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häufig gestellte fragen
was findest du in japan, das du sonst nirgends findest?
ich denke da gleich an diese kleinen kissen mit dem ganz besonderen duft, welche du in deinen kleiderschrank hängen oder unter dein kopfkissen legen kannst. ich glaube, man bekommt dieses nur in der stadt kyoto ...
dein liebster ort bzw. platz in japan?
das ist mit sicherheit der „tsukiji fish market“ in tokio.
deine liebste japanische musik?
ich habe da eine musikgruppe entdeckt, die „organ o rounge“ heißt. die gruppe hat für meine vorige winterkollektion in paris die musik live eingespielt und ist ganz toll.
dein liebstes modeteil?
das hängt eigentlich immer ganz von meiner momentanen stimmung ab, in japan sind es aber wahrscheinlich die socken!
water, light and naked feet
japan und europa, zwei kulturelle welten mit einer ganz besonderen beziehung zueinander. so unterschiedlich und gegensätzlich sich die lebensweisen der menschen dort und da auf den ersten blick darstellen mögen, die berührungspunkte beider kulturen sind heute so offenkundig wie noch nie. das weiß auch die französische modeschöpferin agnés b., deren label seit über 20 jahren auf den japanischen inseln zu haben ist. heute gibt es alleine in tokio 22 agnes b. stores, in ganz japan 111.
es sind nicht nur shiatsu, sushi, grüner tee oder die laufend neuen elektronischen gadgets, die uns europäer mit japan verbinden. die nähe zwischen japanischen und europäischen menschen begründet sich gewissermaßen auf einer beidseitigen faszination. sowohl im land der aufgehenden sonne als auch in europa wirken traditionen gepaart mit sozialer und kultureller aufgeschlossenheit identitätsbildend. in den urbanen lebensräumen herrschen ähnliche ästhetische codes vor, spielen mode, film, kunst, essen und eine zunehmende suche nach spiritualität eine große rolle. dass es aber dennoch enorme unterschiede im ansatz und in der betrachtungsweise des lebens gibt, darüber herrscht einigkeit. über japanische kontraste, geradlinigkeit und den hohen stellenwert von wasser und licht - ein gespräch mit der französische modemacherin agnés b.

liebe agnés, worin liegen für dich als europäerin die besonderheiten am japanischen markt?
für mich stellt sich der japanische markt voller kontraste und unterschiede dar. verrücktheit trifft auf konventionalität, so könnte man es meiner meinung nach am besten umschreiben.

du bist als französische modeschöpferin seit über 20 jahren am japanischen markt erfolgreich tätig, betreibst über 100 filialen in japan. welchen „nerv“ glaubst du triffst du mit deinen kreationen bei deinen „nippon“-kunden?
vielleicht ist es das so typisch französische, die französische anmutung meiner designs. der pariser look, dieser ganz spezielle atmosphärische flair der stadt hat schon immer japanische frauen verführt. meine stilistischen linien sind zudem sehr geradlinig und grafisch, dies kommt dem japanischen empfinden für ästhetik und emotionalität ebenfalls sehr entgegen.

sprichst du japanisch oder lässt du sozusagen deine mode für dich sprechen?
ich spreche leider nur ein paar wörter, meine mode „sagt“ dafür einfach alles ...

gibt es produkte aus deinen kollektionen, von denen du weißt, dass diese speziell in japan gut angenommen werden?
ich hoffe natürlich immer, dass die produkte meiner kollektionen grundsätzlich und weltweit gefallen finden. aber es ist schon so, wenn ich neue kleider entwerfe, denke ich immer auch an den japanischen markt.
speziell die japanische körperstatur spielt eine große rolle bei der kreation meiner modelle. dabei versuche ich immer, den schnitt perfekt auf die japanische statur anzupassen. manche produkte für den japanischen markt entwerfe ich auch in speziellen farben. die dortige business-frau trägt einfach keine exzentrische kleidung, dafür biete ich beispielsweise spezielle grautöne und eine größere, nuancierte farbauswahl in japan an. im vergleich zu europa oder den usa verwende ich ebenso deutlich unterschiedlichere materialien und stoffvariationen.

junge, japanische konsumenten gelten als ausgesprochen offenherzig in bezug auf progressive, europäische mode und kunst. andererseits gibt es ein sehr stark ausgeprägtes traditionsbewusstsein. wie erklärst du dir diesen kontrast zwischen alt und neu?
dieser scheinbar leichtfüßige wechsel zwischen tradierten attributen und progressivität, zwischen dem gestern und dem übermorgen sind eine enorme bereicherung im empfinden eines europäers. es ist einfach unglaublich mit anzusehen, wie junge, japanische frauen zwischen jahrtausende alten kimono-variationen und modernen, trendorientierten outfits wechseln können und sich dabei selbst immer treu bleiben.

europäer und japaner lachen beide gerne, jedoch über unterschiedliche dinge. worin unterscheidet sich deiner meinung nach der humor zwischen europäern und japanern?
ich denke, dass japanische menschen grundsätzlich sehr diskret und zurückhaltend sind, was das lachen anbelangt. sie verdecken beim lachen auch zumeist ihren mund. humor ist aber grundsätzlich sehr vielschichtig und ich würde dies nicht nur an den kulturellen unterschieden zwischen europa und asien festmachen. auch unter uns europäern gibt es ja ein sehr großes spektrum an witz und humor, wird überall über etwas anderes gelacht.

europäer, auch amerikaner, sind oft fasziniert von japanischer ästhetik: die schlichtheit und einfachheit der formen bei möbeln, architektur, bei der gartengestaltung oder beim essen kommen unserem sinn für aufgeräumtheit und ruhe entgegen. haben japaner einen besseren blick auf die wesentlichen dinge?
ja, in gewisser weise kann man das so sagen. insgesamt gesehen lässt sich das aber nicht so verallgemeinern. das leben in japan ist ziemlich hart und es gibt eine flut an täglichen werbe- und informationsbotschaften. außerdem leben dort so viele menschen auf engem raum, herrscht ein unglaublich enormer leistungsdruck am arbeitsmarkt. in diesem zusammenhang sollte die reduziertheit und einfachheit in den verschiedenen bereichen der lebenskultur betrachtet werden, meine ich. die leute suchen nach den alltäglichen anstrengungen zuhause dann einfach ruhe und geradlinigkeit. ...

das spiel aus licht und schatten, eine ausgeprägte gartenkultur, feine konturen und transparenz in räumen, viel holz und papier ... der japanische sinn für schönheit steht stets im engen bezug zur natur. inwieweit inspiriert dich diese art von zugang zur natur?
ich persönlich habe schon immer blumen und bäume sehr gemocht. ich fotografiere leidenschaftlich gerne und habe stets naturnahe fotos gemacht und diese sowohl als dekoration für meine stores als auch als serigraphie auf der kleidung verwendet. dieser enge bezug zur natur stellt meine eigene persönlichkeit, sozusagen mein eigenes ich dar, dies hat aber nicht unbedingt etwas mit der japanischen denk- und lebensweise zu tun.
ich mag japan, aber mein eigentliches lieblingsland ist marokko. zwischen diesen ländern herrschen viele gemeinsamkeiten: der hohe stellenwert von wasser, das licht, nackte füße, am boden sitzen ... all das mag ich sehr.

was können wir europäer von der japanischen kultur und den menschen lernen?
also ich bin der meinung, dass jeder von jemand anderen etwas lernen kann und soll!
helmut wolf
pool journal