03
 
   
mensch, wirtschaft
gejammer wohin man hört. volkssport nummer eins, speziell der deutschen. frage: „hallo, wie geht's?“ standardantwort: „bin im stress“.
springe ich kürzlich an einem wunderschönen tag, die sonne war endlich mal wieder hervorgekommen, noch schnell in einen dieser etwas eher konventionellen schuhläden, um ein paar schnürsenkel zu kaufen. an der kasse geht's nicht weiter ... die kassiererin wird von einer kundin vollgeschwatzt: „ja, also und diese hitze ... ich, jammer, stöhn ...“. da ist mir doch glatt der kragen geplatzt: „meine güte, ist es am regnen, jammert ihr über den regen, scheint die sonne, ist es zu heiß! was ist los bei euch?!“ diese frage möchte man doch häufiger stellen, lässt es aber - weiß man als sensibler mensch doch - diese leute haben es wirklich schwer. denn wer das leben als ständige qual empfindet, dem müsste man eher noch etwas aufzumuntern versuchen, als sich besser fühlend, herabzuschauen und noch zuzusetzen.
der mensch ist die wirtschaft, und der wirtschaft geht es auch schlecht. gejammert wird bis zum himmel. doch das nützt nichts! denn von dort unternimmt auch niemand etwas. und genau das ist der springende punkt: niemand unternimmt was, wenn man nicht selber etwas unternimmt! das vermeintliche recht auf arbeit und ein wenig wohlstand sind passé - die zeiten haben sich geändert.
es verbreitet sich eine gewisse anarchie. immer wenn ich das mal so von mir gebe, will diese ansicht niemand mit mir teilen ... anarchie! - das hat was mit punks und randale zu tun, kann ja irgendwie nicht sein. aber was bedeutet denn anarchie? keine macht für niemanden! richtig - und genau das passiert immer mehr, die machtgefüge dezentralisieren sich ...
noch vor 200 jahren haben ein paar kaiser, könige und adelige - allesamt mehr oder weniger dem gleichen familienbaum abstammend, bestimmt, wo es lang geht. heutzutage entscheidet weitestgehend jeder selbst über sein leben. viele gruppierungen haben sich gebildet, jeder versucht so selbstbestimmt wie möglich zu agieren. die wirtschaft macht was sie will, politiker ebenso - der bürger sowieso. die welt, einst aufgeteilt in viele kleine bereiche, die in einer kette von oben ab regiert wurden, hat sich globalisiert. es gibt noch parzellen, aber auch viele andere ebenen in ganz unterschiedlichen dimensionen. bei dieser vielschichtigkeit blickt keiner mehr so richtig durch, es gibt viel eigendynamik ...
diese situation birgt ein großes potenzial, mit gesundem menschenverstand, kreativität und engagement, das eigene schicksal in die hand zu nehmen und etwas positives zu entwickeln. relativ frei und selbstbestimmt können individuell konzipierte lebens- und arbeitsmodelle realisiert werden. eine entwicklung, die vielerorts bereits deutlich zu erkennen ist. es kommt etwas in bewegung ... eine bewegung entsteht.
oft muss ich daran denken, was mir ein befreundeter schauspieler bei einer autofahrt erzählt hat. ihm war aufgefallen, dass sehr viele leute dazu neigen, ihre entscheidungen nach dem kriterium „wovor habe ich angst, was will ich verhindern“ und nicht nach „worauf habe ich lust, was möchte ich wirklich gerne machen“ treffen. fand ich sehr bemerkenswert, diese erkenntnis.
also: schluss mit jammern und klagen - beschwerden über ungünstige umstände werden ab sofort nicht mehr angenommen (wurden sie eh nie wirklich)! vorbehalte wegen vermeintlicher risiken, die eigentlich keine sind, über bord werfen - die parole heißt: aktion - mach, was du willst!
und als kleine anregung: vergesst alle religionen und „moralquasterein“: tu du keinem, was du nicht willst, das man dir tut, halt deinen popo schön sauber, und schon ist alles „schanti“ ...
kristyan geyr
pool journal