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häufig gestellte fragen

was inspiriert dich besonders?

reisen. menschen. freunde. pilates.

deine lieblingsfarbe?

ich habe zwei: rot und blau.

auf welches karamell-objekt bist du besonders stolz?

ich liebe das auslagenfenster, das wir für levi’s gemacht haben.

deine liebste süßigkeit?

„milk duds“ - eine traditionelle amerikanische süßigkeit. das sind kleine karamellkügelchen, die mit schokolade überzogen sind. ich kann eine ganze packung in zwei minuten verputzen ... und möchte danach noch immer mehr!

sexy amber-coloured liquid
für das kind ist naschen der wahre sinn des lebens. an oberster stelle dieses lebenssinns steht dabei der (dauer-)lutscher, auch lolly oder schlecker genannt. bei diesem „bonbon am stiel“ verschmelzen farbe, form und geschmack zu einem sinnlichen gesamterlebnis. dass dieser süße genuss ein leben lang anhält und gerade von erwachsenen geschätzt wird, dokumentiert der erfolg der wunderbaren bonbonläden papabubble in barcelona, amsterdam, tokyo und seit kurzem auch in new york.

„ich wollte immer einen ort schaffen, der mit herrlichen düften erfüllt ist, wo wundervolle süßigkeiten produziert werden und menschen freude empfinden“. die begeisterung tommy tangs schwebt in jeder silbe, in jedem, tag für tag produziertem naschobjekt mit. mit seinen bonbon-schauwerkstätten „papabubble“ in barcelona, amsterdam, tokyo und new york, verströmt tang und sein team die verführerisch süße aura und das sinnliche rundum-geschmackserlebnis der naschereien. doch hier nur von einfachen sweeties oder dauerlutschern zu sprechen, würde dem anspruch dieser süßen kunstobjekte nicht gerecht werden. von der grazielen floße der meerjungfrau, vom süßen bücherrücken bis hin zur „eßbaren“ jeans, dem kleinen designer-sessel oder reichlich verziertem baum, reicht die auswahl der phantasievollen dinge zum lutschen und schlecken. in den nasch-galerien der „caramel artesans“, wie sich das papabubble-team selbst umschreibt, kann der besucher zusehen, wie aus weichen, dehnbaren zucker-wasser-glukose-mischungen herrlich bunte und wohlschmeckende lollies und karamel-objekte werden. dass süßigkeiten keinen unterschied zwischen menschen machen, heißer, köstlicher zucker manchmal wunder bewirkt und süßes vielleicht sogar etwas zum weltfrieden beitragen könnte, erläutert karamell-kreateur tommy tang sehr einleuchtend im nachfolgenden gespräch.

lieber tommy, hast du in deiner kindheit auch schon immer gerne genascht?

absolut! ich war schon immer ganz versessen auf süßes essen. meine eltern sind große liebhaber von gutem essen. besonders mein vater, der aus ägypten stammt, war darauf bedacht, dass unser haus immer voll mit vielen köstlichen süßigkeiten war, die nach honig und rosenwasser dufteten. ich bin in einem kleinen städtchen in australien aufgewachsen, in dem es nicht den luxus eines kleinen bonbon-ladens gleich um die ecke gab, bei dem man sich schnell mal all seine „süßen wünsche“ erfüllen konnte. aber meine eltern waren diesbezüglich sehr verständnisvoll. sie hatten immer ganze schachteln und säcke voller süßigkeiten in der speisekammer. außerdem hat mein vater großeinkäufe bevorzugt. es war also keine seltenheit, dass er gleich mit 20 tafeln schokolade auf einmal nach hause kam …

wie entstand eigentlich die idee, eine „schau-werkstatt für süßigkeiten“ zu starten?

wie in vielen ländern der welt, gibt es auch in australien eine lange tradition handgemachter süßigkeiten. ich war einfach begeistert von der idee, ein traditionelles handwerk in einen äußerst modernen kontext zu bringen. im jahr 1997 habe ich dann mein erstes süßigkeitengeschäft in melbourne eröffnet. ich war noch sehr jung, total motiviert und wollte unbedingt mit dieser art von lebensmittel arbeiten. gleichzeitig war es ein großes bestreben von mir, mich mit diesem konzept in einer urbanen umgebung zu behaupten, märkte und trends mitzugestalten. mein freund crick war genauso versessen darauf, unsere idee zu verwirklichen. für uns war klar, dass wir mit unserer idee viel spaß haben werden. mein wissen über die herstellung von süßigkeiten habe ich von einem sehr schrägen, alten mann in australien, der seine werkstatt in einer art „riesigen banane“ untergebracht hatte – das reinste fantasieland! mein freund crick hat in dieser zeit industriedesign studiert, dadurch haben wir auch inspirationen aus dem design-bereich miteinfließen lassen, was viele leute vorerst für reichlich seltsam hielten. der australische markt ist aber sehr offen neuen, kreativen produkten gegenüber, und es war daher die ideale umgebung, um unsere ideen und fähigkeiten auszubauen und zu verbessern. wir haben viel über farben und geschmacksrichtungen gelernt und eine philosophie entwickelt, mit der wir nach europa gegangen sind und papabubble schließlich aufbauen konnten.

eure süßen kreationen – von kleinen möbeln bis zum buch-cover - sind sehr ästhetisch gefertigt, durchaus als kunstobjekte zu bezeichnen. seid ihr eher designer oder mehr handwerker, zuckerbäcker ... oder wie würdet ihr eure tätigkeit bezeichnen?

an manchen tagen fühlen wir uns wie alles auf einmal. selbst bezeichnen wir uns allerdings eher als handwerker. wir haben einen soliden sinn und eine große sensibilität für ästhetik, die wir auf alle unsere produkte anwenden. wir können den leuten allerdings nicht zustimmen, wenn sie sagen, dass unsere produkte viel zu schön zum essen sind. für uns ist der geschmack nämlich ausgesprochen wichtig!

was macht für dich den besonderen reiz aus, mit wasser, zucker, glukose etc. zu arbeiten?

diese drei zutaten sind die basis für unsere arbeit. wenn wir sie zusammen gekocht haben, entsteht eine heiße, „sexy bernsteinfarbene“ flüssigkeit. diese wird für den misch- und färbeprozess auf kalte platten gegossen. es ist immer wieder erstaunlich zu beobachten, wie sich ursprüngliche zutaten in etwas anderes verwandeln. mich persönlich fasziniert es am meisten, wenn ich den heißen topf zum waschen mit kaltem wasser anfülle ... der topf ist dann noch von einer heißen flüssigkeitsschicht bedeckt, die in etwa 140 grad celsius hat. wenn das kalte wasser auf diese fläche trifft, entstehen ganz außergewöhnliche reaktionen und formen. es ist schwer zu beschreiben - ein unheimlich schöner anblick. es bereitet mir viel freude zu sehen, wie fasziniert unsere kunden von unseren fertigkeiten und vorgängen sind! meine geheime fantasie spielt sich aber fern von ihnen, am grund meines topfes ab …

fröhliche farben sind sehr wichtig bei süßigkeiten. nach welchen kriterien wählst du farben bzw. farbmischungen für eure sweeties aus?

wir lieben farben! wir arbeiten mit tollen farbpasten, die zwar unsere hände total fleckig machen, unsere süßigkeiten aber so richtig zum glänzen bringen. eine unserer besten fertigkeiten ist es, süßigkeiten besonders glänzend zu machen, also dass der farbeffekt noch zusätzlich verbessert wird. die verwendeten farben wählen wir aus verschiedenen gründen aus. jeder, der hier arbeitet, hat seine eigenen vorlieben, was die verschiedenen kombinationen und techniken anbelangt. ich persönlich mag besonders die farben pink, rot und ein sehr zartes blau, das sehr schwierig herzustellen ist.

viele lollies wirken besonders in der farbe rot schön und ansprechend. woher meinst du rührt diese vorliebe für rot bei süßigkeiten?

rot ist erotisch. rot bringt uns zum lächeln. rot ist aggressiv. rot war in meiner jugend zwölf jahre lang die farbe meines schlafzimmers. rot ist eine lebensmittelfarbe. rot ist blut. rot ist sex. rot ist leidenschaft. rot verkauft sich gut - all diese eigenschaften machen rot zu einer äußerst kraftvollen farbe.

süße dinge zu genießen, sie mit der zunge abzulecken, hat sehr viel mit sinnlichkeit und lust zu tun. sind lollie-fans lustvolle genussmenschen?

ich würde sagen, das hängt von der art und vom geschmack des lollies ab – und davon, wer ihn ableckt! wir haben beispielsweise als teil einer sinnlichen produktreihe für „le bulle“ von „kenzo paris“ einen tollen, köstlichen lollie entwickelt. er hatte viele kleine löcher und beulen und hat sich im mund wirklich toll angefühlt. mit der zunge konnte man um die beulen herum und in die löcher hineinfahren. der lollie hatte eine ziemlich männliche, schaufel-ähnliche form, war im mund aber sehr weich und angenehm. nach den lollies mit kokosgeschmack war ich regelrecht süchtig! wir haben sie in kokosflocken gewälzt, damit die textur der kokosnuss auch optimal zur geltung kam.

ihr fertigt eure sweeties sichtbar für den kunden hinter der theke im shop an. wer dabei zusieht, beginnt unweigerlich zu schmunzeln, sich zu freuen. wollt ihr mit euren kreationen nicht nur gaumengenuss sondern auch freude verbreiten?

wir lieben es, die leute glücklich zu machen – das ist wirklich toll! süßigkeiten machen keinen unterschied zwischen den menschen. ein einfaches stück heißer, köstlicher zucker in deinem mund kann wunder bewirken …!

könnten süßigkeiten griesgrämige menschen auch heiter stimmen, ein bisschen etwas zum weltfrieden beitragen …?!

absolut!!!

gibt es spezielle gegenstände und dinge des lebens, die du in zukunft gerne aus karamell anfertigen möchtest, dich aber noch nicht getraut hast?

natürlich. wir haben einfach nicht die zeit, alle unsere ideen in die tat umzusetzen. ich finde beispielsweise blattgold ganz toll, weil es sehr exotisch ist und sich auf der zunge ganz besonders anfühlt. es wäre schön, wenn wir mehr zeit hätten, um diese technik weiter zu entwickeln. wir denken immer über die realisierung von neuen projekten nach. in kürze werden wir wahrscheinlich auch eine neue produktreihe an bio-süßigkeiten auf den markt bringen.

helmut wolf
pool journal