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der italienische designer giorgio brato verleiht leder eine moderne optik – trotz seiner ausgeprägten vintage-passion.
giorgio brato hat seine passion zum beruf gemacht. der gebürtige italiener, der mit bürgerlichem namen eigentlich braschi heißt, war jahrelang als trendscout für günstige modelieferanten tätig. eine arbeit, die im klartext bedeutete, angesagte designs von großen marken zu kopieren. mit jeder saison, die ihm wieder vor augen führte, wie austauschbar mode ist, wurde für brato klarer, dass er eine eigene modelinie starten wollte. nicht weil er sich für besser als die anderen hielt, sondern weil er seinen persönlichen stil längst nicht mehr erfüllt fand. fest stand: einzigartig müsse es sein, was er sich für sein label träumte – und unbedingt mit seiner großen passion leder zu tun haben.
in seiner heimatstadt bologna, italiens heimlicher hauptstadt der lederverarbeitung, wagte er erste experimente. er wusch und färbte kostbare kalbs- und ziegenleder, ließ das material kunstvoll altern, arbeitete wie besessen an allen details – bis irgendwann eine kleine herrenkollektion daraus entstand. diese schuf er für den eigengebrauch und eine auserwählte schar an freunden und bekannten, die die sehnsucht nach einem authentischen stück mit ihm teilten. von anfang bis ende von hand gefertigt, hatten die stücke von giorgio brato von beginn an ihren preis, und das unter anderem deshalb, weil der designer ohne rücksicht auf kommerz seine vorstellungen verwirklicht. mit leuchtenden augen erzählt er enthusiastisch von den highlights seiner kollektion, die mittlerweile auch damenmode, taschen und schuhe umfasst. „die stücke sind wie meine kinder“, erzählt der charismatische italiener lachend. nicht er selbst, sondern seine stücke sollen im rampenlicht stehen. fashion-stores, die das prinzip seiner mode nicht verstehen, beliefert er erst gar nicht. „ein giorgio brato stück wird nie perfekt sein. das will es auch gar nicht, das passt doch gar nicht zu gewaschenem und natürlich gefärbtem leder, das bei kleinen handwerksbetrieben verarbeitet wird“, so der designer.
martina müllner
pool journal