20
 
   
plastic polo
es gibt wenige kleidungsstücke, deren status sich über viele jahrzehnte auf einem gleich hohen level bewegen. neben den jeans gehört das polo-hemd sicherlich zu dieser kategorie der „alltime-favorites“, quer durch alle länder und sozialen ebenen. attribute wie klassisch oder modern werden hier obsolet. dass es möglichkeiten gibt, dem polo-hemd eine neue note zu verleihen, dokumentiert die zusammenarbeit zwischen lacoste und dem industrie-designer michael young.

wer an das polo-shirt denkt, denkt unweigerlich an die französische marke lacoste. dessen gründer rené lacoste hat auf dem tennisplatz sprichwörtlich „den grundstein“ für das legendäre baumwoll-pikeehemd mit dem gerippten kragen gelegt. das polo-shirt hat seit der lancierung in den 1930er-jahren das kunststück geschafft, immer zeitgemäß zu sein und zu bleiben. im kern hat sich am sportswear-stil und der aufmachung des oberteils seit fast achtzig jahren nichts verändert, sieht man von neuen farben und musterungen ab. doch selbst bei den farben gelten die klassiker wie blau, grün, rot oder weiß als ewig-erfolgreiche „leuchtpfeiler“. dass es in sachen materialien und stoffkombination durchaus möglichkeiten gibt, dem lacoste-flagschiff polo eine zusätzlich schwungvolle note zu verleihen, ohne dessen seele und herkunft zu verfälschen, zeigt die zusammenarbeit mit dem industrie-designer michael young. der engländer gilt als einer der einflussreichsten designer seiner zeit. seine stahlkunstwerke vom centre pombidou und dem louvre sorgten schon anfang der 1990er-jahre für großes aufsehen. seine interieur- und einrichtungskollektionen für marken wie skin oder mandarina duck, das fahrraddesign für giant oder die kreation des bargeschirrs für schweppes tonic, haben dem designer den ruf eines allrounders eingebracht. sein bevorzugtes spiel mit materialien und kunststoff führte young schließlich auch mit lacoste zusammen.

hier experimentierte er mit kombinationen aus kunststoff und textilien, um so ein futuristisches polo entstehen zu lassen – das „plastic polo“. als inspiration für diese „limited edition“ für damen und herren fungierten dem designer michael young farbenfrohe, japanische gartenhandschuhe mit latexbeschichtung. das ironische spiel mit dem krokodil hat young in form des schuppenpanzers dargestellt, die von der brustseite bis über den rücken verläuft. in einem speziellen verfahren bilden sich blasen auf der pikee-baumwolle, welche ein plastisches krokodilmuster erzeugen. für klassik-fans und avantgardisten gleichermaßen interessant!

helmut wolf
pool journal