17
 
   
isn’t that fun
was ist guter humor? borat? oder doch ein alter film mit charlie chaplin? in wahrheit lautet die frage doch: lacht man über sich selbst, oder lieber über andere?
ich bin für die meisten gängigen formen von humor grauenhaft unanfällig. witze kann ich mir nicht merken. stimmt nicht ganz. drei witze aus meiner kindheit könnte ich auf nachfrage rezitieren. das problem ist nur: das einzig lustige daran ist, dass sie wirklich bestenfalls kinder unterhalten. erwachsene bringe ich damit nur deshalb zum lachen, weil es einfach eine komische note hat, wenn man jenseits des - sagen wir mal achten lebensjahres - solche scherze auf lager hat. also an dieser stelle keine kleine anekdote von „gitschi und gatschi“, der wurstsemmel und dem kochlöffel oder dem herren in der irrenanstalt und seiner zahnbürste. sondern lieber das nächste feld, in dem ich ein bisschen anders bin als die anderen kinder. ich lache kaum, wenn ich filme sehe. selbst die komischsten aller komödien unterhalten mich zwar blendend, aber ich lache selten. im kino noch weniger. mehr noch: es befremdet mich, wenn sich mein sitznachbar bei jeder kleinen ulkigkeit vor lachen schüttelt. obwohl ich tief im innersten wohl ebenso amüsiert bin wie er. auf grund dieser tatsache bin ich wahrscheinlich auch die entsetzlichste begleitung, die man sich für einen abend im kabarett wünschen kann. ein bisschen „mitkudern“, wie wir das in österreich so wunderschön zu beschreiben wissen, ein amüsierter gesichtsausdruck – das war es. dass ich mir vor lachen auf die schenkel klopfe, wird wohl in solch einer umgebung nie vorkommen. und um mich jetzt als komplette spaßbremse zu outen, muss ich wohl auch noch gestehen, dass ich auch bücher nur sehr selten zum lachen finde. den amüsantesten text lese ich praktisch ohne äußere gefühlsanzeige meiner inneren belustigung. komisch – finden die meisten menschen. aber lachen, also laut und herzlich lachen, ist für mich einfach etwas, was auf zwischenmenschliche kontakte beschränkt ist. mit einer freundin oder einem bekannten kann ich kichern, prusten, tränen lachen. allerdings: bevorzugt über eigene schwächen und marotten. mit großem spaß erzähle ich von missgeschicken, fettnäpfchen, in die ich getreten bin, hoppalas, die mir passiert sind. denn ich bin der absoluten überzeugung, dass der beste anlass für humor und ironie noch immer man selbst ist.
dieses sich selbst nicht wichtig nehmen und auch mal herzlich über sich selbst lachen können, ist für mich heute fast bedingung einer freundschaft geworden. was soll man auch mit jemandem, der nur andere zum anlass nimmt, sich zu amüsieren? mit bierernsten oder mimosenhaften gesprächspartnern kommt mir nur dieses grauenhafte aufgesetzte dauerlächeln über die lippen. einen so verbrachten abend merke ich spätestens am nächsten tag, wenn meine wangenmuskulatur die anspannung dankt. sind es dagegen die bauchmuskeln, die sich am nächsten morgen melden, weiß ich, dass ich mich bestens unterhalten habe. ein sicherer indikator für das richtige – oder falsche – maß an spaß.
martina müllner
pool journal