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häufig gestellte fragen

was ist ihnen besonders wichtig?

meine familie und freunde, fast überall in der welt.

was würden sie sofort ändern, wenn sie es könnten?

ich würde durchsetzen, dass kriegsverbrechen endlich durch ordentliche gerichte bestraft werden und nicht, wie jetzt, dass die meisten täter ungeahndet davon kommen.

ihre lieblingsfarbe?

rot! ganz ehrlich ...

giving assistance
hilfestellung ist teil der menschlichen lebenskultur. ohne uneigennütziger, fremder hilfe würde unser seit menschengedenken von konflikten gebeuteltes zusammenleben auf der erde nicht funktionieren. zum humanistischen gedankenansatz der freiwilligen, ehrenamtlichen hilfe und betreuung der vergangen jahrzehnte hat das rote kreuz (ikrk) maßgeblich beigetragen. 1863 von nobelpreisträger henry dunant in der schweiz gegründet, gilt die hilfsorganisation als beständiges synonym für neutrale hilfeleistung am menschen. ein gespräch mit ikrk-sprecher florian westphal.

das rote kreuz gilt als einer der bekanntesten logos dieser welt. und nicht nur das. das gut sichtbare, gut erkennbare symbol assoziiert in sekundenschnelle, bei allen menschen dieser welt denselben gedanken: hilfeleistung und schutz! viele leben wurden mit diesem zeichen schon gerettet. bis in den entlegensten winkel der erde, verlautbart dieses symbol unabhängige, medizinische hilfe, schutz und friede - ohne rücksicht auf herkunft oder sozialen status. auch steht dieses zeichen in enger verbindung mit blut, mit „blut spenden“. der faktor der „freiwilligen“ spende zählt in diesem zusammenhang zu einem elementaren wesensbestandteil des mitte des 19. jahrhundert von henry dunant gegründeten roten kreuzes (ikrk). gerade in zeiten vornehmlich ökonomischer interessen und ebensolcher gesellschaftlicher ausrichtungen, wird dieser humanistische ansatz des „ehrenamtes“ zu einer säule der sinnhaftigkeit im menschlichen leben. ikrk-sprecher florian westphal über offenes zugehen auf menschen, über nachhaltige hilfe und das design des roten kreuzes.

lieber florian westphal, sind sie grundsätzlich ein sehr hilfsbereiter mensch?

man soll sich ja eigentlich davor hüten, sich selbst zu beurteilen, aber ich denke schon, dass ich mir mühe gebe, ein hilfsbereiter mensch zu sein.

was bedeutet es für sie persönlich, für ein hilfsunternehmen wie die internationale rotkreuz- und rothalbmond-bewegung zu arbeiten?

sehr viel! das engagement meiner mitarbeiterinnen beim internationalen komitee vom roten kreuz (ikrk) und der vielen freiwilligen helfer von nationalen rotkreuz- und rothalbmond-gesellschaften, die ich kennen gelernt habe, habe ich immer als sehr motivierend empfunden. die begegnungen mit so vielen verschiedenen menschen, die alle auf die gleichen ziele hinarbeiten wie ich, sind interessant und verleihen mir persönlich viel kraft und sinn. kürzlich zum beispiel habe ich bei einem kurs für japanische rotkreuzhelferinnen mitgewirkt, eine wunderbare gelegenheit, um einmal eine andere kultur näher kennenzulernen.

ehrenamtlich – also unentgeltlich – zu arbeiten, zu helfen, ist in unserer profitorientierten zeit eigentlich sehr unpopulär. das prinzip des „roten kreuzes“ ist aber gerade die freiwillige, unbezahlte hilfestellung. eigentlich ein anachronismus, oder ...?

ich glaube nicht, dass ehrenamtliche arbeit so unpopulär ist, wie man oft glaubt. viele leute engagieren sich tagtäglich, weltweit für das rote kreuz, ohne dafür bezahlt zu werden. wir beim ikrk werden bezahlt, aber die entscheidung, vielleicht einmal mehrere monate in einem gefährlichen, sehr oft abgelegenen konfliktgebiet dieser erde zu arbeiten, muss von jedem einzelnen ganz alleine getroffen werden. auch hier entsteht jede entscheidung auf einer freiwilligen entschlussbasis.

aus unternehmerischer sicht betrachtet wird das „rote kreuz“ in zukunft (leider) mit „hohen wachstumsraten“ rechnen können, wenn man sich die krisenherde der welt ansieht. wahrscheinlich wird auch nie weltweit friede und gerechtigkeit vorherrschen. wie definiert das rote kreuz seine ziele im vergleich zu klassischen unternehmerischen ausrichtungen?

ich hoffe natürlich, dass die schlimmen auswirkungen von kriegen eher ab- als zunehmen ... momentan sieht es allerdings leider nicht so aus. unsere ziele sind seit der gründung des ikrk im jahre 1863 im prinzip immer gleich geblieben: wir versuchen von bewaffneten konflikten betroffenen menschen so gut wie möglich zu helfen und ihnen schutz zu verschaffen - unabhängig davon, wer sie sind und auf welcher seite der front sie leben.

von der modebranche bis hin zum design-bereich - die menschen, marken, firmen suchen vermehrt nach einer gelungenen verbindung aus ökonomischer und sinnvoller, nachhaltiger tätigkeit. da könnte man doch einiges vom roten kreuz lernen?

auf jeden fall! die nachhaltigkeit spielt bei unserer tätigkeit eine besonders große rolle. wir versuchen kriegsopfern nicht nur kurzfristig zu helfen, sondern ihnen in weiterer folge auch zu ermöglichen, sich eine neue existenz aufzubauen. deswegen verteilen wir - sobald es geht - eher saatgut und werkzeug als nahrungsmittel. auch helfen wir zum beispiel minenopfern in afghanistan mit kleinkrediten und ausbildung, um ihnen zu helfen, eigenständig ihren lebensunterhalt zu bestreiten.

friede ist die basis menschlichen zusammenlebens. in friedlichen ländern empfinden die menschen lebenslust, schönheit und freude. was, meinen sie, kann der einzelne für mehr friede und freude auf der welt tun?

diese frage kann ich nur für mich persönlich beantworten. ich versuche auf alle menschen offen und ohne vorurteile zuzugehen! gerade in kriegsgebieten ist es wichtig, den menschen vor allem erst einmal zuzuhören. kriegsopfer sind nicht menschen, die passiv in erwartung der hilfe von außen vor sich hindümpeln. nein, dies sind selbständige bürger, die ihr schicksal in ihre eigene hand nehmen wollen. meistens sind es auch die direkt betroffenen, die sich am aktivsten für den frieden einsetzen.

das logo des roten kreuzes, ursprünglich dem schweizerischen kreuz der nationalflagge entnommen, zählt mit sicherheit zu den bekanntesten, ausdrucksstärksten symbolen der welt - mit hilfe und frieden als zentrale elemente. ein zeitloses zeichen, ohne ablaufdatum - heute eigentlich unglaublich ...

durchaus! das rote kreuz hat sich hervorragend behauptet, obwohl in einigen teilen der welt sein pendant, der rote halbmond, viel bekannter ist. das design ist einfach, einprägsam und deswegen gut. das symbol schützt verwundete, kranke und jene die ihnen zu hilfe kommen.

henry dunant gründete im jahre 1863 diese „freiwillige hilfsorganisation“ in der schweiz. spiegelt das rote kreuz in gewisser weise auch die friedliche, neutrale grundeigenschaft der schweiz wieder?

natürlich ist die geschichte des roten kreuzes eng mit jener der schweiz verbunden. unser hauptsitz befindet sich deshalb nach wie vor in genf. bis zum ende des kalten krieges (von 1945 – 1990, anm.) waren ikrk-delegierte fast ausschließlich schweizer, um das image der neutralität zu garantieren, zu bewahren. daran hat sich mittlerweile einiges geändert. henry dunant selbst hatte einen schweizer und einen französischen pass und fühlte sich – ebenso wie seine mitstreiter – stets der welt verpflichtet. übrigens: das erste mal, dass das rote kreuz auf dem schlachtfeld benutzt wurde, war im deutsch-dänischen krieg im jahre 1864.

„blut spenden“ bedeutet auch, etwas von sich geben ohne gegenleistung zu erwarten. könnte dies vielleicht auch eine prinzipielle eigenschaft für uns menschen sein?

auf jeden fall! es gibt viele leute, die ohne hoffnung auf gegenleistung anderen helfen. nicht nur in entlegenen katastrophen- oder kriegsgebieten sondern auch hier in europa. ich meine, so eigennützig sind wir menschen im grunde gar nicht ...

helmut wolf
pool journal