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are red lips really made for kissing?
lieben männer eigentlich wirklich rote lippen? diese frage habe ich mir noch nie gestellt, da es für mich bis jetzt nur eine eindeutige antwort dafür gab: nämlich ja!

john f. kennedy wurde vom roten schmollmund marilyn monroes regelrecht verzaubert und vladimir nabokovs romanhauptdarstellerin „lolita“ hat ihren stiefvater unter anderem mit ihren sinnlichen lippen verführt. auch wer in die geschichte zurück blickt, findet überall rote lippen als sinnbild für verlockung und schönheit: die ägyptische königin nofretete rötete vor knapp 5000 jahren bereits ihren mund mit hennalauge und ist mit ihren dunkel umrahmten augen und dem üppigen roten mund heute noch beliebtes vorbild für ein ausgewogenes make-up. queen elisabeth I. trug im 16. jahrhundert auffallend rot geschminkte lippen. im barock überdeckte man schmutz und krankheiten mit viel puder und tiefrotem lippenstift und auch später waren stummfilmstars wie theda bara und clara bow für auffallende rottöne berühmt. alle waren sich über eines einig: rote lippen wirken sinnlich, betörend und sexy.

doch nun der schock! zwar schauen männer gerne auf rote lippen und lassen sich auch gerne den so legendären roten kuß-abdruck von der geliebten auf die wange drücken, aber mit den eigenen lippen diesen optisch so anmutenden mund zu berühren ist nicht wirklich gefragt. anscheinend würde nur jeder fünfte mann einen mit rotem lippenstift dick bemalten mund küssen …

da frage ich mich: finden wir männer die verführung, das „verruchte“, die röte und das feuer der hölle anziehend aber lieben dann am ende doch die natürlichkeit?

natürlich gibt es dafür nicht nur eine richtige antwort. für einige männer - und ich denke vor allem für all jene, die single sind - wirkt rot wie bei stieren als signalfarbe, steht für flirtbereitschaft, lustvolle hingabe und leidenschaft. im gegensatz zu jenen männern, die ihre traumfrau bereits gefunden haben. sie lieben es natürlicher, vielleicht weil sie die eigene frau gerne auf ein podest der reinheit stellen. und doch lieben auch sie zwischendurch den roten mund, als provokation, vielleicht weil sie es mit etwas neuem, verbotenem in verbindung stellen.

über die lippen-vorlieben der männer könnte ich lange philosophieren und würde trotzdem zu keinem ende kommen. möglicherweise ist es deshalb einfach am besten bei dem zu bleiben, was uns einst der britische sänger cliff richard schon anfang der 1960er-jahre mit seinem hit gelehrt hat: „rote lippen soll man küssen, denn zum küssen sind sie da!“ ob er mit dieser schlichten, wie klaren aussage das rot eines lippenstifts oder die natürliche röte der lippen gemeint hat, spielt eigentlich gar keine rolle …

patrick taschler
pool journal