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häufig gestellte fragen
was inspiriert dich besonders?
das leben selbst
welche momente magst du am meisten?
wenn ich mit meiner tochter spiele und mit meiner frau schlafe
was ist deine bevorzugte kleidung? haut
dein liebster ort? der planet erde
a man as gardener
new york, paris ... gibellina. die italiensche jeansmarke meltin’ pot hat als hintergrund ihrer neuen image-kampagne nicht eine der großen modemetropolen gewählt sondern eine ganz besondere, kleine stadt auf der insel sizilien. die „vergessene“ stadt gibellina gilt als menschliches sinnbild für vergänglichkeit und die sehnsucht nach wiederaufbau und glück.
als im jahr 1968 ein furchtbares erdbeben das „valle del belice“ im herzen siziliens erschütterte und binnen minuten die stadt gibellina dem erdboden gleich machte, waren zwar all die historischen gebäude zerstört, jedoch nicht die hoffnung der menschen auf einen raschen wiederaufbau. bürgermeister ludovico curraro beschloss, die im 14. jahrhundert gegründete stadt rund 20 km westlich, an einem vermeintlich sicheren platz wieder heranwachsen zu lassen. künstler und architekten sollten dem neuen „gibellina nuova“ eine tiefe, einzigartige symbolik verleihen: menschliche kraft und kreativität als mittel, um den naturgewalten zu trotzen. und wie das leben so spielt, wurde aus all den träumen leider nicht jene gewünschte realität und viele der monumentalen kunstwerke, skulpturen und abstrakten gebäude blieben unvollständig. trotzdem hat die stadt wieder zu strahlen begonnen, hat sich eine art „magische aura“ ausgebreitet. „gibellina ist eine geschichte über künstlerische utopien, ein ort verloren gegangener möglichkeiten“, umschreibt der italienische architekt und interieur-designer fabio novembre den sizilianischen ort. novembre konnte den chef des italienischen jeanslabels meltin’ pot, augusto romano, von der unglaublichen atmosphäre dieses ortes überzeugen, um dort die neue image-kampagne fotografieren zu lassen. ein erfolg, wie die visuellen ergebnisse des bekannten fotografen „rankin“ bezeugen. im gespräch mit dem architekten fabio novembre über städter und leute vom land, über wiedergutmachung und das schöne sizilien haben wir über den südlichsten teil von italien erfahren, dass er voller geschichte ist. die heute abseits der touristenorte von armut gekennzeichnete insel war, bevor italien 1861 zur nation wurde, der reichste teil des landes. die gesamte sizilianische tradition basiert auf kultur und adel. für den architekten ist der süditalienische ort ganz anders als typisch für sizilien. er bezeichnet ihn als gesellschaftliches experiment, als künstlerisches „utopia“. gibellinas geschichte stehe weniger für den überlebenstrieb der menschen, sondern als symbol der wiedergutmachung, für die möglichkeit aus vermeintlichen grenzen chancen zu machen.

lieber fabio novembre, historische gebäude und kirchen haben gerade im ländlichen raum eine wichtige soziale funktion. dort trifft man sich, tauscht sich aus, identifiziert sich mit seiner umgebung. wie beurteilst du das leben am land und in der stadt?
architektur spielt seit jeher eine wichtige rolle im sozialen gefüge. der unterschied zwischen stadt und land besteht für mich heute in der geschwindigkeit des lebens. die städte sind schnell, oft zu schnell. am land ist alles noch langsamer, geruhsam und beschaulich. ich glaube, dass das örtliche umfeld die menschen, ihre betrachtungsweisen und handlungen beeinflusst, jedoch liegt es im endeffekt an einem selbst, seine eigene lebensgeschwindigkeit zu wählen.

was meinst du, können typische städter von den menschen, die am land leben, lernen?
ich denke, dass städter wie ich lernen sollten, manchmal einen gang zurück zu schalten. das geht oft ganz einfach. zum beispiel hat mein haus in mailand einen kleinen garten, und es ist erstaunlich, wie viel er mir bedeutet. manchmal wäre ich sogar gerne gärtner… so wie peter sellers in „being there“.

die menschen streben heute nach perfektionismus und fortschritt. auf der anderen seite gibt es diese starke sehnsucht nach natürlichkeit und ursprung, wie sie oft nur noch mehr in ländlichen gegenden zu finden ist. wie siehst du diese gesellschaftliche entwicklung?
für mich widersprechen sich diese beiden dinge nicht unbedingt. was du als „fortschritt und perfektionismus“ bezeichnest, sind folgen der evolution, die uns die natur immer wieder zeigt. ich denke der unterschied liegt darin, wie man die dinge sieht.
helmut wolf
pool journal