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the office as a living space
„ob kleidungsstück, magazin, tisch, sessel oder design-gegenstand - jedes produkt braucht freiraum zur entfaltung, um wirken zu können.“ thomas bene, vorstand des gleichnamigen spezialisten für büros und arbeitswelten, drückt damit die grundlegende ausrichtung der europaweit agierenden bene ag aus. mit anpassungsfähigkeit und hoher qualität überzeugen die produkte die londoner börse ebenso wie die europäische firmenzentrale von shell und anderen namhaften unternehmen. ein gespräch mit thomas bene über das büro als lebensraum und die besprechung als unternehmensritual.
das büro ist heute nicht nur arbeits- sondern lebensraum. viele menschen verbringen dort die meiste zeit des tages, möglicherweise ihres lebens. welchen einfluss, glauben sie, haben büromöbel auf unser empfinden, unsere arbeitsleistung?
ich denke ganz allgemein, dass das büro wieder einen neuen stellenwert bekommen hat. das war in den vergangenen jahren konjunkturbedingt nicht immer so. das büro als ort der begegnung hat wieder eine neue bedeutung, eine neue funktion erhalten. früher war es eben so, dass jeder mitarbeiter seinen fixen arbeitsplatz hatte, mit einem tisch, einem anhängeelement mit computer usw., das hat sich heute in unterschiedliche arbeitsmodelle aufgeteilt. nach einer studie des beratungshauses „twenty four seven“, die das anwesenheitsverhalten von mitarbeitern im unternehmen analysiert hat, haben sich drei große arbeitstypen in den unternehmen herauskristallisiert: das sind die stationären, die mobilen und die wechseltypen, also jene mitarbeiter, die innerhalb der firmen öfters den arbeitsplatz wechseln. 60 % der mitarbeiter in den büros gehören dabei schon zu den mobilen bzw. wechseltypen. es ist also für mehr als die hälfte der leute nicht mehr notwendig einen vollwertigen arbeitsplatz herzustellen. die klassischen back-office-zonen werden zurück gedrängt. die dadurch gewonnenen flächen stellt man mehr und mehr der kommunikation und interaktion zur verfügung, für besprechungen, café-lounges und ähnliches. dies beobachten wir als generelle entwicklung. für diese neu entstandenen zonen versuchen wir lösungen, konzepte und antworten anzubieten.

wie eng ist die identität eines unternehmens mit der raumgestaltung verbunden?
der aspekt identität gehört bei bene fast zum wichtigsten begriff. wir sind der festen überzeugung, dass es einen starken zusammenhang gibt zwischen der identität, der raumgestaltung und dem erfolg eines unternehmens. firmen, die über eine eigene identität verfügen und dies über eine entsprechende architektur, ein entsprechendes design und der einrichtung zeigen, sind erfolgreicher. wir sehen das bei unseren kunden in europa wie generali, eon ruhrgas, boeing in moskau, swarovski, apple deutschland oder coca cola beispielsweise, das sind alles firmen mit einer sehr starken identität. diese identität wird eben auch über die einrichtung, über das „corporate design“ kommuniziert – nach außen wie auch nach innen. die mitarbeiter in diesen firmen spüren förmlich, für welches unternehmen sie arbeiten. auch die oben angesprochenen mobilen und wechseltypen, die nicht jeden tag im firmengebäude unterwegs sind, spüren, wenn sie in das gebäude eintreten, für welche firma sie arbeiten.

nehmen sie sich also bei identitätsstarken unternehmen mit vorschlägen in bezug auf stil und design eher zurück?
das wesen der identität entsteht im grunde nicht durch ein einzelnes möbelstück und ob es in rot, braun oder gelb gestaltet ist. identität entsteht dadurch, dass ich das raumkonzept an die jeweilige firmenphilosophie anpasse. wenn es sich nun beispielsweise um ein unternehmen mit flachen hierarchien handelt, wo kommunikation und interaktion im vordergrund stehen, wird es wahrscheinlich größere büroraumformen geben, damit die leute schnell und unkompliziert kommunizieren können. das ist natürlich in einer klassischen steuerberatungskanzlei anders, wo es wichtig ist, dass die leute einzeln sitzen und konzentriert arbeiten können. hier werden eher einzel- oder zweierbüros notwendig sein. die umsetzung der identität entsteht im raumkonzept. wir haben dabei aber immer auch den anspruch, dass wir unserer design-kompetenz in bezug auf qualität und linie treu bleiben.

was ist für sie gutes design in bezug auf büroraumgestaltung?
gutes design muss für sich selbst wirken können. es sollte aber nicht allzu „ikonenhaft“ sein, sich in das gesamte gut einfügen können. wir sagen unseren kunden: du kannst sehr offen, sehr breit an das thema design-gestaltung deines büros herangehen und dich zuletzt für die optik, die form, die oberflächen und materialien entscheiden. der begriff selbstähnlichkeit ist in diesem zusammenhang, so meine ich, sehr wichtig. der auftritt einer marke, eines unternehmens - auch der unserer firma - sollte im design wieder erkennbar sein.

stichwort: besprechung! das meeting im besprechungszimmer gehört zu einem wichtigen teil des alltags im unternehmen, zu einer art ritual. was muss ihrer meinung nach ein besprechungszimmer haben, um produktive und interessante meetings zustande zu bringen?
das büro ist heute unabhängig von zeit und ort. alles ist flexibler, mobiler geworden. das büro wird dabei mehr und mehr zum lern-ort, zur wissensbörse. ich bin der festen überzeugung, dass 80 % aller innovationen immer noch face-to-face entstehen - also wenn man sich gegenüber sitzt, gemeinsam auf einem blatt papier etwas entwickelt. information kann ich delegieren, innovation jedoch nicht. das thema besprechung bleibt deshalb nach wie vor ein wichtiges instrument. spannend ist dabei zu beobachten, dass beispielsweise besprechungen im stehen eine dynamischere wirkung haben als im sitzen. für die so genannten „stand-up“-meetings haben wir einen eigenen tisch entwickelt, der sehr kommunikativ und anregend wirkt. hier entsteht konzentration durch bewegung. natürlich gibt es verschiedene typologisierungen von besprechungen: eine vorstandssitzung läuft anders ab als ein workshop-meeting, wo kreativität gefragt ist. jede besprechung erfordert je nach typologie der menschen und firma unterschiedliches mobiliar.

wo halten sie besprechungen am liebsten ab?
am liebsten sind mir unkomplizierte besprechungen, wo man sich hinsetzt, einen kaffee trinkt und anregend plaudert. ich mag sehr gerne die exogene stimulation, also wenn verschiedene einflüsse von außen kommen, sich etwas bewegt.

wo und wie verarbeiten sie die informationen, die sie unterwegs aufnehmen?
mein mobiles arbeitsinstrument unterwegs ist natürlich mein laptop. und dann habe ich ein notizbuch, wo ich mir ideen und anregungen notiere und diese später verarbeite.

glauben sie, kann man durch ein strukturiertes bürosystem tendenziell chaotisch veranlagte menschen zu einem verbesserten ordnungssinn verhelfen?
ja, ganz sicher. es gibt da diesen sehr passenden spruch eines architekten, der meinte: „zuerst bestimmen wir das umfeld und dann bestimmt das umfeld uns.“ dies ist auch unser leitspruch in gewisser weise. wir versuchen, gute dinge beim kunden zu hinterlassen in der hoffnung, dass es ihn positiv beeinflusst.
helmut wolf
pool journal