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dreams in red
woran denkt man bei dem wort ferrari – wenn nicht an einen leidenschaftlichen, ungezähmten sportwagen in dem markanten signalrot.

ferrari, das ist ein mythos, eine legende. obwohl die edlen sportwagen von ferrari in vielen farben zu bewundern sind, wird doch keine farbe so sehr mit diesen autos verbunden wie das brillante ferrari-rot. ganze generationen von auto-enthusiasten träumen von diesen exklusiven meisterwerken der ingenieurskunst. ferrari ist schlicht eine der bekanntesten automarken der welt. dem gegenüber steht die äußerst geringe anzahl von liebhabern, die sich an dem adrenalin steigernden anblick des eigenen ferraris erfreuen können. lediglich 5.658 sportwagen verließen im jahr 2006 die historischen werkshallen im italienischen maranello.

wenn es nach dem sinn des firmengründers ginge, wäre sogar diese zahl schon zu hoch. enzo ferrari lebte für den rennsport allein, die produktion von straßensportwagen leitete er nur ein, um geld für die teuren auftritte bei diversen rennserien zu verdienen. seine beispielslose karriere im automobilbereich begann kurz nach dem ersten weltkrieg. da er bei fiat keine stelle fand, baute er in einer kleinen werkstatt militärfahrzeuge für den zivilen straßenverkehr um. danach wurde er in mailand test- und rennfahrer für den automobilhersteller c.m.n.

im zuge seiner erfolgreichen tätigkeiten lernte enzo die piloten und mechaniker von alfa romeo kennen, denen schloss er sich an und wurde werksfahrer. im jahr 1923 bestritt er ein rennen, bei dem er die bekanntschaft der mutter des fliegerhelden francesco baracca machte. dieser kämpfte im krieg und verwendete ein sich aufbäumendes pferd als emblem. die mutter schlug enzo ferrari vor, dieses pferd als glücksbringer zu übernehmen. ab 1932 wurde seine „scuderia ferrari” das offizielle rennteam von alfa romeo und das tänzelnde pferd - das „cavallino rampante“ - prangt seither auf den karossen von ferrari.

1939 endete die zusammenarbeit zwischen alfa romeo und enzo ferrari, er baute schon 1940 seinen ersten eigenen wagen unter dem namen von auto avio construzioni. trotz den entbehrungen des krieges verfolgte enzo seinen traum, zum unabhängigen rennwagenhersteller zu werden. als frieden einkehrte, machte er sich an die arbeit und konstruierte den ersten wagen, der seinen namen tragen sollte. der ferrari 125 s aus dem jahr 1947 ist heute leider nur noch als replik im werksmuseum in maranello vorhanden, die damalige technik verwundert auch heute noch. ganze zwölf zylinder werkten bereits unter der motorhaube, aber lediglich 1.500 kubikzentimeter hubraum standen zur verfügung.

in den fünfziger jahren sollte ferrari zu dem aufsteigen, wofür der name heute steht. ferrari ist im formel1-zirkus mehr als ein fixbestandteil, der einzige hersteller, der seit anbeginn dieser weltmeisterschaft an den rennen teilnimmt und mittlerweile über 750 rennen bestritten hat. schon im ersten jahrzehnt konnte der rennstall ferrari vier weltmeistertitel verbuchen. fahrer mit klingenden namen wie alberto ascari oder juan manuel fangio pilotierten in diesen jahren die ferraris zum sieg. aber auch in anderen rennen konnte ferrari seinem ruf voll gerecht werden, siege bei der mille miglia, in le mans oder bei der tour de france fanden den weg in die geschichtsbücher.

da der rennsport mit enormen kosten verbunden war, entwickelte sich ferrari von der manufaktur für einzelmodelle zum kleinserien-hersteller von straßenwagen, um so die rennaktivitäten zu finanzieren. fahrgestelle und mechanik wurden meist von den rennwagen übernommen und lediglich marginal für die straße adaptiert. eleganz und laufkultur waren fortan mit tempo, kraft und schönheit untrennbar verbunden. die karosserien der ferrari-boliden für die straße entstanden in verschieden designschmieden. dabei führend waren die häuser touring, vignale, ghia und später, aber dafür dominierend, pininfarina. als erste kleinserie kann das 250 pininfarina coupé bezeichnet werden, etwa 350 exemplare wurden beinahe baugleich produziert. die reichen und schönen stürzten sich auf die straßenwagen von ferrari.

in den sechziger jahren musste enzo ferrari mit stark rivalisierenden konstrukteuren kämpfen. der wirtschaftsboom dehnte sich auch auf den automobilbereich aus und bemerkenswerte technische fortschritte veränderten den rennsport. nach stückzahlen gemessen war ferrari der kleinste mitspieler in der obersten liga des automobilsports, dennoch konnten die fahrer phil hill (1961 im ferrari 156 f1) und john surtees (1964 im 158 f1) die begehrte weltmeisterschaftstrophäe der formel1 gewinnen. diese dekade ist für liebhaber wohl die wichtigste in der ferrari-geschichte. die 250er modellreihe der 1960er jahre gilt heute als das highlight des italienischen sportwagenunternehmens.

diese reihe umfasste reinrassige rennwagen wie den legendären 250 gto aber auch familientaugliche straßenschlitten wie den 250 gte. in dieser zeit entstand auch die so genannte prototypen-serie. der 330 p3 und der 330 p4 wurden zu legenden der sportwagengeschichte. vor etwas mehr als vierzig jahren kämpften diese gegen eine armada an ford gt40 im 24-stunden-rennen von daytona und fuhren dabei einen historischen dreifachsieg gegen die hausherren ein. die gt40 waren zu dieser zeit die schärfsten konkurrenten von ferrari. nachdem enzo ferrari ein übernahmeangebot von ford abgelehnt hatte, machten die amerikanischen renner den italienern die vorherrschaft bei den verschiedenen rennserien streitig.

aber ganz ohne großen partner konnte ferrari nicht überleben, im jahr 1969 folgte der einstieg von fiat als teilhaber und technischen partner. heute hält fiat 85 % an ferrari. ab mitte der siebziger jahre begann bei ferrari der wandel von der manufaktur zur serienfertigung. der rennwagensport wurde mit ausnahme der formel1 aufgegeben. bei den straßenwagen mit zwölf zylindern folgte der übergang von den frontmotoren zu mittelmotoren, die baureihen berlinetta boxer und testarossa bestimmten über viele jahre hinweg das bild von ferrari in der öffentlichkeit.

es etablierten sich jedoch auch achtzylinderserien vom 308 bis zum heutigen f430. diese „kleineren“ fahrzeuge brachten dem unternehmen ferrari wirtschaftlichen erfolg und erfreuen sich bis heute größter beliebtheit. das meist produzierte fahrzeug der ferrari-geschichte, der 308, wurde durch die fernsehserie magnum zum inbegriff der begehrlichkeit. die achtzylinder-erfolgsstory setze sich danach fort und erreichte mit dem f40 einen technischen höhepunkt. der darauf folgende f50 und der 2003 lancierte supersportwagen enzo ferrari hingegen stellen die spitze des mittelmotor-zwölfzylinderbaus dar. aber auch der frontmotor-zwölfzylinder erlebte ganz im sinne des 1988 verstorbenen firmengründers eine bejubelte wiederauferstehung. mit dem 550 maranello und dem heutigen 599 gtb geht ferrari zurück zu seinen wurzeln und beweist, dass der frontmotor bei sportwagen durchaus zukunft hat.

im rennsport konnte ferrari in den siebzigern mit niki lauda nach einer längeren durststrecke wieder weltmeisterehren in der formel1 empfangen. danach kam erst ab 1999 wieder ähnliche begeisterung auf. mit michael schumacher kehrte ferrari an die spitze der formel1 zurück, der serienrekord von sechs weltmeisterschaften zeugt vom jahrelangen bemühen in die perfektionierung des motorsports. auch heute steht ein interdisziplinäres koordinationsteam bereit, um die erkenntnisse der rennerfahrungen in die serienfertigung zu implementieren. das schätzen die kunden weltweit. ob scheichs, oligarchen, popstars oder normal-reiche, bei vielen autoliebhabern mit entsprechendem taschengeld sind die roten flitzer noch immer die statussymbole schlechthin.

martina müllner
pool journal