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keep quiet!
der romantische traum eines jeden individualurlaubers: ganz allein an einem abgeschiedenen platz umgeben von herrlicher natur und unendlicher stille. vom schnuckeligen 10-zimmer boutique-hotel über das kloster bis hin zum stadtpalais – magische orte, an denen der versuch der stille gelingen will.

tourismus und orte der stille – ein ganz schöner widerspruch. denn das eine verneint das andere. tourismus als der versuch, möglichst viele menschen möglichst gewinnbringend an einen ort zu transportieren, zu unterhalten und wieder abzukarren. stille als das beinahe göttliche prinzip des fehlens von akustischem müll. wie soll also das eine mit dem anderen zusammengehen? vor allem wenn man kein „sabbaticaljahr“ zu investieren hat, um auf einsamen wegen durch unbewohnte gebiete ein höchstmaß an stille aufzuspüren, sondern einfach nur ein kleines stückchen zeit, das sich gerade noch in den kalender quetschen ließ? die wichtigste prämisse bei einem urlaub, der dem innehalten und der ruhe dient: realitätssinn. man muss sich schon vorher damit abfinden, dass man zwar ein zimmer, nicht aber den sonnenuntergang, das restaurant oder die klösterlichen gemäuer für sich alleine buchen kann. wer das nicht akzeptieren will, sollte entweder eine vorratspackung ohropax mit sich führen oder dringend sein urlaubsmotiv ändern. denn selbst im kloster kann es manchmal ganz schön laut hergehen. wenn nonnen gemeinsam mit ihren besuchern auf zeit den abwasch machen oder hausarbeiten verrichten, passiert das nämlich auch nicht leiser als anderswo. beruhigend irgendwie, oder?

in ganz europa erfreut sich urlaub in klöstern wachsender beliebtheit. und: man muss nicht in jedem fall streng gläubig sein, um in einem kloster zu urlauben. zahlreiche klöster stellen es den besuchern frei, ob sie am täglichen ritus der ordensbewohner teilnehmen. „kloster auf zeit“ ist nicht nur für gestresste manager-seelen eine wahre wohltat. die einfachheit des lebens der klosterschwestern und ordensbrüder fasziniert – wie die breite auswahl an orten zeigt, an denen man den klosteralltag während eines urlaubs kennenlernen kann. es ist das wechselspiel aus gemeinschaft und zurückgezogenheit, das den besonderen reiz an einem urlaub im kloster ausmacht. wem die konfessionelle prägung dieses urlaubs missfällt, der hat dennoch an ausgesuchten orten auf der ganzen welt gelegenheit, kloster „light“ zu genießen. so zum beispiel im kölner stadthotel „burns“, einem kunstsinnigen designhotel in den gemäuern eines ehemaligen stiftes. ebenfalls ein erlebnis: das hotel „la sommitá“ an der apulischen küste italiens. das kleine boutique-hotel verfügt über zehn zimmer und suiten, die teilweise in ehemalige mönchszellen gebaut wurden. der sakralen architektur steht eine minimalistische inneneinrichtung gegenüber, die den klösterlichen eindruck nur noch verstärkt. hinter dezenten farben und klaren formen verbirgt sich allerdings ein exklusiver luxus, der mönchen ganz bestimmt verwehrt blieb: fußbodenheizung, kaschmirdecken und im badezimmer kosmetika von der mailänder nobelmarke „culti“. private dachterrassen machen möglich, dass man die stille auch mal nachts ganz exklusiv genießen kann.

ein ganz besonderes urlaubsziel für jemanden, der (auch) stille sucht, ist palma de mallorca. ja, sie haben richtig gelesen! in der ballermann-hauptstadt überrascht ein feinsinniges hotel, das sich selbst nicht ohne grund als einen meilenstein im „erforderlichen wandel der hotellerie in palma“ sieht: „palacio ca sa galesa“ heißt der zauberhafte ort, an dem möglich wird, was man in der überlaufenen stadt immer für unmöglich hielt: tourismus in einer neuen, qualitätsorientierten dimension, die ihresgleichen sucht. die wenigen zimmer und suiten verteilen sich großzügig auf ein stadtpalais in der altstadt palmas. im schatten der großen kathedrale kann man hier so unbehelligt genießen, wie man sich das für einen urlaub erträumt. selten trifft man einen anderen gast, der auch die beeindruckenden räume wie eine küche im stil monets, einen innenhof, die dachterrasse oder die bibliothek durchstreift. 3.000 quadtratmeter hotel für 12 zimmer machen es möglich, dass man sich hier nicht einmal vom diskreten service der hotelangestellten gestört fühlt. und ganz besonders, wenn man auf der dachterrasse irgendwo entfernt das aufgeregte treiben der touristen ahnt, wird dieses hotel zum inbegriff des urbanen ruhens. verstärkt wird dieses gefühl noch durch die zahlreichen annehmlichkeiten und liebevollen details, die die schweigenden guten geister des hauses vorbereiten. ob schaumbad mit champagnerbegleitung oder das arrangieren der verschiedenen zur auswahl stehenden kopfkissen – der luxus ist still – und gerade deshalb so gut!

martina müllner
pool journal