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häufig gestellte fragen
worüber lachst du am liebsten?
über die fragen in diesem interview.
wann oder bei was verstehst du absolut keinen spaß?
bei den antworten in diesem interview.
deine liebste komödiantische filmszene?
so ziemlich jede filmszene aus „brokeback mountain“
dein „alltime-favourite“-comic bei mad?
das nächste heft! unbedingt kaufen!
onomato-poetic
ursprünglich entspringt alfred e. neuman ja einer zahnarztwerbung. dass er mitsamt seiner zahnlücke seit rund 500 ausgaben selbstbewusst monat für monat vom cover des legendären us-satiremagazins mad lächelt, ist wohl eine ironie des schicksals. unzählige persönlichkeiten hat er mit seinem schelmischen aussehen „degradiert“ oder je nach betrachtungsweise humoristisch „geadelt“. obwohl alfred e. neuman real eigentlich gar nicht existiert, verkörpert er eine ins gesicht geschriebene geisteshaltung, welche all die widrigkeiten der welt mit einem bloßen lächeln quittiert. von menschlichen lächerlichkeiten und mehr kann auch us-mad-chefredakteur john ficarra einiges erzählen ...
prince charles, darth vader, marilyn monroe, george w. bush, spongebob, harry potter, tom cruise, johann wolfgang von goethe, albrecht dürer, king kong, justin timberlake, lawrence von arabien, mister t., spiderman, maharishi mahesh yogi, mr. spock, der papst, rosemarie’s baby, pacman, mona lisa, santa claus, moses, shrek, der mann im mond und noch viele charaktere mehr - sie alle mussten schon daran „glauben“ und ihre identität einem humoristischen lifting durch den cover-star des amerikanischen satire-magazins mad unterziehen: alfred e. neuman hat schon viele rollenbilder eingenommen, bekannte filmstars und berühmtheiten in seinen bann gezogen und sie mit einem pausbäckigen lächeln entzaubert. viele dieser fotografisch nachempfundenen illustrationen und zeichnungen haben heute kultstatus und selbst seriöse zeitschriften und nachrichten-tv-sender fanden für alfred e. neuman’s lebensmotto „what, me worry“ (sinngemäß: „na, und“) schon redaktionelle verwendung. seit über 50 jahren ist keine öffentliche persönlichkeit sicher vor den liebevoll-absurden spott- und hohn-attacken der „usual gang of idiots“, wie sich die redaktionsmitarbeiter des us-magazins mit hauptsitz in new york zu bezeichnen pflegen. seit dem start des von harvey kurtzman und william gaines gegründeten satiremagazins im jahre 1952 lautet die devise, nichts und niemanden „ernst“ zu nehmen, weder sich selbst, die leser, die gesellschaft oder das leben an sich. es galt und gilt, durch satire abstand zu gewinnen vom so genannten „ernst des lebens“. es gilt, ironie und humor als geisteshaltung zu kultivieren, die definition von klamauk und parodie als möglichkeit, die welt und jene von menschen auferlegten regeln, normen und mechanismen humorvoll in frage zu stellen – am besten darüber herzhaft zu lachen! „jeder hat das recht verarscht zu werden“, beschrieb einmal herbert feuerstein, bis 1992 erfolgreicher chefredakteur des deutschen mad-magazins, die grundintention des satireblattes. „what, me worry“, lautet entsprechend der prägnante leitspruch des cover-stars alfred e. neuman, der seit jahrzehnten gültigkeit besitzt und schon in vielen ländern dieser welt sinngemäß adaptiert und verbreitet wurde.
in den über 50 jahren ironisch-journalistischen wirkens konnte das satire-magazin bereits generationen an komikern, schauspielern, talkshow-mastern, filmemachern, illustratoren, spieldesignern, werbeleuten und journalisten gewissermaßen „humoristisch sozialisieren“. ohne mad würde es schauspieler wie leslie nielsen oder bill murray, würde es tv-serien wie die simpsons oder spongebob, würde es den hohen anteil von satire und ironie in der film-, werbe- und kommunikationsbranche wahrscheinlich nicht in dieser ausprägung geben. die weltweit erscheinenden lizenzausgaben des us-magazins, von brasilien, england, kanada über taiwan bis nach schweden, italien oder in der türkei, sorgten in den vergangenen jahrzehnten für die globale verbreitung dieser humoristischen lebensbetrachtung mitsamt seiner typischen art der visualisierung, ästhetik und sprache. apropos sprache: gerade dieser wurde in den überaus textstarken ausgaben stets viel raum zur freien, zur kreativen entfaltung gegeben. einerseits galt es die sogenannte „onomatopöie“, also die lautmalerei, zur kunstform zu stilisieren – von lechz, hechel, würg ... bis hin zu pow, crash und wham ..., andererseits wurde stets danach getrachtet, im gemeinsamen austausch mit den lesern auf großzügigen leserbriefseiten, eine der zeit entsprechend adaptierte, ironische wortbildung zu praktizieren, neue sprachliche ausdrücke und antworten auf „satirewürdiges“ zu erfinden.
seit über 25 jahren an der satirischen ausrichtung des us-magazins maßgeblich mitbeteiligt ist john ficarra, seines zeichens chefredakteur der „usual gang of idiots“ im new yorker hauptsitz von mad, der im nachfolgenden gespräch auf seriosität und wahrheitsgehalt seiner antworten größten wert legt.

lieber john ficarra, hat lachen und humor schon in deiner kindheit eine große rolle gespielt?
als kind sehr armer eltern musste ich meine kindheit quasi überspringen und begann gleich direkt zu arbeiten. damit es den behörden nicht auffiel, ging mein vater in meinem namen zu schule. er schloss die highschool mit 53 jahren ab, als ich gerade mit zehn jahren geschäftsführer eines großen textilkonzerns war. meine kindheit hole ich eigentlich erst jetzt nach. tut mir leid, dass ich momentan keine weiteren fragen beantworten kann, aber ich muss dringend raus zum spielen ...

glaubst du, ist humor erlernbar oder ist diese eigenschaft angeboren - oder eben nicht?
humor kann man sehr wohl lernen, das denke ich schon. das problem ist nur, dass dieser „humoristische“ unterricht nur an samstagen im sommer stattfindet – und das ist für die mehrheit der menschen eine echt unpassende zeit.

menschen lachen, tiere nicht, das wurde von der evolution so vorgesehen. wir würden wahrscheinlich das „staubtrockene“ leben ohne eine prise humor nicht so leicht verkraften. worin liegt für dich der sinn des humors ... gibt es dabei überhaupt sinn?
ich möchte mich gegen die behauptung aussprechen, tiere würden nicht lachen! wenn ich mich abends vorm zubettgehen ausziehe, könnte ich schwören, dass ich meine katze kichern höre ... nicht zu vergessen die hyänen! ich glaube, ich habe gerade dieses gesamte interview disqualifiziert ...

„wir sollten den humor ernst nehmen,“ meinte einmal ein bekannter philosoph. wird der humor in unserer gesellschaft zu wenig ernst genommen?
wäre dieser typ, von dem du sprichst, tatsächlich ein “bekannter philosoph” würdest du wohl seinen namen kennen, oder? ich glaube, ich habe gerade dieses gesamte interview disqualifiziert ...

wie begegnest du menschen, die sich zu wichtig, zu „ernst“ nehmen?
kürzlich besuchte ich einen griesgrämigen freund von mir im krankenhaus, der dort auf der intensivstation lag. ich machte allerhand faxen, um ihn aufzuheitern. ich brachte seine tabletten durcheinander. ich vertauschte sein krankenblatt mit dem seines bettnachbarn. ich tat so, als würde ich stolpern und zog dabei den stecker aus all seinen geräten! und innerhalb kürzester zeit wurde er zu einem anderen menschen! ich schwöre, ich sah ein kleines lächeln auf seinen lippen, als sie sein gesicht zum letzten mal mit einem weißen leinentuch bedeckten.

apropos todernst vs. humor: woher glaubst du stammt die aussage „ich lache mich tot“?
der ausspruch stammt im original von einem der „trapp“-kinder (erfolgreicher heimatfilm und musical „the sound of music“, anm.). vom kleinsten kind, um genau zu sein.

humor wird weltweit unterschiedlich verstanden und aufgefasst. das lachen verbindet jedoch die menschen auf der ganzen erde. gibt es so etwas wie einen kulturell versöhnlichen effekt des humors?
nein, und außerdem glaube ich auch nicht, dass es so etwas wie den weiblichen orgasmus gibt.

satire und humor haben in den letzten jahrzehnten eine enorme wandlung erfahren. war in den 50er-, 60er- und 70er-jahren satire ein element der befreiung aus einengenden konventionen, so ist spaß und ironie heute zum massenphänomen geworden – man spricht auch von der „spaßgesellschaft“. wie beurteilst du diese entwicklung des humors?
du hast absolut recht damit, dass satire und humor in den letzten jahrzehnten eine enorme wandlung erfahren haben. und ich glaube, dass diese entwicklung noch nicht abgeschlossen ist! für heuer rechne ich mit bahnbrechenden änderungen bei launen und fröhlichkeit. vielleicht stellt sich sogar die rückkehr von frivolität ein, wenn es zeitlich noch machbar ist.

du bist seit fast 25 jahren beim us-amerikanischen satiremagazins mad tätig. also beruflich jeden tag mit humor, witz und satire in engster berührung. inwieweit verändert einen diese tätigkeit auch in der persönlichkeit?
lass mich deine frage mit einer gegenfrage beantworten: was sagte die schnecke, als sie auf der schildkröte ritt? „huuuuuuii!“ also, um deine frage zu beantworten: ich bin mir ziemlich sicher, dass „c“ die richtige antwort ist.

lachen ist gesund. humor soll sogar das leben verlängern und in afrika sagt man, dass lachen die zähne reinigt. humor ist manchmal wahrscheinlich besser als jede medizin, oder?
ich finde auch, dass humor besser als jede medizin ist. tatsächlich bin ich stolz darauf, momentan an klinischen studien teilzunehmen, die dies beweisen. die ersten ergebnisse belegen versprechende aussichten darauf, grippe mit wortspielen zu heilen. bluter reagierten sehr gut auf „klopf-klopf“-witze und – unglaublich aber wahr – einige blinde haben durch rätsel teilweise ihr augenlicht zurück gewonnen.

humor gilt als „entwaffnend“, gewissermaßen friedensstiftend. wer viel lacht denkt nicht an gewalt, streit und ärger. das wäre ja eigentlich etwas für die politiker dieser welt ...?
es gibt tatsächlich erstaunliche beweise für deine behauptung, dass humor „entwaffnend und gewissermaßen friedensstiftend“ ist. ich meine, wann wurde ein mitglied von al qaeda schon mal in einem comedy club gesehen?

humor ist gewissermaßen zeitlos. werden wir in zehn, zwanzig jahren über dieselben dinge herzhaft lachen können wie heute?
tja, lass uns diese theorie einfach mal testen. ich denke jetzt gerade an etwas sehr amüsantes. bitte komm 2016 und 2026 jeweils noch einmal auf mich zurück – dann sage ich dir, ob ich es noch immer amüsant finde.
helmut wolf
pool journal