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art of the trench
seinen ursprung und namen verdankt der trenchcoat so praktischen gründen, dass man ihm seine rolle als stetig neu dekliniertes stilelement kaum zutrauen möchte: dem schlechten wetter in england und dem ersten weltkrieg. thomas burberry schenkte mit diesem regenmantel nicht nur den englischen offizieren einen praktischen schutz gegen wind und wetter in den schützengräben sondern seinem gleichnamigen modehaus ein evergreen, das bis heute im zentrum der englischen traditionsmarke burberry steht.
humphrey bogart trug ihn in „casablanca“, audrey hepburn in „frühstück bei tiffany“ und winston churchill bei jedem öffentlichen auftritt. auch die agenten von scottland yard scheinen mit ihren mänteln das allgemeine bild des detektivs so ausschlaggebend geprägt zu haben, dass selbst die tv-ikone inspektor columbo alias peter falk stets im trenchcoat ermittelte.
wie die jeans hat es auch der trenchcoat geschafft, vom praktischen gebrauchsgegenstand zum festen bestandteil der westlichen modewelt zu werden. trotz oder gerade wegen seiner langen geschichte lässt sich der trenchcoat jede saison aufs neue entdecken. bereits 1856 eröffnete thomas burberry in hampshire sein eigenes textilgeschäft und erfand den robusten, wasserdichten und gleichzeitig atmungsaktiven baumwollstoff „gabardine“, den er sich 1880 patentieren ließ. zu seinem ersten großen auftritt kam dieser neu entwickelte stoff im ersten weltkrieg. der auftrag lautete damals, die offiziere der britischen armee mit geeigneten regenmänteln für ihren einsatz in den schützengräben auszurüsten. so entstand aus dem englischen wort „trench“ für schützengraben und „coat“ für mantel der name für einen modeklassiker par excellence. trotz seiner schlammigen ursprünge gilt dieser bis heute als sinnbild für lässige, britische eleganz.
obwohl der name burberry immer noch als inbegriff dieses besonderen regenmantels gilt, zieht sich der trenchcoat inzwischen wie ein roter faden durch viele kollektionen internationaler designer. auf diesen kultstatus lässt es sich schließlich gut aufbauen. trotz zahlreicher designvariationen in stoff, schnitt, länge und details bleibt der trenchcoat immer unverkennbar: zweireihig geknöpft mit manschettenriemen, mit schulterklappen und bindegürtel verleiht er seinem träger einen gewissen schneidigen eindruck, wie ihn auch offiziere verkörpern.
das phänomen der unsterblichkeit dieses mantels, der neben dem berühmten karo-muster namens „nova-check“ das markenzeichen des unternehmens burberry ist, erklärt sich laut christopher bailey, seit dem jahr 2001 chefdesigner bei burberry, ganz pragmatisch: „das geheimnis liegt darin, dass der trenchcoat nicht als modeobjekt sondern als praktisches kleidungsstück erfunden wurde.“ damit kann er der zeit stand halten, kommt gleichzeitig nie aus der mode und kann sich doch stetig weiterentwickeln und neu interpretieren lassen, ohne seinen speziellen charme einzubüßen.
das traditionelle, englische modehaus burberry hält seit jeher an seinen wurzeln und damit auch an dem kultobjekt trenchcoat fest. in jeder kollektion spielt der berühmte mantel, den man lässig offen oder streng in der hüfte geschnürt trägt, die hauptrolle. der 36-jährige kreativdirektor christopher bailey beweist fingerspitzengefühl im umgang mit den firmenwurzeln des traditionellen unternehmens und seinen eigenen innovativen interpretationen. bailey lässt den trenchcoat als eigenständigen, unabhängigen protagonisten auftreten und schafft damit in jeder seiner kollektionen eine kleine hommage an dieses kleidungsstück. ein funktionelles modeprodukt, das immer für sich alleine steht und nicht nur als „überzug bei schlechtem wetter“ gilt.
auch die prêt-à-porter-herren-kollektion im kommenden herbst/winter, „burberry prorsum“, mit der in mailand die “moda uomo” eröffnet wurde, zeigt mode im klassischen militärstil. die wadenlangen trenchcoats sind in gedeckten farben von nachtblau bis tiefschwarz gehalten und verfügen über eine strenge, eng taillierte silhouette. zusätzlich zu manschetten an den ärmeln und schulterklappen deuten vor allem die gestärkten, großen, aufgestellten revers der mäntel auf ihre ursprüngliche funktion als offiziersrobe hin. der gebürtige brite christopher bailey zeigt in dieser kollektion den trenchcoat zum ersten mal wieder in seiner ursprünglichen, militärischen form. einmal mehr erhält damit das markenzeichen des über 150 jahre alten hauses burberry seinen wohlverdienten platz in der liga der geschichtsbewussten zukunftsmarken. zudem wird hier ein weiterer beweis geliefert, dass originale einfach nie aus der mode kommen.
isabel baier
pool journal