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häufig gestellte fragen

welche speise würden sie eigentlich nie ohne ketchup essen?

spiegelei-brot und wiener schnitzel vom kalb!

ihre lieblingsspeise?

gegrillte entenbrust mit rosmarin-kartoffel, von mir mit ketchup mariniert.

ihre lieblingsgewürze?

rosmarin und thymian

ihre liebste farbe?

rot, das war schon immer meine lieblingsfarbe, das hätten sie mich schon vor 15 jahren fragen können. in meinem wohnzimmer hängt ein bild mit rotem klatschmohn, das liebe ich sehr.

spice of life
tomaten, essig, zucker – drei doch sehr simple elemente, die zur basisrezeptur des tomatenketchups gehören. einfach und gut, so sollte das produkt auch ganz bewusst gestaltet sein, als henry john heinz das gleichnamige heinz tomato ketchup im jahre 1876 in amerika präsentierte. sein credo „gewöhnliche dinge, außergewöhnlich gut zu machen“, und seine ursprüngliche rezeptur gelten bis heute als leitfaden des weltweit umspannenden unternehmens.

wer von „echtem“ ketchup spricht, meint mit sicherheit „heinz“. den status des „originals“ zu erlangen, dazu bedarf es schon einiger grundlegender vorraussetzungen. mit sicherheit gehört dazu einerseits die legendenbildung des gründers und „marketinggenies“ henry john heinz, der im jahre 1869 im amerikanischen pennsylvania das unternehmen gründete, einige jahre später auch das flaggen-symbol des bundesstaates für das geschwungene logo-etikett auf den ketchup-flaschen verwendete. das heinz-logo war eines der ersten leuchtreklamen in new york, kurz nach einführung der straßenbeleuchtung. einem außergewöhnlich hohen qualitätsanspruch folgend wird das ketchup seit über 125 jahren kredenzt, „sichtbar“ gemacht in den legendär transparenten flaschen aus glas und kunststoff. worcestershire sauce, hp sauce, „baked beans“, tomatensuppe und andere feinkost- und würzsaucen aus dem portfolio der rund 5.700(!) produkte in über 200 ländern der welt haben ihr übriges zum kultfaktor beigetragen.

übrigens: das „57 varieties“-zitat, welches auf vielen heinz-produkten angeführt wird, entstammt den beiden ziffern „5“ und „7“, welche eine besondere bedeutung für henry john heinz und seine frau hatten. über die hohe beliebtheit der tomate, über leidenschaft und würze im leben und den gelungenen spagat zwischen ursprung und modernität ein gespräch mit jens plachetka, heinz-general manager für deutschland, die schweiz und österreich.

lieber herr plachetka, was, würden sie sagen, unterscheidet grundsätzlich das ketchup von den vielen anderen feinkost- und würzsaucen?

zum wichtigsten faktor beim ketchup zählt, dass es ausdruck eines gewissen lebensgefühls ist. es verströmt das feeling von freiheit, jugend, jugendlichkeit und nicht spießig sein. und, das sagen wir hier bei heinz immer wieder: es ist alles außer langweilig. ketchup ist auch immer ein bisschen provokativ. dies, so meine ich, ist der unterschied zu anderen feinkost- und würzsaucen.

woher, meinen sie, rührt der enorme erfolg des tomatenketchups?

ich sage einmal so: wir haben das große gück, dass die tomate und der tomatengeschmack an sich sehr beliebt bei den menschen sind. egal, ob ich tomaten mit mozzarella oder eben gegrilltes mit ketchup esse. das ist ein weltweiter trend, der alle kulturen miteinander verbindet.

ist die farbe rot ebenso ein erfolgsgarant für dieses gewürz?

unternehmensgründer henry john heinz meinte ja zur idee des tomatenketchups: das was die hausfrau mühsam selber herstellt, das vereinfache ich. ich gebe das produkt aber nicht in eine dose, was damals das wichtigste verpackungsmittel war, sondern in eine transparente glasflasche. dieses intensive, natürliche rot möchte ich zeigen und es wird ausdruck meiner qualität sein. der lebensbejahende ausdruck der farbe rot spielt dabei sicherlich eine große rolle. zudem ist rot grundsätzlich die farbe der leidenschaft und eines positiven lebensgefühls.

zeitlos und doch modern, eine umschreibung die auf die heinz-produkte durchaus zutrifft – und das seit 1869. wie schafft man diesen spagat zwischen der stetigen besinnung auf die wurzeln und einer zeitgemäßen adaptierung?

dieser spagat zwischen ursprünglichkeit und jetztzeit ist durchaus möglich. das wichtigste dabei ist, sie müssen immer auf das original setzen, beim original bleiben. natürlich können sie es verbessern, verfeinern, aber nie in eine andere richtung verbiegen. um sich jung zu halten, müssen sie versuchen immer wieder dinge oben drauf zu setzen, sei es durch light-, durch kids-variationen, sei es durch die verpackungsform. wir brauchen die innovation, aber genau so brauchen wir das original, in unserem fall eben die glasflasche. es ist so wie im leben, wir werden im laufe der jahre zwar älter, weiser, ruhiger, aber wir wollen genau so manchmal faxen treiben, neues ausprobieren, partys feiern ...

die schlanke, transparente flaschenform und das weiß-gold-grün umrandete etikett des tomato ketchups sind wesentliche image-elemente, die zum erfolg beitragen. wie schwer ist es, an solchen optischen grundsäulen zu rütteln, gerade wenn man sich die neuen flaschenformen, beispielsweise für das kids-ketchup, ansieht?

wenn sie sich die architektur ansehen, so ergibt es eine wunderbare mischung, wenn alt und neu aufeinander treffen. genau so ist es auch bei unserer ursprünglichen glasflasche, wo sich seit einigen jahren auch die kunststoffflasche hinzu gesellt. die form und das spiel mit der ziffer 57 („57 varieties“–erklärung, siehe oben), die als prägung auf dem kunststoff versehen ist, stellt die visuelle verbindung, den charakter zwischen alt und neu her. wir müssen heute einfach eine kunststoffflasche haben, weil die menschen immer praktischer werden, in bezug auf dosierung usw.. auch wissen wir aus untersuchungen, dass viele leute angst vor glasbruch und daraus resultierenden verletzungen haben. fazit: wir sehen den trend hin zu kunststoff, werden aber das original nie aufgeben!

heinz wird als das „original“ aller ketchups und vieler gewürze angesehen. wie behält man über so viele jahrzehnte solch einen status?

das original muss vom konsumenten immer wieder spürbar, erlebbar, fühlbar sein. wenn sie diese symbiose aus alt und neu schaffen, dann haben sie ein erfolgreiches produkt. diese mischung bringt uns im leben ja auch immer weiter. eine kleine anekdote: vor kurzem habe ich ein interview über einen betreiber einer internet-firma gelesen, der gesagt hat, er stellt keine älteren unternehmer ein, das durchschnittsalter sei 28 jahre. ich dachte mir, der macht einen großen fehler. würde er einen 55-jährigen einstellen, hätte er jemand mit großer erfahrung und könnte zudem jene zielgruppe erreichen, die am meisten zeit hat, im internet zu surfen. generell sage ich immer: natürlich sollte man sich im lauf der jahre weiterentwickeln, verändern, aber nie verbiegen lassen. der eigentliche fokus, den wir hier alle verfolgen, ist: qualität, qualität, qualität!

das bedeutet auch immer, dem verbraucher nahe sein ...

... ja, richtig. wir setzen uns auch immer mit so genannten fokusgruppen zusammen, fragen kinder, was sie nervt, beispielsweise nicht zu sehen, wie viel noch in der flasche ist, weil diese lackiert ist. wir haben dann gemeinsam mit den kindern eine lustige flasche mit augen entwickelt, auf deren seite sich ein transparenter streifen befindet, um zu sehen, wie viel inhalt sich noch darin befindet. die antwort liegt ja oft beim verbraucher selbst, hinzu kommt dann immer ein gewisses bauchgefühl.

ein zitat von unternehmensgründer henry john heinz lautet: einfache dinge außergewöhnlich gut zu machen bringt erfolg. klingt eigentlich ganz einfach, ist es aber scheinbar doch nicht, oder ...?

wir leben heute in einer zeit der massiven reizüberflutung. gerade wir im management haben oft das gefühl, wir müssen alles machen, auch als phänomen der „busy fools“ bezeichnet – also, alle sind ständig furchtbar beschäftigt ... die kunst besteht eigentlich darin, sich stets auf das wesentliche zu konzentrieren. und wenn du dich darauf konzentrierst, dann bemerkst du schnell: wichtig sind eigentlich nur die ganz einfachen, ganz banalen dinge. und wenn du diese simplen sachen dann sehr gut machst, produzierst, dann hast du erfolg. das hat henry john heinz mit diesem zitat gemeint, und ich sehe das genauso. wichtig ist natürlich auch zu wissen, was ich persönlich wirklich will.

auch kinder lenken einem ja oft wieder auf die wesentlichen, die kleinen dinge im leben hin ...

... stimmt, ebenso ältere, auch kranke menschen machen einem deutlich, wie viel unnötige sachen wir eigentlich oft machen und über welche unwichtigen dinge wir uns meistens aufregen. wenn man sich mit menschen in einfachen jobs unterhält, lernt man auch eine menge. zusammenfassend würde ich sagen: den blick für das wesentliche erhältst du nur dann, wenn du dich mit vielen menschen unterhältst.

helmut wolf
pool journal