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häufig gestellte fragen
wofür nimmst du dir besonders viel zeit?
für meine 11 jährige tochter vivienne, die mir sehr viel kraft gibt für den tag. auch für meine frau salomee, die bei uns im product-development mitarbeitet und natürlich für unseren hund „gin“.
was ist dir besonders wichtig?
meine gesundheit. ich bin auch gerne „besitzlos“, obwohl ich mir vielmehr kaufen könnte. ich liebe es beispielsweise, nur mit jeans und t-shirt bekleidet durch mein leeres haus zu laufen ...
deine lebensphilosophie?
ich liebe die wahrheit, das echte. und ich liebe es zu faulenzen. bin aber ein sehr pflichtbewusster mensch und würde nie jemanden mit arbeit hängen lassen, das würde mich zu sehr belasten.
dein lieblingsbuch?
„das lolaprinzip oder die vollkommenheit der welt“ von rene egli
dein lieblingsfilm?
„das gefrorene herz“, ein wunderschöner schweizer film
dein bevorzugtes outfit?
also wenn es nicht von carhartt ist (lacht!), dann trage ich sehr gerne eine helmut lang-hose und dazu ein t-shirt von a.p.c.
gerne besitzlos
edwin faeh ist eine institution in der europäischen modebranche. seit über 30 jahren beeinflusst er das geschehen im jungen fashion-business mit, obwohl er sich am liebsten im hintergrund aufhält. sein gespür und seine liebe für „echte“ dinge drückt sich in seiner lebensweise wie auch in der definition der modemarke „carhartt“ aus, die er in europa aufgebaut hat und die als symbol für authentizität und modernität gilt.
„was ist, das ist.“ edwin faeh ist ein wahrheitsfanatiker, liebt das bodenständige, lebt sehr bewusst. „mein vater hat mich nicht zu gestylter ästhetik sondern zu einer gesunden lebensweise animiert.“ schon als kind in den 60er jahren wurde ihm der starke gesundheitsaspekt vermittelt, was sich nicht nur im geringen fleischkonsum sondern auch über die in den sixties noch exotischen yoga-übungen ausgedrückt hatte. bis heute ernährt sich der dynamische 50 jährige fast gänzlich nur vegetarisch, isst kein frühstück, trinkt viel grünen tee. „eigentlich ist mir gesundheit wichtiger als das geschäft“, verdeutlicht er seinen weg durch den alltag. das habe was mit starker disziplin zu tun, meint er, zudem finde man erst lust am leben, wenn man gesund ist. darum unterstützt und vermittelt er auch gerne seinen heilpraktiker, der seiner ansicht nach oft die deutlich besseren alternativen hat als die schulmedizin.
möglicherweise liegen die wurzeln dieser lebenseinstellung in der schweiz, in basel, begraben, wo faeh aufgewachsen ist, und mit deren landschaft und menschen er sich bis heute sehr stark verbunden fühlt. mit seiner hingabe zu authentischen, echten dingen, kam der vater einer heute 11 jährigen tochter schon bald mit den blauen baumwoll-hosen, den jeans, in berührung. und wie der zufall es so wollte, lernte er ende der sechziger jahre die beiden revolutionären jeans-avantgardisten marithé und françois girbaud kennen und schätzen. dabei wurde er auch in die „geheimnisse“ der „verwaschenen, ausgebleichten jeans“ eingeführt, welche ihn schließlich so stark inspirieren sollten, dass er 1973 in seiner heimatstadt basel den ersten jeansladen in der schweiz eröffnete. „die jeans haben wir damals selbst gewaschen und ausgebleicht.“ ein jahr darauf gründete edwin faeh mit seinen brüdern die jeansmarke „big star“, für die er insgesamt 20 jahre tätig war. nach zwei jahrzehnten im jeans-business – „ich war blau-geschädigt“ – führte ihn seine leidenschaft für pure „originals“ zu einer der originalen unternehmen für arbeitsbekleidung in den usa schlechthin: zum workwear-label „carhartt“.
1889 von hamilton carhartt gegründet, in amerika in dritter generation in familienbesitz und seit über 100 jahren garant für qualität und perfektionismus im bereich arbeits- und freizeitbekleidung. eine mischung, die genau seinem geschmacksnerv entsprach und das ideale fundament für eine „europäisierte“ version einer authentischen modemarke bildete. gemeinsam mit oliver drewes, einem kreativen avantgardisten, sammler und fan elektronischer musik, wurde in europa aus dem ursprünglichen workwear-image eine moderne, szenen-übergreifende modemarke definiert. die ursprünglichen kriterien des us-labels, „einfachheit, echtheit, qualität“ wurden beibehalten und mit urbanen stilelementen aus den bereichen sport, musik und jungem „artstyle“ angereichert. jene stilaspekte also, die heute den kernbegriff und die atmosphärische faszination der relaxten „streetwear“ darstellen.
mit rückhalt der mutterfirma aus dem us-staat michigan, die trotz über hundertjähriger historie noch keine lizenzlinien vergeben hat und auch keinen mengendruck vorschreibt, deren motto vielmehr „down to earth“ lautet, wurde der gestalterischen entfaltung und positionierung am europäischen markt rückhalt geboten. mit großem erfolg, wie sich nach fast zehnjähriger präsenz der carhartt-vertriebsfirma in europa - work in progress - sagen lässt. ein fashion-label, das grundsätzlich für modernität steht, ohne sich gesellschaftlich oder szene-mäßig eingrenzen zu lassen. „carhartt kann ein jeder tragen, ohne sozialer und gesellschaftlicher eingrenzung. das geht von szene-leuten bis zum dealer und verbrecher. selbst george w. bush trägt in der freizeit diese marke“, stellt edwin faeh das große spektrum dar.

lieber edwin, warum glaubst du gibt es eine so starke sehnsucht der leute nach sogenannten „authentischen, „echten“ dingen?
produkte haben auch ein leben. die leute spüren einfach, wenn hinter einem schönen produkt liebe, begeisterung, kontinuität und eine gewisse eigenheit steckt. es geht um eine eigenständigkeit, nicht austauschbar zu sein. es ist heute alles viel komplizierter geworden, und da kommen die klaren, einfachen philosophien einfach besser an. das heißt jetzt nicht, dass nur alte dinge oder historische marken wie carhartt funktionieren, aber sie erklären ihren sinn besser durch ihren langjährigen bestand.

vielfach wird beklagt, dass durch die zunehmende globalisierung auf der welt alles gleich aussieht, uniformierter wird. in jeder stadt dieselben kaufhäuser, dieselben modeketten, dieselben fast-food-restaurants, dieselbe musik. wie siehst du diese entwicklung?
also ich beachte die globalisierung einfach nicht, ich spaziere einfach daran vorbei ... klar hat es damals keinen h&m, keinen zara usw. gegeben - und als ich letztens in lissabon war, sah ich auch plötzlich eine h&m-filiale in bester 1 a-lage. aber wir müssen halt mit dieser globalisierung leben und dürfen auch nicht die vielen vorteile übersehen. durch handelsketten wie den weltweiten „starbucks“-filialen beispielsweise, wird auch konsum von leuten generiert, die vielleicht sonst nie in ein kaffeehaus gegangen wären. klar haben viele unternehmen, speziell die kleineren, mittelmäßigen einzelhändler, ihre mühe mit dieser entwicklung. auch viele unserer kunden tun sich schwer. ich glaube jedoch, früher oder später wird sich eine gegenbewegung formieren, die etwas anderes will und die sagt: „wir wollen diesen ganzen globalen kettenscheiß, der überall gleich aussieht, nicht mehr!“

was glaubst du, macht die faszination von „carhartt“ aus? der preis für ein kleidungsstück von carhartt liegt ja deutlich höher als der vieler anderer marken?
ich glaube oder vielmehr weiß mit bestimmtheit, dass unsere produkte qualitativ deutlich besser sind und eine viel längere lebensdauer haben als die der ganzen billiganbieter. zudem unterstützen wir unsere eigenen kunden durch sponsor-tätigkeiten. wir wollen sozusagen denen unser geld zurück geben, die uns geld geben! darum supporten wir die ganze boardsport- und musikszene, wie jugendkultur im allgemeinen. der größte teil unseres marketingbudgets fließt zur jugend und nicht in teure anzeigen. die jugend bestimmt unseren weg, jugend ist echt! und wenn sich andere trends entwickeln, werden wir uns auch dort engagieren und offen für alles sein. wir sponsern auch kunst und kreativität, beispielsweise das projekt „art unlimited“, die im zuge der kunstveranstaltung „art basel“ abgehalten wird und avantgardistische kunstformen forciert. eigentlich unterstützen wir alles, was für modernität steht. carhartt, dass ist mode für den modernen zeitgenossen.
helmut wolf
pool journal