu erscheinen ...

... das ist wie in einer kirche, nicht wahr (lacht). ja, sie haben recht, wir leben ja in einer welt, wo wir ständig versuchen, außer uns zu sein, und so kommen wir nie zu uns. diese unruhe heute ist unglaublich. wir werden ständig in atem gehalten. bei kieser soll das eben nicht so sein. wir hatten früher musik, aber da gibt es drei gründe, warum es diese nicht mehr gibt: der erste grund ist, musik hörst du, aber du solltest nicht dazu trainieren. der zweite grund ist, dass ich nicht jedermanns geschmack treffe. und drittens, es lenkt einfach zu sehr ab. die bewegungen bei uns sind sehr langsam, und das trifft nur selten den rhythmus der musik. zudem ist für viele leute die ruhe einfach wichtig.

sie sprechen beim kieser training von „körperlicher wartungsarbeit“, die notwendig ist und nicht nur spaß machen soll. wo liegt für sie das unterscheidungsmerkmal zu den vielen fitness-centern mit spaß-faktor und rundum-wellness-angebot?

an meiner wortwahl - eben „körperlichen wartungsarbeit“ - merken sie schon, dass es hier um eine klare abgrenzung zu all den anderen fitness-centern geht. es geht um eine versachlichung des problems, um nicht in diese wellness-schiene zu fallen. training ist anstrengend, und wir können es nicht leichter machen. im gegenteil, wir versuchen es sogar härter zu machen, dann ist es nämlich kürzer. das ist der unterschied! wir bieten weniger, aber das weniger dafür gründlicher. es geht um die essenz der sache. bewegung alleine hat keinen trainingsreiz.

es gibt nur zwei kriterien, die meiner meinung nach zählen: die spannungshöhe der muskeln und die spannungsdauer. das sind die reize, die etwas bewirken. wir versuchen dies auf die reizwirksamen teile zu konzentrieren, dadurch wird das training kurz, aber es ist halt nicht so unterhaltsam und lustig, wie eine aerobic-stunde. und es gibt auch einen anderen effekt: eben den der ruhe, die erfrischt und welche man beim wellness-angebot zumeist vergeblich sucht.

wir tragen all die last unseres lebens, all die sorgen und unseren stress sprichwörtlich auf dem rücken mit uns. der rücken wird mit zunehmendem alter gebrechlicher. ab welchem alter würden sie das gezielt aufbauende rückenkrafttraining empfehlen?

die meisten kommen erst zum training, wenn es schmerzt. schmerz ist zweifellos der stärkste motivator. jedoch geht es relativ schnell, dass die schmerzen beim training zurückgehen. wobei der rücken ja nur die spitze des eisbergs ist, dort merken sie es eben. aber es kommen die beschwerden auch bei den anderen gelenken: die kniegelenke, hüftgelenke usw., das sind alles zonen bei uns, die gefährdet sind, weil sie nur durch muskeln zusammen gehalten werden. das skelett steht unter einer gewissen art zug der muskeln. wenn bei älteren leuten sich beispielsweise die schulter auskugelt, dann ist das deswegen so, weil die muskeln nicht mehr diesen zug ausüben. wenn sie beispielsweise eine bizepssehne durchschneiden, dann schnalzt es und der muskel zieht sich ganz schnell zusammen, wie eine feder. wir stehen eigentlich unter zug, wenn sie so wollen und die meisten menschen sind da im laufe der zeit abgeschlafft, weil die muskeln nicht mehr trainiert werden. durch das training legt der muskel an ruhespannung zu, er ist flüssigkeitsreicher. dadurch nimmt der druck zu. jeder masseur weiß sofort, wenn er einen muskel abtastet, ob er trainiert ist oder nicht. ein trainierter muskel ist wie gummi, ein untrainierter wie teig.

beim rücken kommt außerdem ein evolutionäres problem hinzu. generell sind wir in diesem mittelbereich, im kreuz, etwas schwach ausgerüstet, weil die wirbelsäule nicht als säule sondern eher als brücke konzipiert wurde. vom vierbeiner, von dem wir abstammen, haben wir uns irgendwann aufgerichtet, also vom stabilen ins labile gleichgewicht begeben. und das bekommt nicht jedem. wir haben höhere belastungen in diesem mittleren bereich, neigen dazu, die gesäßmuskeln und nicht mehr die rückmuskeln zu gebrauchen. dadurch werden die rückenmuskeln schwächer und machen früher oder später probleme. unbewusst belasten wir die starken stellen und entlasten die schwachen.

„der welt den rücken stärken“, lautet ihr motto. wollen sie die welt, die menschen besser, gesünder machen?

durchaus! ich möchte die lebensqualität der leute verbessern. es ist einfach schön, menschen von ihrem schmerz zu befreien.

würden sie sich auch als so eine art wanderprediger, missionar bezeichnen?

ich habe mir eben eine idee in den kopf gesetzt und diese verfolge ich seit dem jahr 1967 ... oder sie verfolgt mich (lacht). man setzt sich eben eine gewisse aufgabe, damals noch vom sportlichen standpunkt aus. im laufe der zeit hat sich dann bei mir immer mehr gezeigt, dass dies nichts mehr mit sport zu tun hat, sondern auch eine art hygiene ist. und so kommt diese versachlichung zustande, welche auch viele leute anspricht, die mit sport überhaupt nichts am hut haben. es gibt ja richtige sportfeinde, die bei kieser trainieren. die sagen: ich mag das training überhaupt nicht, aber es tut mir gut.

vielleicht haben viele auch das turnen in der schule in schlechter erinnerung, sind traumatisiert vom turnunterricht. in der schweiz hat der turnunterricht immer noch etwas „kasernenhof-haftes“, ohne methodisch sauberen aufbau. das kommt noch vom turnvater jahn, zum teil aus dem gedanken der militärischen ertüchtigung, um die wehrfähigkeit zu erhalten. das ist natürlich ein ganz anderer ansatz, als wenn wir sagen, das individuum soll seine lebensqualität erhöhen ...

vor kurzem wurde die erste filiale in melbourne, australien, eröffnet. haben sie als ehemaliger boxer möglicherweise ein besseres durchsetzungsvermögen, um ihr konzept über alle grenzen hinweg zu verbreiten?

es gibt durchaus parallelen: du musst einstecken können, aber auch austeilen, musst niederlagen, fehler und flops verkraften. als unternehmer macht man ja mehr fehler als gute dinge. aber eine gute entscheidung macht dann viele fehler wieder wett, das ist das schöne dabei. es braucht halt eine gewisse zähigkeit, obwohl ich es nie so empfunden habe.

auf welche trainingsmaschine sind sie besonders stolz?

ich kann nur sagen, welche besonders wichtig ist, nämlich unsere rückenspezifische „f3“-maschine. der rücken ist eben das zentrum des menschen. der rücken ist der stamm, wie bei einem baum, wo alles dran hängt.

stolz bin ich aber auf folgende tatsache: als ich angefangen habe, war das training eine reine männerangelegenheit. heute jedoch haben wir bei kieser schon mehr frauen (53 %) als männer. das freut mich wirklich und macht mich stolz. ganz einfach, weil die frauen diese scheu überwunden haben und es ihrer figur gut tut. frauen sind ja kulturell bedingt figurbewusster als männer.

gibt es ein besonderes ziel, das sie verfolgen?

ich hatte immer gewisse teilziele. zuerst war dies, die schweiz vom kieser-konzept zu überzeugen, was in etwa 1987 geschah. danach den deutschsprachigen raum, wo wir nun auch schön langsam die decke erreichen (deutschland mit 119 filialen, in österreich fünf, wo ein, zwei noch hinzukommen). der nächste schritt ist der weltmarkt, den wir jetzt aufbauen. die sättigung dieses marktes, werde ich sicher nicht mehr erleben, aber das spielt keine rolle. der weg ist ja das interessante, nicht das ziel.

helmut wolf
pool journal