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horsepower
menschen und hunde sind ein gewohntes bild in der stadt. wer in der großstadt mit einem pferd unterwegs ist, wird höchstwahrscheinlich mit unverständnis und kopfschütteln bedacht. das globale projekt streethorsing möchte den vorurteilen gegenüber pferden als „fortbewegungsmittel“ in der stadt entgegenwirken und hat nun gemeinsam mit der „streetwear“-marke wesc ein buch heraus gebracht.
die beziehung zwischen mensch und pferd ist von jeher eine sehr ambivalente. einerseits versinnbildlicht das pferd für den menschen tugenden wie freiheit und kraft, gleichzeitig gilt es aber auch als symbol der totalen unterwerfung und folgsamkeit. ebenso diente und dient es dem menschen als nutztier, was es beispielsweise in den meisten fällen vom ebenso treuen menschbegleiter hund unterscheidet. durch die jahrtausende lange, gemeinsame geschichte haben wir menschen viel von den pferden gelernt. pferde sind gute lehrer, sie spüren ungeduld und unbeherrschtheit, sie belohnen freundlichkeit und sensibilität. in der mythologie gibt es deshalb viele völker und kulturen mit zahlreichen pferdegestalten. vor allem die griechische mythologie weist viele sogenannte mischwesen auf. das „menschenpferd“ zentaur ist wahrscheinlich das bekannteste wesen der mythologie, ebenso wie das geflügelte, halbgöttliche pferd pegasus. im laufe der jahrtausende und jahrhunderte hat sich der zugang des menschen zum nunmehrigen „hauspferd“ völlig verändert. die tiere sind auf uns angewiesen, beim reiten der pferde geht es in erster linie um spaß, um sportliche aspekte und um eine harmonische verständigung.
über die momentane beziehung zwischen mensch und pferd in der großstadt geht es auch beim projekt „streethorsing“, welches vom initiator ryan galfando vor einiger zeit ins leben gerufen wurde und nun in form eines buches einer breiten öffentlichkeit visuell dargestellt wird. das werk ist unter dem titel „horse play – a streethorsing retrospective“ erschienen und wurde von der schwedischen streetwear-marke „wesc“ publiziert. auf 200 seiten zeigt das buch in großzügiger art und weise, wie sich pferd und mensch gemeinsam in unseren heutigen städten bewegen und darstellen (könnten). „streethorsers“ in vielen metropolen dieser welt zeigen, wie sie urbane lebenskultur mit einer zeitgemäßen nutzung von pferden interpretieren. zu dieser ungewöhnlichen art der mobilität auf der straße gehört das bewältigen von innerstädtischen treppen ebenso wie das überspringen von zäunen oder geländer. die schwedische modemarke „wesc“ war von dieser aussagekraft und „pferdestärke“ jedenfalls sehr angetan und ließ ihre modeschau für die aktuelle herbst/winter-kollektion gleich in einem pferdestall abhalten. „hüh hot“ könnte es auch bald in ihrer nähe klingen ...
helmut wolf
pool journal