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bosom buddies
es gibt wahrscheinlich keinen anderen weiblichen köperteil, der männerfantasien je mehr anregen konnte als der busen. unzählige fotos, bücher, magazine, filme, schmuckstücke, kleider, bikinikollektionen und andere produkte rund um den busen bezeugen die unaufhörlich inspirierende kraft dieses weiblichen fruchtbarkeitssymbols.
als der amerikanische schriftsteller philip roth 1972 in seinen kurzroman „die brust“ einen mann beschrieb, der in einen gigantischen busen mit einer überempfindlichen brustwarze anstelle eines penis verwandelt wurde, war dies nicht nur die hochblüte der sexuell freimütigen „love & peace“-bewegung sondern auch der beginn des kults von künstlich vergrößerten brüsten und großbusiger covermodels. vor allem in amerika aber auch in vielen anderen staaten der welt legten viele zeitschriften, filme, musiklabels und modemarken nunmehr hohen wert auf weibliche protagonisten mit „torpedoartigen“ riesenbrüsten. populäre models mit künstlich aufgepäppelten riesenbusen wie roxanne brewer oder roberta pedon, filmdarstellerinnen wie june mack oder francesca „kitten“ natividad erlangten in dieser zeit internationalen starruhm. etliche männermagazine mit namen wie kane, flying, gent oder d-cup kamen auf den markt und widmeten sich voll und ganz der kreativen busenfotografie. dabei wurden auch männliche vorlieben verfeinert und kultiviert, wie die aufnahmen der so genannten „puffies“, der knospenden, übergroßen brustwarzen, dokumentierten. moralische bedenken gegen die zunehmenden nacktaufnahmen und des öffentlich zur schau gestellten busenfetischismus wurden von der sexuellen revolution der jungen hippie-generation schnell im keim erstickt.
in diesem kulturellen und sozialen umfeld entwickelten sich auch die legendären „sexploitation“-filme des vor drei jahren verstorbenen us-regisseurs russ meyer. in seinen skurilen softsex-filmen wie „faster, pussycat! kill! kill!“, „supervixens“ oder „black snake“ begründete der liebhaber extrem großer oberweiten eine auf den weiblichen vorbau definierte ästhetik, ohne jedoch je ins pornografische abzugleiten. alles was unterhalb der gürtellinie seiner weiblichen busenwunder passierte, interessierte meyer als filmemacher überhaupt nicht. vielmehr spielten künstlich aufgepäppelte busen eine „tragende“ rolle in fast allen seinen 25 spielfilmen. die extreme größe der „möpse“ seiner darstellerinnen entsprachen meyer’s fantasie von wasserbällen, welche die schwerelosigkeit zu überwinden schienen. mit dem aufkommen der hardcore-pornofilme verlor russ meyer’s gemäßigter, busenzentrierter filmstil zunehmend an popularität.
es gab aber auch eine medial sehr busenreiche zeit vor den freizügigen „seventies“. bereits mitte der 20er-jahre des vorigen jahrhunderts tauchte der blanke busen bereits auf vielen zeitschriftentiteln auf, vor allem in den usa. während der kriegsjahre wurden sogar seitens der amerikanischen regierung bemühungen in gang gesetzt, den in europa stationierten us-soldaten poster drallbusiger „pin-up“-girls zur „zerstreuung“ zukommen zu lassen, damit diese den europäischen frauen besser wiederstehen konnten. eine vergrößerung des busens wurde damals noch als hinterhaltiger trick angesehen. die moralische zensur umging man damit, großbusigen models extrem knappe badeanzüge oder pullover anzuziehen, auf das der männlichen fantasie trotzdem genügend freiraum zur verfügung stand. bekanntestes pin-up-girl anfang der 1940er-jahre war die später zur filmdiva avancierte rita hayworth, die mit einem foto im negligé zu enorm großer beliebtheit gelangte. angeblich wurde dieses foto sogar auf jene atombombe gemalt, die später über dem bikini-atoll im jahre 1946 abgeworfen wurde.
wer die entwicklung der letzten jahrzehnte und den stellenwert des busens bis heute mit all seinen operativ aufgemotzten riesenausformungen und bis zu 400 kubikzentimeter großen implantaten betrachtet, wird sich möglicherweise nach jener zeit zurück sehnen, als große busen noch als geschenk von mutter natur angesehen wurden und nicht auf die frage hinaus gelaufen sind: „echt oder nicht echt?“
„the big book of breasts“ ist in diesem zusammenhang ein ausgesprochen vielseitiges und anregendes nachschlagewerk über die geschichte und (männliche) bedeutung des busens im verlaufe der letzten 80 jahre. das im taschen-verlag erschienene, großformatige buch zeigt in visuell eindrucksvoller art und weise, wie schwer der große busen an der frau physisch und psychisch wiegen kann und woran sich männer wahrscheinlich noch in tausenden von jahren ergötzen werden: „sollte ihnen beim betrachten des buches das wasser im mund zusammen laufen, so ist das ganz normal und weist auf die bedürfnisse der oralen phase hin, die sich bemerkbar macht,“ erklärt autor dian hanson im vorwort. viele männer werden sich diesen ausspruch beim lesen des buches sicher zur brust nehmen ...
helmut wolf
pool journal