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a sculpture on wheels
beim autofahren ist es oft wie im leben: es geht um wohlfühlen, um leidenschaft und – um schönheit. für josé luis de la vega, designchef bei volvo cars, steht der begriff des auto-designs und der schönheit im engen zusammenhang, im balancierenden zusammenspiel zwischen natur, landschaft und menschlicher schöpfung.

„unser leben ist durchdrungen von natur, wir sind schließlich teil davon.“ für josé de la vega, seit dem jahr 1993 mit kurzer unterbrechung chef für strategisches design bei der schwedischen automarke volvo, ist die schöpferische kraft der natur der rote faden in seinem leben und schaffen. gerade in mexiko, dem geburtsland de la vegas, spiegelt sich das vielfältige klima und die nähe der menschen zum bunten reichtum der landschaften in deren lebensweise und künstlerischen ausdrucks wieder. der hohe sinn für (naturnahe) ästhetik, für architektur und kunst, die vorliebe für gutes essen und trinken sowie die freude am leben allgemein, weisen auf die frohnatur der mexikanischen bevölkerung und ebenso auf die stilistischen wurzeln de la vegas hin.

für den aus mexiko stammenden volvo-designchef, der 1979 am royal college of art in england den post graduate magister als autodesigner erworben hat, ist und war stets auch die unmittelbare umgebung ein wichtiges inspirationselement und grundlegender teil seiner schöpferischen arbeit. nationalitäten und kulturen haben sich in der mittlerweile schon fast vierzigjährigen laufbahn des designers sehr häufig verändert. seine überaus weitläufige sichtweise hat de la vega dabei zu fast allen kontinenten dieser welt geführt, was sich in der mannigfaltigkeit seiner kreationen entsprechend äußert. über mexiko, wo er sein diplom als industriedesigner erworben und mit allgemeinen designarbeiten am pedro ramirez architect design studio begonnen hat, trug ihn sein lebensweg über england, australien, nordamerika und asien schließlich bis nach schweden, wo der ehemalige mexikanische wasser-ski-champion seit vielen jahren seinen wohnsitz hat.

für de la vega, der auch aktiver teilnehmer universitärer und professioneller designforen ist, gehören heute gerade skandinavische ansprüche in bezug auf design und funktioneller qualität zu einem wichtigen inspirationsfeld für seine arbeit. schlichte, einfache farben und formen sowie klare und simple linien äußern sich deshalb auch stark in der architektur, dem interieur, der farbgebung und äußeren gestaltung der autos von volvo. „wenn du in schweden unterwegs bist, so begegnest du überall einer sehr geradlinigen, sehr ruhigen landschaft. der wind weht hier ständig vom meer über das land und bewegt langsam und beständig bäume und sträucher. mir gefallen diese harmonischen mechanismen der natur, welche auch stark auf die bevölkerung und deren ausdrucksweise einwirken. ich versuche, diese sanften und fließenden elemente in meinen kreationen einzubinden und beim auto sichtbar zu machen“, betont der designchef.

den immer „lauter“ werdenden städten und ballungszentren, mit ihrem wirrwarr an menschenansammlungen, gebäuden, lichtern und verkehrsschildern, möchte der vater zweier kinder mit „visueller stille“ begegnen. „das auto ist ja optischer hauptdarsteller auf den straßen. das auto bestimmt unsere mobilität, unser tägliches leben. deshalb ist es so wichtig für mich, im inneren wie im äußeren der fahrzeuge, auf angenehm zurückhaltende, ruhige designs zu setzen.“ wer beispielsweise das prestigeträchtige modell des neuen s80 executive betrachtet, wird klar erkennen, dass hier nicht nur neueste technologie und höchste funktion zum ausdruck kommen, sondern ebenso das skandinavische schönheitsideal: also die mischung zwischen schlichter eleganz und höchster qualität. modernes, schwedisches design, welches zu einer globalen formensprache nicht nur im automobilbereich sondern ebenso in den segmenten mode, einrichtung, kunst und lebenskultur avanciert ist.

für de la vega war es deshalb immer auch ein anliegen, ein auto zu kreieren, das nicht nur besonders sicher sondern ebenso schön gestaltet ist. „schönheit mag vordergründig vielleicht eine art eitelkeit suggerieren, für mich ist es vor allem ein ausdruck von frieden und harmonie.“ für ihn sei das auto eine „skulptur auf rädern“, mit der man nicht nur fährt sondern die man „mit sich und an sich trägt“. „schönheit grundsätzlich“, so der designer, „kann sich in vielfältigster art und weise definieren“. für ihn sei ein perfekt gefertigter reitersattel ebenso der inbegriff für zeitlose ästhetik, wie alte, traditionelle dinge, die in einen modernen kontext gebracht werden.

„schönheit ist einfach wichtig, um ein gefühl von wohlbefinden zu entwickeln.“ auch die bewegung des menschen sei für ihn ein zeichen von wohlbefinden, schönheit und inspiration. die faszination, dass sich der mensch emotional über den körper, über den tanz ausdrücken kann, mitsamt musik und entsprechender bekleidung, sei ein wunderbares schauspiel, „das mich sogar zum weinen bringen kann“.

natürlich zählen auch farben beim auto zu einem wichtigen gestaltungselement. wiewohl die klassischen farben rot, schwarz und weiß zu den ewigen bestsellern gehören, seine persönliche lieblingsfarbe sei gelb. „gelb trage eine menge energie und lebensfreude in sich, und ist zudem nicht aggressiv.“ aber auch orange und orange farbtöne liebe er. seine farbvorliebe variiere auch mit den jahreszeiten: „im winter bevorzuge ich mehr die braunen farben und schwarz, im sommer die helleren blautöne.“

sich mit dem auto in der landschaft zu bewegen, definiert für de la vega auch den ewig anhaltenden traum der grenzenlosen freiheit. die freiheit der straße, wo es sie noch gibt, mitsamt einer reizvollen landschaft zu genießen, gehört zu den highlights des autoliebhabers. seine absolute lieblingsstrecke liegt übrigens in australien, wo de la vega in den 1980er-jahren gelebt hat. zwischen den städten melbourne und adelaid liege für ihn die schönste autostrecke der welt. „das ist eine wunderbare küstenstraße inmitten herrlicher landschaften. dabei hast du das gefühl, wenn du nicht aufpasst, dass dich die wellen des meeres berühren und überströmen. das zusammenspiel zwischen dem land und dem wasser ist einfach unvergleichlich.“

gestalten, umgestalten, neu gestalten – seit jahrzehnten gilt es für den designer josé de la vega, dinge und autos neu zu definieren, sie zu „verschönern“ und in den einklang mit der natur, der technologie und dem menschen zu bringen. ein unterfangen, das durchaus aufgeht und uns täglich auf der straße begegnet …

helmut wolf
pool journal