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it smiles
es gibt wenige autos, die beim anblick ein lächeln auslösen – und zurücklachen. der smart kann das von sich behaupten. mit einer bewusst positiven und individuellen formensprache startete das fortwo-modell vor rund 10 jahren und sorgt seitdem für viel aufsehen und fröhliche momente, vorwiegend auf großstadtstrassen. hartmut sinkwitz, head of design smart, betont im nachfolgenden gespräch nicht nur den hohen sympathie-effekt sondern auch den ebenso hohen funktionsgehalt des wendigen kleinautos.
mit dem smart auf der autobahn? ja, durchaus, wenn es sich nicht um eine großfamilie und tausende kilometer wegstrecke handelt. „der neue fortwo ist durchaus noch einmal langstrecken-tauglicher,“ ist hartmut sinkwitz, seines zeichens leiter design und „formenerfinder“ des smart’s begeistert über das nach dreijähriger entwicklungsphase neu erscheinende modell. mit deutlich markanteren zügen und entschlossenerem blick wird der smart fortwo ab april dieses jahres sicherlich wieder viele menschen zum schmunzeln bringen. „es ist ein soziales auto, ohne arm zu sein,“ umschreibt sinkwitz die charakteristische aura dieses fahrzeugs aus dem hause daimler chrysler. aber es ist nicht nur das dynamische erscheinungsbild, welches den smart umgibt. „er nimmt einfach weniger platz weg und erweist sich als nützliches gefährt. gerade in der großstadt erleichtert er einem extrem das leben,“ so sinkwitz. und mit welchem gefährt kann sogar das einparken spaß machen? die skulpturale ausprägung und das comic-hafte „gesicht“ des smarts gelten als prägendes kommunikatives statement. „die leute blicken interessiert in das auto hinein, wollen sehen, wer den smart fährt,“ betont der design-leiter die ausstrahlung des fahrzeugs und deren besitzer auf interessante, individuelle menschen. entsprechend groß ist auch die inspirative wirkung auf künstler und kreative, die im gemeinsamen austausch mit dem hersteller schon viele sondereditionen und ungewöhnliche projekte auf die beine oder vielmehr „reifen“ gestellt haben.

lieber hartmut, konzipierte man mit dem smart bewusst ein lustiges, ein fröhliches auto im kontrast zum gediegenen mercedes aus demselben hause?
ja, das war schon so gewollt. als markenkern, als grundeigenschaft haben wir klar die lebensfreude definiert. zudem schwingt hier ein sozialer charme mit, weil man den leuten und der umgebung einfach weniger platz wegnimmt. man ist gerne gesehen auf der strasse und die leute schauen aufmerksam in das auto hinein. diese freude soll sich im „gesicht“ des autos spiegeln – und umgekehrt. der smart soll bei den kunden und menschen durchaus eine gewisse positive grundstimmung erzeugen. beim neuen fortwo-modell ist das genau so. obwohl hier schon markantere züge zum tragen kommen, der grill etwas strenger gestaltet ist, hat man noch immer das gefühl, dass er die augen aufschlägt. er lacht einen förmlich an. bei der gestaltung haben wir den fröhlichen charakterzug vielleicht auch unbewusst stark betont.

wie wichtig ist es für dich als designer in unserer schnelllebigen zeit ein gewisses zeitloses konzept zu erreichen?
als designer kann ich nur darauf sagen, dass es sozusagen ehrensache ist, zeitlosigkeit im design erreichen zu wollen. ich und viele designer nehmen sich das ja gewissermaßen vor. manche elemente jedoch unterliegen einem alterungsprozess, das ist einfach so. man könnte sogar ganz streng sein und sagen: es gibt gar keine zeitlosigkeit. gerade im autosegment ist es ja so, wenn ein neues modell am markt erscheint, wird das vorgängermodell automatisch zum „alten modell.“ das prinzip der alterung kannst du auf jeden anderen bereich umlegen, beispielsweise auf die mode, die musik oder die technologie. egal wie gut design auch sein mag, darin spiegeln sich immer strömungen einer gewissen zeitperiode, eines jahrzehnts, welche irgendwann vielleicht nicht mehr so gültig sind.

das neue „fortwo“-modell hat sich ja auch nicht allzu stark verändert, was auf ein starkes grundkonzept hindeutet ...
ja, die grundstruktur dieses konzepts ist durchaus einmalig. wenn du dir die figur ansiehst, ist diese nun nicht unbedingt so außergewöhnlich, verläuft ähnlich wie die eines miniaturisierten vans. es ist vielmehr die dimension und die proportion, die den smart so besonders macht: die langgezogene, abfallende hecklinie und viele andere dynamische elemente. wir müssen und wollen einfach der proportion treu bleiben, aufrecht in der höhe bleiben und harmonisch wachsen. ich denke, wir haben da den richtigen mix zwischen angenehm vertraut und frisch und neu gefunden.

wie siehst du die gelungene verbindung zwischen design und funktion?
im letzten sommer haben wir einen design-workshop veranstaltet, wo unser hauptredner sehr treffend über diese verbindung gesprochen hat: das emotionale stellt die „qualität der verfügung“ dar, also dass die leute lust bekommen, ein produkt zu kaufen und auch freude darin finden. die „qualität des gebrauchs“ besteht darin, dass das ding im alltag funktioniert, sich als nützlich erweist und ebenso freude bereitet. wenn ich also mit dem smart in eine parklücke hinein komme, in die ich mit einem anderen auto absolut nie passen würde, dann bindet das sowohl den aspekt der lebensfreude als auch der nützlichkeit mit ein. wenn man kreativer an das parken herangeht, kann das sogar spaß machen ...

im vorjahr ist smart auch in den usa gestartet, wo ja traditionellerweise eine kultur des großwagens vorherrscht. wie schätzt du den amerikanischen markt in bezug auf den smart ein?
die usa befindet sich derzeit in einer großen umbruchsituation. gerade die dort ansteigende sensibilität für die umwelt, der vormarsch so genannter hybrid-autos und die massiv steigenden spritpreise erzeugen eine große offenheit einmal über den grundsätzlichen sinn großer autos nachzudenken. hier bietet der smart durchaus kommunikative vorteile. gerade in den metropolen ist der parkvorteil natürlich von großem nutzen. ja, wir denken schon, dass in rund zwei jahren der smart beispielsweise in new york und anderen großen metropolen sehr häufig zu sehen sein wird. amerikaner sind sehr emotional in ihrer beziehung zu ihrem auto. oft besitzt eine familie vier, fünf autos. obwohl wir in amerika mit keinem generellen trend zu kleinautos wie in europa rechnen, so sind wir doch sehr zuversichtlich, als auto für kurzstrecken gut angenommen zu werden.

das auto symbolisiert individualität, regt kreativität an und macht mut „grenzen auszuloten“, wie das mit etlichen kunstprojekten oder dem „monster-truck“-projekt „smart forfun2“ dokumentiert wurde. wo liegt da der ansatz für ihre aktivitäten?
wie stark sich das auto zur individualisierung eignet, zeigt alleine die hohe eigeninitiative der händler, die hier sehr viel image-arbeit bei den leuten leisten. im vorjahr haben wir beispielsweise über 20 wochen lang jede woche ein neues sondermodell in außergewöhnlichen ausstattungen vorgestellt und in einer zeitung publiziert. als basis fungierte dabei das bild, wie sich designer in den jeweiligen großstädten das auto vorstellen könnten. darauf haben wir aufgebaut und diese sondermodelle und künstlerischen kreationen umgesetzt. es wird da sicher auch in zukunft wieder eine reihe sondereditionen und aktivitäten geben, die den positiven geist des smart’s auf den strassen weiter leben lassen.
helmut wolf
pool journal